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Mehrere Tote bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften in Bolivien

Bei Zusammenstößen zwischen Anhänger des Ex-Präsidenten und der Polizei sind nun neun Menschen tot. Die UN-Kommissarin für Menschenrechte warnt vor einer Eskalation.

Die Polizei verhaftete Anhänger des ehemaligen Präsidenten Morales. Foto: dpa

Die Zahl der bei einem Zusammenstoß zwischen Anhängern des zurückgetretenen bolivianischen Präsidenten Evo Morales mit Sicherheitskräften getöteten Menschen ist auf neun gestiegen. Das teilte der Ombudsmann der Stadt Cochabamba, Nelson Cox, am Samstag mit. Am Vortag hatte er noch von fünf Toten gesprochen. Weitere 115 Menschen seien verletzt worden, als Polizisten und Militärs am Freitag einem Marsch von Kokabauern auf einer Brücke in Sacaba, östlich der Stadt Cochabamba, den Weg versperrten.

Die Anhänger von Morales hatten versucht, über Cochabamba zum Regierungssitz in La Paz zu marschieren, um ihre Unterstützung für den Ex-Präsidenten zu zeigen. Cox machte die Sicherheitskräfte für den Tod der Demonstranten verantwortlich. Sie seien erschossen worden.

Der neue Innenminister Arturo Murillo erklärte dagegen, die Schüsse seien aus den Reihen der Anhänger von Morales gefallen. „Viele der Toten erlitten Nackenschüsse“, sagte der Minister. Die Sicherheitskräfte hätten den Befehl gehabt, nicht auf die Demonstranten zu schießen.

Morales war am Sonntag unter dem Druck von Militär und Polizei zurückgetreten, nachdem internationale Beobachter ihm Wahlbetrug bei der Abstimmung vom 20. Oktober vorgeworfen hatten. Am Dienstag setzte er sich nach Mexiko ab.

Der erste indigene Präsident des Andenlandes hatte für eine vierte Amtszeit kandidiert. Nachdem er sich zum Sieger der ersten Runde erklärt hatte, begannen die Unruhen. Bisher starben mindestens 19 Menschen.

Die UN-Kommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hat vor einer Eskalation der Lage gewarnt. In einer Mitteilung kritisierte die frühere chilenische Präsidentin am Samstag Polizei und Militär des südamerikanischen Landes für ihr Vorgehen in den vergangenen Tagen. „Nach unseren Berichten sind mindestens 17 Menschen bei den Protesten gestorben, 14 davon in den vergangenen sechs Tagen“, erklärte Bachelet. „Während die früheren Todesfälle meist das Ergebnis gewalttätiger Konfrontationen zwischen rivalisierenden Demonstranten waren, scheinen die jüngeren Fälle das Ergebnis unnötiger oder unangemessener Gewalt von Polizei und Militär zu sein.“

Das Land sei gespalten und die Menschen auf beiden Seiten sehr verärgert. „In einer solchen Situation werden repressive Maßnahmen der Autoritäten diesen Ärger nur weiter schüren und damit jede Möglichkeit für einen Dialog aufs Spiel setzen“, warnte Bachelet. Sie sei daher sehr besorgt, dass die Situation in dem südamerikanischen Land außer Kontrolle geraten könnte, sollten die Behörden nicht mit der nötigen Sensibilität agieren.