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Metro lagert weite Teile seiner IT aus – 1300 Mitarbeiter betroffen

Kapalschinski, Christoph
·Lesedauer: 3 Min.

1300 Metro-Mitarbeiter aus der IT wechseln zum indischen Konzern Wipro. Der Outsourcing-Anbieter hegt große Pläne – auch für Deutschland.

1300 Mitarbeiter wechseln zum indischen Outsourcing-Anbieter Wipro. Foto: dpa
1300 Mitarbeiter wechseln zum indischen Outsourcing-Anbieter Wipro. Foto: dpa

Der Großhandelskonzern Metro lagert 1300 seiner IT-Mitarbeiter aus. Diese werden künftig vom indischen Outsourcing-Anbieter Wipro beschäftigt. Das teilte Metro am Dienstag mit. Metro wolle sich mit den eigenen Kräften auf solche IT-Anwendungen konzentrieren, die im Geschäft etwa mit Gastronomen weiterhelfen, erklärte das Unternehmen. Wipro wiederum kann mit dem Deal seine strategische Neuausrichtung belegen.

Wipro kauft im Rahmen des zunächst auf fünf Jahre ausgelegten Vertrags die Metro-Digitaleinheiten Metro-Nom und die rumänische Metro-Systems. Betroffen sind Mitarbeiter an Standorten in Deutschland, Rumänien und Indien.

Bei dem Düsseldorfer Konzern verbleiben 1000 ITler, die sich beispielsweise auf Apps für Kunden des Großhändlers konzentrieren sollen. „Die Partnerschaft mit Wipro ermöglicht es uns, unsere IT-Landschaft zu vereinfachen und zu straffen“, erklärte Technikchef Timo Salzsieder.

Wipro wiederum erhält einen stärkeren Zugang zum deutschen Markt. In Düsseldorf soll ein Technik-Zentrum des Anbieters entstehen, an dem auch für andere deutsche Kunden gearbeitet werden soll. Zuletzt hatte Wipro bereits mit Eon einen Großkonzern aus Nordrhein-Westfalen überzeugt.

Wipro ist im Umbruch: Der Franzose Thierry Delaporte ist seit fünf Monaten Chef bei dem IT-Konzern. Er soll vor allem das Wachstum beschleunigen, bei dem das Unternehmen deutlich hinter die indischen Konkurrenten Infosys und Tata Consultancy Services zurückgefallen ist. Dafür soll der 53-Jährige vor allem in den USA und Europa neue mehrjährige Verträge mit Großkunden abschließen – mithilfe des Digitalisierungsschubs durch Corona.

„Es gibt gerade jetzt ein spezielles Momentum in der Branche. Ich will die Dringlichkeit nutzen, um Wipro wieder die Bedeutung zu geben, die ihm zusteht“, sagte Delaporte vor wenigen Tagen in einem Bloomberg-Interview. Die Börse traut ihm die Operation offenbar zu: Die Aktie stieg seit seinem Amtsantritt um 70 Prozent. Auch am Dienstag legte das Papier um 2,9 Prozent zu. Auch die Metro-Aktie profitierte.

Aufmunternde Worte an die Mitarbeiter

Denn Wipro kann erste Erfolge verzeichnen: In fünf Monaten hat der neue Chef mehr Verträge abgeschlossen als seine Vorgänger in den fünf Jahren zuvor. Dabei war seine Benennung ein Experiment: Der Pariser ist der erste nicht-indische Chef eines der großen Outsourcing-Unternehmen des Subkontinents. Dabei sieht sich der Ex-Capgemini-Berater zum Erfolg verdammt: „Falls Wipro nicht wächst, bin ich der erste, der geht. Es gibt keine andere Möglichkeit“, sagte er Bloomberg.

Delaportes Vorgänger Abidali Neemuchwala hatte sein Ziel verfehlt, das Unternehmen auf 15 Milliarden Dollar Umsatz zu bringen. Innerhalb von drei Jahren schaffte er bis zum Geschäftsjahr 2019/2020 nur 8,1 Milliarden Dollar. Er wolle den Konzernen helfen, Wettbewerbsvorteile aus der Digitalisierung zu nutzen, erklärte Delaporte am Dienstag. Zugleich wolle er für jeden seiner 1300 neuen Mitarbeiter sicherstellen, dass der Schritt für sie positiv sei.

Auch Metro-Technikchef Salzsieder bemühte sich, kurz vor Weihnachten die Vorteile für die von der Auslagerung betroffenen Mitarbeiter herauszustellen. Diese erhielten bei Wipro den Zugriff auf neue Technologie und hätten nun bessere Karrierechancen, teilte er mit.

Metro steckt im Umbau: Vorstandschef Olaf Koch verlässt den Konzern zum Jahreswechsel – wohl auch unter dem Druck des tschechischen Großaktionärs Daniel Kretinsky, der die Neuausrichtung des globalen Großhandelsgeschäfts vorantreiben will. Unter Kochs Ägide hat sich Metro bereits von den Einzelhandelsbeteiligungen Media-Markt-Saturn, Kaufhof und Real getrennt.