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Die nächste grüne Bundesanleihe kommt

·Lesedauer: 4 Min.

Im November wird Deutschland seinen zweiten Green Bond begeben. Insgesamt braucht der Bund im vierten Quartal mehr Geld von Investoren.

Weniger Steuereinnahmen, mehr Ausgaben. Die angespannte Haushaltslage des Bundes als Folge der Corona-Pandemie spiegelt sich auch am Kapitalmarkt wider. Im vierten Quartal wird Deutschland erneut mehr Bundeswertpapiere platzieren als Ende vergangenen Jahres vorgesehen.

Die Deutsche Finanzagentur hat jetzt als Schuldenmanager des Bundes angekündigt, sich zwischen Oktober und Dezember 52 Milliarden Euro bei Investoren zu leihen. Das sind sechs Milliarden Euro mehr als ursprünglich geplant.

Dennoch kehrt allmählich wieder etwas Normalität ein. Im zweiten und dritten Quartal lagen die Platzierungen noch sehr viel deutlicher über den avisierten Volumina. Im vierten Quartal wird es zwar erneut mehr kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von sechs und zwölf Monaten geben. Am Kapitalmarkt bleibt es bei den geplanten 29 Milliarden Euro für Anleihen mit Laufzeiten von zwei, fünf, sieben, zehn und 30 Jahren.

Insgesamt sammelt der Bund in diesem Ausnahmejahr um die 407 Milliarden Euro bei Investoren ein. „Es ist ein nie da gewesenes Emissionsvolumen aufgrund der außergewöhnlichen Umstände“, sagte Finanzagentur-Chef Tammo Diemer. Vor Corona hatten die Planungen bei maximal 218 Milliarden Euro gelegen.

Im vierten Quartal wird es trotz der unveränderten Planung beim Volumen eine gewaltige Neuerung geben. Am 4. November wird der Bund seine zweite grüne Bundesanleihe begeben. Sie wird eine fünfjährige Laufzeit haben und fünf Milliarden Euro schwer werden. Lange hat Deutschland mit Green Bonds auf sich warten lassen, doch jetzt geht es geordnet weiter.

Erst Anfang September hatte Deutschland seine erste grüne Bundesanleihe begeben, die Investoren „Green Bund“ tauften. Finanziert werden damit klimafreundliche Entwicklungen wie etwa die Förderungen von Ladestationen für E-Autos oder Industriestrom aus Wasserstoff. Die Nachfrage für den zehnjährigen „Green Bund“ im Volumen von 6,5 Milliarden Euro mit einer Rendite von minus 0,46 Prozent war enorm: 185 institutionelle Investoren gaben Kaufaufträge für gut 33 Milliarden Euro ab.

Das lag auch daran, dass die Finanzagentur mit der Platzierung ein Bankenkonsortium beauftragt hatte. Das gab der Finanzagentur laut Diemer den „Luxus“, sehen zu können, welche Investoren sich für die Anleihe interessieren und welchen Preis sie dafür zu zahlen bereit waren. Die neue fünfjährige grüne Anleihe wird aber über das für Bundeswertpapiere übliche Auktionsverfahren platziert, das heißt, die Banken gehen diesmal leer aus und bekommen keine Gebühren für die Platzierung.

Bei Anleihen im Auktionsverfahren können zunächst nur die derzeit 36 Banken aus der Bietergruppe Bundesemissionen die Anleihe kaufen und sie später an andere Investoren weiterreichen. Banken als Konsortialführer für Anleihen nutzt die Finanzagentur laut Diemer nur, wenn es um neue Produkte geht, wo der Preisfindungsprozess nicht klar ist, oder wenn besonders große Volumina verkauft werden.

In diesem Jahr hat die Finanzagentur erstmals seit Langem wieder Bankensyndikate genutzt: für das grüne Bundespapier ebenso wie für eine 30-jährige Anleihe mit einem mit sechs Milliarden Euro ungewöhnlich hohen Volumen für diese Laufzeit ebenso wie für die erste 15-jährige Bundesanleihe, die 7,5 Milliarden Euro schwer wurde. Insgesamt zahlte die Finanzagentur den Banken so 29 Millionen Euro an Gebühren.

Kein Bankensyndikat

Der neue fünfjährige Green Bond ist zwar wegen der Laufzeit für den Bund Neuland, aber das Programm für grüne Anleihen hatte laut Diemer von Anfang an vorgesehen, auch Green Bonds im für den Bund herkömmlichen Auktionsverfahren zu platzieren. Im kommenden Jahr kann Diemer sich eine grüne Bundesanleihe mit Laufzeit von 30 Jahren vorstellen. Die könne vom Volumen her etwas kleiner ausfallen, von daher sei auch für diese Platzierung ein Bankensyndikat nicht zwingend nötig. Festlegen wird sich die Finanzagentur aber erst Ende des Jahres.

Die Mittelaufnahme des Bundes wird durch die grünen Bundesanleihen nicht erhöht. Das liegt an einem innovativen Konzept: Deutschland begibt seine Green Bonds als „Zwillingsanleihen“, also parallel zu einer konventionellen Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit und gleichem Zins. Die Mittel für den konventionellen Zwilling verbucht die Agentur in den Eigenbestand und nicht als an den Märkten aufgenommenen Kredit. Investoren können die grünen Anleihen so jederzeit in herkömmliche Bundesanleihen umwandeln. Der Markt wird so entscheidend liquider, was für institutionelle Investoren sehr wichtig ist.