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Mutationen von Covid-19 nicht so gefährlich, wie befürchtet

Um die Mutation von Sars-CoV-2 nachzuverfolgen, analysieren Forscher auf der ganzen Welt die genetische Zusammensetzung des Virus. (Illustration: Getty Images)

Viele Viren verändern und passen sich ständig neu an, das gilt auch für das Covid-19 Virus. Eine neue Studie zeigt jetzt, wie die Mutation das Coronavirus bisher verändert hat und was die Folgen sind.

Durch die rasante Ausbreitung von Sars-CoV-2 über die ganze Welt und die heftigen Auswirkungen der Pandemie gehört das Virus schon jetzt zu den meistanalysierten Erregern. Sars-CoV-2 gehört zur Gruppe der RNA-Viren. Diese weisen normalerweise schnellere Mutationen auf, als DNA-Viren, weil die die Zellen-eigenen Korrekturen der DNA nicht für sich nutzen können. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass auch Sars-CoV-2 schon vielfach mutiert ist. Die Abgleichung der RNA-Sequenzen miteinander lassen ein recht lückenloses Bild der Forscher zu, das aufzeigt, wie stark und an welchen Orten die Mutationen stattgefunden haben.

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Das kann große Auswirkungen auf die Wirksamkeit eines Impfstoffes oder eines Medikamentes haben. Influenzaviren, die Auslöser der saisonalen Grippe sind, verändern sich zum Beispiel so schnell, dass die Impfstoffe jedes Jahr angepasst werden müssen. Diese Furcht bestand auch für Covid-19, zumal Wissenschaftler bereits im März warnten, dass es zu diesem Zeitpunkt schon zwei oder sogar drei verschiedene Stämme des Virus gebe. Es war eine Hiobsbotschaft für alle, die auf der Suche nach einem effektiven Impfstoff sind. Zumal es im März hieß, die neu-mutierten Stämme könnten noch deutlich aggressiver als das Ursprungsvirus sein.

Viele Mutationen aber keine neuen Stämme

Nun aber kamen Forscher der University of Glasgow zu einem anderen Ergebnis. Die Studie der schottischen Wissenschaftler zeigt, dass Sars-CoV-2 zwar wie erwartet mutiert, jedoch bisher noch keine eigenen neuen Stämme gebildet hat. Das heißt, das Virus ist der Ur-Form nach wie vor relativ ähnlich. Insgesamt mehr als 7000 Mutationen weist die Studie nach. Eine nicht ungewöhnlich hohe Zahl für diese Art von RNA-Virus. Tatsächlich scheint Sars-CoV-2 sogar eher langsamer zu mutieren, als bisher angenommen. Allein die hohe Verbreitung durch zahlreiche Länder sorgen aber für viele Genveränderungen. Anlass zur Sorge gebe das Ergebnis nicht betonen die Autoren. Auch auf die Schwere der Erkrankung scheinen die Mutationen bisher auch keine großen Auswirkungen zu haben, stellten die Forscher fest. Zwar “verbessert” das Virus seine Ansteckungsfähigkeiten, doch den Wirt zu töten ist im Sinne der Verbreitung nicht nützlich für den Erreger.

Die Ergebnisse der Studie aus Glasgow stimmen überein mit einer französischen Studie zur Mutation des Virus und einer noch nicht bestätigten Studie aus New Mexico. Alle wiesen Mutationen des Virus nach, die belegen, dass sich Sars-CoV-2 schnell an seinen Wirt, den menschlichen Körper anpasst. Die Mutationen betreffen besonders häufig drei Proteine, die dem Virus das Eindringen in die Zelle erleichtern. Tatsächlich können die Analysen der Mutation sogar dabei helfen, die Auswirkungen des Virus auf den Menschen besser zu verstehen. Die Studie aus dem Los Alamos National Laboratory in New Mexico konzentrierte sich ebenfalls auf das sogenannte Spike-Protein. Dort mutiert das Virus an einer Stelle des Proteins, die von den Antikörpern des Immunsystems erkannt wird. Ein Hinweis darauf, warum die Reaktion des Immunsystems so heftig ausfällt.

Die bisherigen Studienergebnisse lassen jedenfalls hoffen, dass die Mutationen die Suche nach einem Impfstoff nicht wesentlich erschweren werden.