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MERCEDES-BENZ IM FOKUS: Preiserhöhungen federn Absatzprobleme weiter ab

STUTTGART (dpa-AFX) - Vorstandschef Ola Källenius will beim Autobauer Mercedes-Benz <DE0007100000> wieder mehr Fokus auf teure Autos legen. Die Marke mit dem Stern soll verstärkt ein Luxusanbieter werden. Im zweiten Quartal mussten aber auch die zuletzt so erfolgreichen Top-Modelle einen Absatzdämpfer hinnehmen. Dennoch spekulieren Experten über eine Erhöhung der Prognose, wenn das Management an diesem Mittwoch (27. Juli) die Zahlen zum zweiten Quartal präsentiert.

DAS IST LOS BEI MERCEDES:

Die Stuttgarter profitieren trotz Absatzflaute wegen Chipmangels und Lockdowns im wichtigen Markt China von weiter robusten Neu- und Gebrauchtwagenpreisen. Zusätzlich kommt weiterer Rückenwind vom schwachen Euro. Ohnehin wollte Mercedes bis zuletzt die anziehenden Kosten für Rohstoffe und Energie durch eine starke Preisdurchsetzung am Markt in diesem Jahr kompensieren. Ob das mit den weiteren Entwicklungen rund um Gaslieferungen aus Russland noch Bestand hat, dürfte Anleger rund um die Zahlenvorlage interessieren.

Ein stützendes Element könnte in der zweiten Jahreshälfte eine Entspannung bei der Versorgung mit den kritischen Halbleitern werden - wenn es denn so kommt, wie die Branche voraussagt. Im zweiten Quartal rutschten die Verkäufe der Stammmarke Mercedes noch um 16 Prozent auf rund 490 000 Pkw ab. Davon waren diesmal auch die besonders lukrativen Top-Modelle im gleichen Umfang betroffen, vor allem bei der Sportwagentochter AMG fehlten Elektronikchips.

Grundsätzlich will Källenius den teuren Modellen im Mercedes-Angebot künftig mehr Raum geben, die Kompaktklassen A und B dürften in ihrer heutigen Form aus dem Angebot gestrichen werden. Bis 2026 soll der Anteil der Top-Modelle am Gesamtverkauf von 11 Prozent 2019 auf einen Prozentsatz im mittleren bis oberen Zehnerprozentbereich anschwellen. Im Normalfall will der Autobauer dann rund 12 Prozent vom Umsatz als operativen Gewinn einbehalten, in einem starken Marktumfeld sogar 14 Prozent.

Dieses Jahr könnte einen Vorgeschmack darauf geben, denn Finanzchef Harald Wilhelm hat bis dato bei Pkw eine Marge am oberen Ende der Prognosespanne von 11,5 bis 13 Prozent einkalkuliert. Vor allem die Top-Modelle sollen mit einem Verkaufsplus von mehr als zehn Prozent dazu beitragen. Insgesamt soll der Absatz leicht zulegen.

Bei den Vans wird eine Marge in der oberen Hälfte der Spanne von 8 bis 10 Prozent angestrebt. Eine Normalisierung bei der Entwicklung der Gebrauchtwagenpreise sorgt voraussichtlich dafür, dass die Eigenkapitalrendite der Finanzdienstleistungssparte auf 16 bis 18 Prozent zurückgeht. Der Konzern will den Umsatz leicht gegenüber dem Vorjahr steigern, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll auf dem Niveau des Vorjahres liegen.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Bank-of-America-Analyst Horst Schneider traut dem Konzern eine höhere Jahresprognose zu - vermutlich aber erst zur Zahlenvorlage des dritten Quartals im Oktober. Im ersten Halbjahr dürfte Mercedes bereits eine Marge von 15,5 Prozent eingefahren haben. Angesichts der drohenden Gaskrise in Europa werde Mercedes diesen Spielraum bei der Prognose aktuell nicht nutzen.

Die 16,4 Prozent Marge aus dem ersten Quartal habe Mercedes im zweiten Jahresviertel wohl nicht erreicht, denn die anziehenden Rohstoffkosten sollten mit rund einem Prozentpunkt belastet haben, schrieb Schneider. Außerdem habe der Hersteller weniger Fahrzeuge von S-Klasse und Maybach verkauft als in den ersten drei Monaten. Allerdings dürften Wechselkurse und Preisentwicklung - erneut auch bei den Restwerten von Leasingfahrzeuge - gestützt haben.

Die günstige Preisentwicklung sollte für Mercedes-Benz auch langfristig anhalten, schrieb Automarkt-Experte Jürgen Pieper von der Metzler-Bank. Zu den vorteilhaften Preisen dürften die Zahlen zum zweiten Quartal auch weiter von den Kostensenkungen bei Mercedes profitiert haben. Ganz so stark wie zu Jahresbeginn seien die Gewinne wohl aber nicht mehr ausgefallen. Pieper ist nach eigener Aussagen mit seinen Schätzungen wie auch Schneider von der Bank of America <US0605051046> etwas optimistischer als das Gros der Analystinnen und Analysten im Schnitt.

Goldman-Sachs-Experte George Galliers geht in den Monaten April bis Juni von 13,7 Prozent Marge für die Pkw-Sparte aus. Das sei zwar weniger als die 16,4 Prozent aus dem Vorquartal, aber immer noch "sehr stark". Die Stuttgarter dürften damit weiter auf vergleichbarer Basis besser abschneiden als Erzrivale BMW <DE0005190003>.

Auch wegen der Kursschwächen infolge des Ukraine-Kriegs empfiehlt die große Mehrheit der Aktienanalysten das Mercedes-Papier zum Kauf. Von 22 Stimmen liegen 21 bei Kaufen, lediglich die US-Investmentbank Jefferies ist derzeit neutral. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei gut 87 Euro und damit mehr als 30 Euro über dem aktuellen Kurs.

SO LIEF DIE AKTIE:

Die Aktie von Mercedes-Benz steckt nach Meinung von Metzler-Experte Pieper mit den anderen deutschen Autobauern in einer Bewertungsdelle. Trotz starker Zahlen konnte sich das Papier denn auch nicht vom allgemeinen Markttrend lösen. Seit Jahresbeginn verlor der Kurs rund 18 Prozent an Wert. Damit schnitt Mercedes zwar besser ab als die VW-Vorzugsaktie <DE0007664039> (-24 Prozent), aber etwas schwächer als BMW (-13 Prozent.)

Im Tief des Corona-Crashs fiel das Mercedes-Papier im Frühjahr 2020 (um die Abspaltung von Daimler Truck <DE000DTR0CK8> im vergangenen Dezember bereinigt) unter 18 Euro. Mitte Februar 2022, also rund eine Woche vor dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine, markierte die Aktie dann ein Hoch bei 77,90 Euro - in rund zwei Jahren hat sich der Wert vom einen zum nächsten Extrem mehr als vervierfacht.

Mit dem Kriegsausbruch in Osteuropa fiel der Kurs dann wieder unter 55 Euro, wo das Papier auch aktuell wieder in etwa liegt. Damit ist Mercedes an der Börse aktuell rund 59 Milliarden Euro wert. BMW kommt in dieser Rechnung auf circa 51 Milliarden Euro.

Größte Anteilseigner bei Mercedes sind Chinesen: Der staatliche chinesische Joint-Venture-Partner BAIC ist mit einem Anteil von knapp 10 Prozent der größte Einzelaktionär. Der Gründer und Eigentümer des Autokonzerns Geely, Li Shufu, hält über ein Investmentvehikel 9,7 Prozent. Der Staatsfonds von Kuwait kommt auf 6,8 Prozent.

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