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Der Milliardärs-Boom: Wie die Superreichen von der Pandemie profitierten

·Lesedauer: 3 Min.
Luxusyachten im Hafen von Monaco.
Luxusyachten im Hafen von Monaco.

Ruchir Sharma ist Chefstratege bei der US-Investitionsbank Morgan Stanley und Autor des Buches "The Ten Rules of Successful Nations". Seine Untersuchung über den Aufstieg von "guten" und "schlechten" Milliardären macht deutlich, in welchem Ausmaß sie von der Coronavirus-Pandemie profitierten und noch reicher wurden, wie die "Financial Times" berichtet.

Weltweit stieg laut dem Forbes Magazin die Zahl der Milliardäre im vergangenen Jahr um 700 auf eine Rekordsumme von 2700 und ihr Gesamtvermögen um 4 Billionen auf insgesamt 11 Billionen Euro. Den größten Anstieg verzeichnete China: Von den aktuell 626 Milliardären kamen im letzten Jahr allein 238 Milliardäre hinzu. Aber auch in den USA stieg die Zahl drastisch um 110 auf 724. Die Regierungen in vielen Ländern müssten durch ihre Zentralbanken weltweit 7,4 Billionen Euro in die Volkswirtschaften pumpen. Ein Großteil dieser Zuwendung ist über den Umweg des Finanzmarktes direkt in das Nettovermögen der Ultra-Reichen geflossen.

Sharma rechnete aus, wie hoch der Anteil des Vermögens der Milliardäre am Bruttoinlandsprodukt verschiedener Ländern gemessen ist und wie sehr dieser seit der Pandemie gestiegen ist. An erster Stelle befindet sich Russland: Das Gesamtvermögen der Milliardäre machte vor der Pandemie etwa 23 Prozent des BIP des Landes aus und stieg dann in den letzten zwölf Monaten auf etwa 34 Prozent. In den USA ist dagegen gerade einmal ein Anstieg von 13 auf 19 Prozent zu verzeichnen. Auch in China ist nicht nur der Anteil an Milliardären gestiegen, auch ihr Anteil am BIP hat sich auf 15 Prozent fast verdoppelt. Diese Entwicklung verdeutlicht Sharma zufolge, dass wir das Ende der alten Wirtschaft, die von Rohstoff- und Immobilienunternehmen dominiert wurde, erreicht haben. Vielmehr wird die neue Wirtschaft nun von E-Commerce und Pharmazeutika, die den größten Teil des Reichtums generieren, bestimmt.

Wie die Analyse von Sharma zeigt, ist die Zahl der Milliardäre in Deutschland im letzten Jahr um 29 auf 136 gestiegen. Allerdings ist ihr Gesamtvermögen im Verhältnis zum BIP nur leicht von 11 auf 14 Prozent gestiegen. Die zehn reichsten deutschen Milliardäre besitzen durchschnittlich „nur“ ein Vermögen von 19 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In Amerika liegt dieser Durchschnitt bei 86 Milliarden Euro.

Da ein Boom an Milliardären aber auch destabilisierend wirken kann, ist wichtig zu unterscheiden, wie der Reichtum generiert wird. Daher unterscheidet Sharma zwischen „gutem“, „bösem“ und ererbtem Reichtum. In China und den USA geht der Reichtum des Großteils der Milliardäre auf „gute“ Branchen zurück, so vor allem Technologie und Industrie. Während der Reichtum vieler Milliardäre in Frankreich, Deutschland und Schweden auf Erbschaften zurückzuführen ist, profitieren Milliardäre in Russland, Großbritannien und Spanien dagegen häufiger aus „bösen“ Branchen — das sind Branchen, die zur Umweltverschmutzung beitragen und für Korruption bekannt sind.

Mit dem Anstieg der Zahl der Milliardäre steigt auch die Gefahr von Gegenreaktionen gegen den Reichtum. In den reichen Ländern konzentriert sich das bisher auf eine Besteuerung, ohne die tatsächliche Ursache für den Milliardärsboom anzugehen: das leichte Geld, das aus den Zentralbanken fließt. Wird der Geldhahn jedoch nicht zugedreht, nimmt die Vermögensungleichheit weiter zu, so Sharma.

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