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Ratenzahlung 2.0: Klarna verführt shoppingverrückte Millennials

·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Wer auf TikTok nach “Klarna” sucht, findet dort junge Leute, die zur Schau stellen, wie sie mit der beliebten App in die Miesen rutschen und sich nichts daraus machen. Einige zeigen sich beim Kauf von Kleidung mit Klarna und tanzen dann zu der Überschrift “Horrende Schulden”. Andere teilen Videos mit Zahlungsaufforderungen des Unternehmens, überlagert mit einer Zeile aus einem remixten Song: “I know your’re obsessed with me.”

Ein von Joella Louisa gepostetes TikTok-Video trägt den Titel “Wenn du ein neues Outfit trägst und Klarna dich daran erinnert, es zu bezahlen.” Sie wirkt elegant entsetzt darüber, dass die Realität sie auf so lästige Weise einholt. Abschrecken tut sie das jedoch nicht: “Früher, als ich kein Geld hatte, konnte ich einfach nichts kaufen”, erzählt sie Bloomberg News. “Mit Klarna kann ich das jetzt.”

Es ist dieser zweischneidige Aspekt des Hypes um den “Shoppe jetzt. Bezahle später” -Slogan von Klarna, der die Finanzaufsichtsbehörden beunruhigt: Die jungen Fashionistas auf TikTok erkennen zwar die Gefahr, sich durch solche Apps zu verschulden, aber die Versuchung ist womöglich zu groß. Ratingagenturen befürchten, dass diese zunehmend allgegenwärtige Finanzierungsmöglichkeit zu einer hemmungslosen Kreditaufnahme führen könnte.

Klarnas durchschnittliches Kundenalter beträgt 33 Jahre, die App ist attraktiv für Millennial- und Gen-Z-Käufer. Das half, ihr in einer kürzlich vom Vision Fund 2 von der SoftBank angeführten Finanzierungsrunde eine Bewertung von 45,6 Milliarden Dollar (38,4 Milliarden Euro) zu verschaffen. Das schnell expandierende Unternehmen aus Schweden ist in weiten Teilen Nordeuropas tätig und expandiert aggressiv in die USA. Es behauptet, das wertvollste Fintech-Startup der Welt zu sein, nach Stripe Inc. Ein Geldgeber, Chrysalis Investments, sagte der Times of London, dass das Unternehmen in 18 Monaten 125 Milliarden Dollar wert sein könnte, mehr als HSBC Holdings Plc.

Auch andere derartige Anbieter sind begehrt. Square Inc. hat gerade Afterpay Ltd. aus Australien für 29 Milliarden Dollar gekauft. Die Fintechs sagen, ihr Geschäftsmodell sei dem von Kreditkartenfirmen überlegen, weil sie von ihren Kunden keine hohen Zinsen und Gebühren verlangen. “Das Kreditkartenmodell ist für die Verbraucher einfach nicht mehr tragbar”, sagte Klarna-Mitgründer Sebastian Siemiatkowski letzte Woche vor Investoren.Die einfache, pinkfarbenen App von Klarna basiert auf einer weichen Bonitätsprüfung mithilfe eines Algorithmus. Käufer können ihren Einkauf bis zu 30 Tage später bezahlen oder über einen längeren Zeitraum verteilt in drei oder vier Raten. Bei mehr als 98% der Transaktionen auf der Plattform fallen keine Zinsen an, sagt Siemiatkowski. Das Fintech verdient das meiste Geld mit den Einzelhändlern, die bis zu 3,4% je Transaktion bezahlen plus 20 Pence (28 Cent) für die Aufschuboption “Zahlung in 30 Tagen”. Klarna hat 90 Millionen Nutzer und behauptet, dass Einzelhändler, die verzögerte Zahlungen anbieten, einen Anstieg des durchschnittlichen Bestellwerts von etwa 45% verbuchen. Nach Händlern, die Klarna nutzen, ist Deutschland der drittgrößte Markt des Unternehmens nach den USA und Schweden, so Datenanbieter Enlyft.

Geschäfte beziehen die App oft in ihr eigenes Marketing mit ein, wie etwa Missguided (“Jetzt heiß aussehen, später bezahlen” oder Boohoo (“Warte nicht bis zum Zahltag, Liebling, Boohoo akzeptiert Klarna”).

Aufsichtsbehörden besorgt

Die Bankenaufsicht ist ob der sorglosen Einstellung zu dieser Art von Verschuldung beunruhigt. Eine Untersuchung der britischen Financial Conduct Authority ergab, dass sich der Markt letztes Jahr mehr als verdreifacht hat und für Verbraucher potenziell gefährlich ist. Die Bafin beobachtet nach eigenen Angaben die Entwicklungen in diesem Marktsegment und wird bei Bedarf auf Basis ihres Mandats zum Schutz kollektiver Verbraucherinteressen aktiv werden.

Im Gespräch mit Klarna-Benutzern auf TikTok bestätigen diese die Bedenken. “Es ermutigt die Leute definitiv, mehr auszugeben, vor allem, wenn man am Ende des Monats bezahlt wird”, sagte Megan Harkin, eine der Kundinnen. “Und manchmal, wenn das Ende des Monats kommt, merkt man gar nicht, wie viel man schon ausgegeben hat, und dann ist die Hälfte des Lohns für Klarna-Rückzahlungen weg.”

Klarna widerspricht: Im Gegensatz zu Kreditkarten überprüfe das Unternehmen bei jeder Transaktion, ob der Kunde sich den Einkauf leisten kann, erstelle Rückzahlungspläne, um Kunden schuldenfrei zu halten und schränke die Nutzung ihrer Dienste ein, wenn jemand eine Zahlung nicht leistet.

Tatsächlich versuchen auch Kreditkartenunternehmen und Anbieter von Hypotheken, zur Erzielung höherer Einnahmen mehr Kredite an Kunden zu vergeben, ohne diese Kreditnehmer in Rückzahlungsschwierigkeiten zu drängen. Bei den neuen Angeboten mit Zahlungsaufschub besteht indes die Sorge, dass die Kunden mit Liquiditätsproblemen dann zu höher verzinsten Angeboten wechseln müssen oder gar nicht verstehen, dass sie sich überschulden.

Intern gab es bei Klarna wohl auch Bedenken, ob das Marketing zu aggressiv sei, sagten zwei ehemalige leitende Angestellte gegenüber Bloomberg News. Klarna erwiderte, das gesamtes Geschäftsmodell beruhe auf pünktlichen Zahlungen und der Fähigkeit, Risiken genau einzuschätzen. Angesichts eines baldigen Börsengangs wird vieles dort sicher inzwischen strenger geprüft.

“Manchmal habe ich 1.000 Euro Schulden und ich habe kein gutes Gehalt”, gibt Joella Louisa zu. “Klarna macht die Leute zu Shopping-Opfern.”

Überschrift des Artikels im Original:Millennials and Gen Z Are Hooked on a $46 Billion Shopping App

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