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"Was mich nachts wach hält, ist die Frage, wie wir den europäischen Markt für uns gewinnen können“ — Warum N26 seine Expansions-Pläne für die USA auf Eis legt

·Lesedauer: 4 Min.
Max Tayenthal, der Mitbegründer und Co-CEO von N26.
Max Tayenthal, der Mitbegründer und Co-CEO von N26.

Nach ersten erfolgreichen Vorstößen in den USA und Großbritannien will sich die digitale Neobank N26 nun wieder auf den europäischen Markt konzentrieren. Anfang Oktober erhielt die Digitalbank 900 Millionen US-Dollar (777 Millionen Euro) in einer neuen Finanzierungsrunde, allerdings unter strengen Auflagen der Finanzaufsicht BaFin. Das Geld kam unter anderem von den US-Investmentunternehmen Coatue Management, Third Point Ventures und Dragoneer, um die Expansion vorantreiben zu können.

N26 ist eine rein digitale Bank, die Kundinnen und Kunden in Europa und den USA Girokonten und Abhebungen am Geldautomaten über eine Debitkarte anbietet. Das Besondere an der Bank: sie hat sich als eine der ersten Banken auf die Kontoführung per Smartphone spezialisiert. Zu den weiteren Geldgebern gehören unter anderem der PayPal-Milliardär Peter Thiel und der Hongkonger Unternehmer Li Ka-shing.

Nach der Etablierung auf dem deutschen Markt begann das Fintech-Unternehmen mit der Expansion in anderen Ländern. 2019 startete die N26 auf dem US-Markt. Um neue Nutzerinnen und Nutzer anzulocken, gab das Unternehmen enorme Summen für Marketing aus. Die Bank war Teil einer Welle von europäischen Banken, die ihren Weg in die USA machen und den Markt herausfordern wollten. Mittlerweile kann die Bank weltweit über sieben Millionen Kundinnen und Kunden zählen. Ihre größten Konkurrenten, die in London ansässige Neo-Bank Revolut zählt derzeit etwa 16 Millionen Nutzer, die US-Bank Chime verfügt derzeit über zwölf Millionen.

Expansionspläne in die USA haben keine Priorität mehr

Nun scheinen sich allerdings die großen Expansionspläne von N26 abgeschwächt zu haben. Das Startup zog sich im Februar 2020 vorerst aus dem britischen Markt zurück, nachdem es zuvor rund 31 Millionen US-Dollar (27 Millionen Euro) für den Markteintritt ausgegeben hatte. Begründet wurde der Entschluss mit den Schwierigkeiten, die mit dem Brexit einhergingen. Darüber hinaus stiegen die Verluste 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 310 Prozent auf 249 Millionen US-Dollar (217 Millionen Euro). Dies wurde damals auf die rasant steigende Angestelltenzahl zurückgeführt.

Der Rücktritt aus Großbritannien war für die Notenbank zwar schwer, aber nicht verheerend. Von Beginn an lag der Fokus, der große Traum, auf der Etablierung auf dem US-amerikanischen Markt. Dort wurde das Unternehmen zunächst von dem Studienfreund des Mitbegründers Valentin Stalf, Nicolas Kopp, als Co-CEO vor Ort geleitet. Doch bereits nach weniger als einem Jahr verließ Kopp die Digitalbank wieder, gemeinsam mit etwa zehn Prozent der New Yorker Belegschaft.

Trotz der steigenden Kundenzahl in den USA — mittlerweile sind es über eine Viertelmillion — liegt der Fokus der Bank seit einiger Zeit nicht mehr auf dem US-amerikanischen Markt. „In unserer Branche sind die Synergieeffekte beim Wechsel von Europa in die USA nicht so groß wie beispielsweise bei WhatsApp, das sich leichter internationalisieren lässt“, gab der Mitbegründer und Co-CEO Max Tayenthal in einem Gespräch mit Business Insider USA an. „Wir mussten die Bank von Grund auf neu aufbauen, mit unterschiedlichen Lizenzen, Vereinbarungen und Zahlungssystemen. Wenn Sie mich vor vier Jahren gefragt hätten, hätte ich gesagt, wir würden jedes Jahr in einem neuen Markt starten. Aber heute weiß ich, einer ist schon komplex genug und man sollte diese Komplexität nicht unterschätzen.“

Gegenüber Business Insider USA erklärte der Mitbegründer, dass sich das Unternehmen zwar aus dem britischen Markt zurückgezogen hat. Allerdings habe das Fintech-Unternehmen es auf eine Art und Weise getan, die es der Bank ermögliche, zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzusteigen.

Bis vor kurzem nutzte die N26, wie viele andere Fintechs in den USA, eine Partnerbank, um Dienstleistungen in den Vereinigten Staaten anzubieten. So arbeitete die deutsche Digitalbank an der Seite der Axos Bank. Derzeit ist das Unternehmen jedoch auf der Suche nach einer neuen Partnerbank. Insgesamt richte sich die Aufmerksamkeit des Managements derzeit nicht so sehr auf die USA, erklärte Tayenthal. „Was mich nachts wach hält, ist die Frage, wie wir den europäischen Markt für uns gewinnen können.“

In den USA hat die N26 kürzlich die Marke von 250.000 Kundinnen und Kunden erreicht.
In den USA hat die N26 kürzlich die Marke von 250.000 Kundinnen und Kunden erreicht.

N26 ist nicht die einzige Neo-Bank, die in den USA auf Schwierigkeiten stößt. Varo Money brauchte drei Jahre, um eine nationale Banklizenz in den USA zu erhalten. Damit war das Unternehmen das erste Verbraucher-Fintech, das dies erreichte. Auch die britische Bank Monzo hatte es schwer. Erst kürzlich zog sie ihren Antrag auf eine US-Banklizenz nach Verhandlungen mit den Regulierungsbehörden zurück.

Der Senior Emerging Technology Analyst des SaaS-Unternehmen „PitchBook“, Robert Le, erklärte, dass das komplexe regulatorische Umfeld in den USA N26 vor große Herausforderungen gestellt habe. Er erläuterte, dass N26 bisher von der Axos Bank stark abhängig gewesen sei. Die Digitalbank sei aufgrund der Partnerschaft nicht in der Lage gewesen, Einnahmequellen im Privatkundengeschäft, wie beispielsweise Nettozinsen, zu nutzen. „Dies unterscheidet sich von den Aktivitäten in Europa, wo das Unternehmen eine voll lizenzierte Bank ist“, sagte der Experte. „Außerdem zwingt die zunehmende Kontrolle durch die BaFin das Unternehmen, sich auf das Heimatgeschäft zu konzentrieren.“

Die Digitalbank wurde kürzlich von der Finanzaufsichtsbehörde wegen Unregelmäßigkeiten bei der Geldwäschebekämpfung zu einer Geldstrafe in Höhe von 4,25 Millionen Euro verurteilt.

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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