Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    12.284,19
    -247,44 (-1,97%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.348,60
    -78,54 (-2,29%)
     
  • Dow Jones 30

    29.590,41
    -486,27 (-1,62%)
     
  • Gold

    1.651,70
    -29,40 (-1,75%)
     
  • EUR/USD

    0,9693
    -0,0145 (-1,47%)
     
  • BTC-EUR

    19.739,59
    -86,23 (-0,43%)
     
  • CMC Crypto 200

    434,61
    -9,92 (-2,23%)
     
  • Öl (Brent)

    79,43
    -4,06 (-4,86%)
     
  • MDAX

    22.541,58
    -725,73 (-3,12%)
     
  • TecDAX

    2.656,28
    -46,58 (-1,72%)
     
  • SDAX

    10.507,96
    -402,46 (-3,69%)
     
  • Nikkei 225

    27.153,83
    -159,30 (-0,58%)
     
  • FTSE 100

    7.018,60
    -140,92 (-1,97%)
     
  • CAC 40

    5.783,41
    -135,09 (-2,28%)
     
  • Nasdaq Compositive

    10.867,93
    -198,88 (-1,80%)
     

Meinung: Die ARD muss Sparen lernen – diese Radioprogramme halte ich für überflüssig

Bayern 3, SWR 3, WDR 2, NDR2 und so weiter: Braucht es wirklich mehr als 60 verschiedene Radioprogramme in Deutschland? Das analysiert unser Autor Ekkehard Klein. - Copyright: Unsplash/jontyson
Bayern 3, SWR 3, WDR 2, NDR2 und so weiter: Braucht es wirklich mehr als 60 verschiedene Radioprogramme in Deutschland? Das analysiert unser Autor Ekkehard Klein. - Copyright: Unsplash/jontyson

Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und vermittelt seine Sicht. Hier findet ihr andere Informationen zum Thema.

Vorweggeschickt: Ja, ich liebe Radiohören. Und ich bin der Meinung, dass es hierzulande sehr viele gute Programme gibt. Private wie öffentlich-rechtliche. Ganz unabhängig von der aktuellen Debatte um die ehemalige Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) frage ich mich allerdings schon länger, ob es das derzeit existierende Angebot an ARD-Programmen in dem Maß tatsächlich braucht. Bei den Privatsendern ist die Sache ziemlich klar: Sie müssen, wie jeder Bürger auch, schauen, wo sie finanziell bleiben. Sie handeln eigenverantwortlich. Und wenn sich ein Unternehmen auf Dauer nicht trägt, muss es eingestellt werden. So wollen es betriebswirtschaftliche Grundsätze. Das klingt brutal und riecht nach „bösem Kapitalismus“. So aber funktioniert Unternehmertum.

Spielt Geld keine Rolle?

Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist das bekanntermaßen anders. Hier ist praktisch immer Geld da. Weil wir alle ihn finanzieren. Jeden Monat, mit unserem Rundfunkbeitrag von 18,36 Euro. Ausnahmen von dieser Zahlungspflicht sind in nur wenigen Fällen vorgesehen, weswegen Kritiker den Beitrag oft als „Zwangsgebühr“ bezeichnen. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich verständlich, wenn eine üppig mit viel PS und Massagesitz ausgestattete Luxuslimousine einer ARD-Intendantin wie Frau Schlesinger für jede Menge Unverständnis sorgt.

Mehr als 60 Radiowellen – das ist zu viel

Aber es geht um viel Grundsätzlicheres. Nämlich darum, dass die ARD viel zu groß und in vielen Bereichen nahezu manövrierunfähig geworden ist. Der Senderverbund betreibt neben einer Armada von Fernsehsendern zur Zeit mehr als 60 Radiowellen. Ich habe gerade noch einmal nachgezählt. Über ganz Deutschland sind die Sender verteilt. Und sie alle kosten natürlich sehr viel Geld. An dieser Stelle muss natürlich die Frage erlaubt sein, ob es sich hier um ein Überangebot handelt, oder ob das alles noch im Rahmen ist.

Ich möchte an dieser Stelle bewusst nicht in den Chor all jener einstimmen, die die „Schlesinger-Affäre“ als willkommenen Vorwand missbrauchen möchten, zu einem Rundumschlag gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auszuholen. Was mich aber ärgert, ist, dass es meiner Meinung nach schon lange keine nüchtern geführte Debatte über die ARD mehr gibt. Stattdessen erleben wir auf der einen Seite unqualifiziertes Bashing, und auf der anderen Seite Menschen, die jede Kritik am öffentlich-rechtlichen System offenbar als persönlichen Angriff auf ihre Person werten. Oder natürlich gleich als Angriff auf die Demokratie als solche. Wer nur diese Extreme kennt, und keinen pragmatischen Umgang mit der Materie pflegt, hilft der längst überfälligen ehrlichen Debatte allerdings keinesfalls auf die Beine.

Bitte nicht am Programm sparen!

Ich möchte mit diesem Text einen Beitrag liefern, der sich um die Frage dreht, an welcher Stelle man bei der ARD am schnellsten möglichst viel Geld sparen kann. Ohne die zweifellos in vielen Bereichen vorhandene journalistische Substanz anzutasten. Natürlich tue ich das als Beitragszahler, und nicht als Unternehmensberater.

Schon aus diesem Grund halte ich die Idee, am Programm zu sparen, für nicht besonders zielführend. Denn der Inhalt ist natürlich der wichtigste Output der ARD. Und der sollte journalistisch wertvoll, ausgewogen und innovativ sein. An diesen Attributen muss sich öffentlich-rechtlicher Rundfunk messen lassen. Und auf diese hehren Ziele können sich wohl die meisten unter uns einigen.

Erstaunlich selten aber wird darüber diskutiert, wie sinnvoll es wäre, auf Bundesland-Ebene ein paar der zahlreichen Radio-Programme einzustellen. Und zwar zu Gunsten von neu zu gründenden wenigen, deutschlandweit sendenden Pendants. Diese würden dann bestimmte Sparten wie Popmusik, Kultur oder Information fürs ganze Bundesgebiet abdecken.

NDR 2 und SWR 3 können weg

Ja, auch hier lohnt sich eine Differenzierung. Natürlich muss viel Gutes bleiben: Programme wie das ohnehin schon national sendende, seit Jahrzehnten erprobte und geschätzte Infoprogramm Deutschlandfunk, Radio Eins vom RBB oder Bayern 2 vom Bayerischen Rundfunk bieten einzigartige Sendungen und sind keinesfalls austauschbar. Schon gar nicht für ihre Hörerschaft.

Ganz im Gegensatz zu den sogenannten Adult-Contemporary-Wellen a la Bayern 3, SWR 3, WDR 2, MDR Jump oder NDR 2. Diese von kritischen Zeitgenossen oft als „Dudelfunk“ betitelten Programme lassen sich oftmals nur an den Scherzeinlagen der Moderatorinnen und Moderatoren und der Reihenfolge der zur Playlist verdichteten „Lieblingshits“ unterscheiden. Solches Programm ist ein nach allen Regeln der Marktforschung zusammengezimmertes Produkt: Beliebte Zutaten sind Musik aus den Pop-Charts, ein paar Witze (nicht zu sehr anecken!), und ein paar Nachrichten, die man so auch an 1000 anderen Orten lesen, sehen oder hören kann. Experten aus der Branche nennen das Ganze dann „Formatradio“.  Die These hinter einem solchem Programm: Arg viel mehr als diese wohldosierte Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten wollen die meisten Hörerinnen und Hörer womöglich gar nicht. Das mag sein. Was aber sicherlich stimmt: Solche Programme können die Privatsender mindestens genauso gut. Die ARD braucht sie schlicht nicht!

Und auch die selbsternannten „jungen Wellen“, wie Fritz vom RBB oder 1 Live vom WDR, haben sich in den vergangenen Jahren musikalisch sehr in Richtung Mainstream entwickelt. Die Musikauswahl ist hier nahezu deckungsgleich, zumindest während der Primetime am Morgen und am Nachmittag. Da können auch die oft hervorragenden Moderatorinnen und Moderatoren, die vielen mittlerweile austauschbaren Sendungen Profil verleihen, nicht mehr viel ausrichten.

Elementar ist hier aber natürlich die Diskussion darüber, inwieweit diese Programme es vermögen, das Geschehen in ihrem regionales Sendegebiet abzubilden und somit viele Hörerinnen und Hörer „abzuholen“ und zu binden. Anders gefragt: Was bedeutet es für Menschen in Nordrhein-Westfalen, von 1 Live als „Sektorkinder“ angesprochen zu werden? Oder, anders gefragt: Welche Bedeutung hat von Medien transportiertes Lokalkolorit für die Marke Radio?

Daneben geht es um die ebenso grundsätzliche Frage, ob ein national angelegtes Radio ein regionales grundsätzlich ersetzen kann. Komplett wird das vermutlich nie gelingen. Aber rechtfertigt ein 1,5-minütiger Nachrichtenblock pro Stunde das Betreiben von so vielen ähnlichen Programmen? Meine Hörerfahrung ist, dass in der Regel ohnehin nationale und internationale Themen die Berichterstattung dominieren.

Vorschlag: Zusammenlegen!

Wie wäre es also, wenn man sehr ähnliche ARD-Radios, die im Moment regional senden, zusammenlegte? Und sie zu deutschlandweit sendenden Programmen macht? Angenehmer Nebeneffekt: Ein wesentlicher Teil des Rundfunkbeitrags würde so einspart. Und könnte entweder in eine Verringerung des Rundfunkbeitrags münden, oder dem Programm der ARD zugute kommen.

Übrigens: Dieses Prinzip des Zusammenlegens ist dem Senderverbund an sich nicht unbekannt: In der Nacht wird es in weiten Teilen Deutschlands schon seit den Neunzigerjahren praktiziert,  und zwar bis heute. Ganz offensichtlich, um Kosten zu sparen. Hier werden die Popwellen der Landesrundfunkanstalten zur „ARD-Popnacht“, die Jugendwellen zur „Jungen Nacht der ARD“, die Infowellen zur „ARD-Infonacht“ und die Kulturwellen zum „ARD-Nachtkonzert“ zusammengeschaltet. In diesen Stunden hört man dann auf allen jeweils angeschlossenen Wellen das gleiche Programm, egal ob man in Hamburg oder in München unterwegs ist.

Wohl kaum ein Hörer auf der nächtlichen bayerischen Autobahn dürfte merken, wenn der neueste Popsong von Shawn Mendes vom SWR aus Stuttgart gesendet wird, und eben nicht vom Bayerischen Rundfunk aus München. Für unsere Sparambitionen bei der ARD heißt das: Weiten wir die Zusammenlegung von der Nacht auf den Tag aus, können wir auf einen Schlag im großen Stil sparen.

Die Affäre um den Rücktritt der RBB-Intendantin Schlesinger könnte jetzt der passende Moment sein, über all das einmal laut nachzudenken. Und die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland ausführlich und breit zu diskutieren. Erlaubt sind alle Meinungen, die differenziert sind. Und die dazu beitragen, eine ARD zu schaffen, die ihr Geld wert ist, und die von möglichst vielen Menschen nicht nur akzeptiert, sondern wertgeschätzt wird.

Was ist Eure Meinung? Schreibt dem Autor eine E-Mail: meinung@businessinsider.de