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Mehr Filialschließungen, schnellere Minuszinsen: Die UBS verschärft ihren Sparkurs

·Lesedauer: 4 Min.

Bis März schließt die Schweizer Großbank 44 der noch 239 Filialen. Zudem gibt das Institut die Negativzinsen an eine größere Gruppe von Kunden weiter.

Die Schweizer Großbank UBS muss im Negativzinsumfeld weiter drastisch sparen. Das Geldhaus schließt bis Ende März knapp ein Fünftel der verbliebenen Filialen in der Schweiz. Zudem gibt die UBS Minuszinsen an eine größere Gruppen von Kunden weiter. Das geht aus zwei internen Memos der Bank hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Ein Sprecher bestätigte den Inhalt der Notizen. Zuvor hatte die „Neue Zürcher Zeitung“ darüber berichtet.

Der scheidende UBS-Schweizvorstand Axel Lehmann begründete die Einschnitte in einer internen Mitteilung mit dem Druck auf die Margen im klassischen Bankgeschäft: „Für Banken wird es zunehmend unmöglich, die wirtschaftlichen Folgen der negativen Zinsen zu kompensieren.“

Bislang unterhält die UBS schweizweit 239 Filialen. Etwa 40 kleinere Standorte sollen nun geschlossen werden – ohne Mitarbeiter entlassen zu müssen, wie Lehmann versicherte. Die Corona-Pandemie habe einmal mehr gezeigt, dass Nähe zum Kunden nicht allein durch physische Präsenz gewährleistet werden könne.

Seit 2018 habe die UBS daher 500 Millionen Franken in die Digitalisierung investiert. Die Beratung von Kunden etwa per Video wolle die Bank weiter ausbauen, so Lehmann.

Doch die Transformation verantwortet der Manager künftig nicht mehr selbst: Lehmann übergibt seinen Posten als Schweiz-Vorstand im Februar an Sabine Keller-Busse. Sie ist bislang „Chief Operating Officer“, also Organisationsvorstand bei der UBS.

Neue Kundengruppen von Minuszinsen betroffen

Auch die Ausweitung der Minuszinsen auf eine größere Gruppe von Privat- und Firmenkunden gehört zu den letzten Amtshandlungen von Lehmann. Für Barvermögen über 250.000 Franken erhebt die Bank ab dem 1. Juli 2021 eine Gebühr von 0,75 Prozent – das entspricht dem Zinssatz, den Geldhäuser auf Einlagen bei der Schweizer Nationalbank (SNB) zahlen müssen.

Guthaben in Euro über dieser Schwelle werden mit einer Gebühr von 0,6 Prozent belegt. Bisher lag die Grenze, ab der die UBS Minuszinsen an Kunden weitergibt, bei zwei Millionen Franken. Die neue Freigrenze kann auf bis zu eine Million Franken steigen, wenn Bankkunden anderweitig Geschäfte über die UBS abwickeln, etwa Hypotheken oder Wertpapierdepots.

Ab Juli ist damit eine deutlich größere Gruppe von Kunden von den Strafzinsen auf Sparkonten betroffen. Lehmann betonte jedoch, dass auch nach der Absenkung des Schwellenwerts weniger als fünf Prozent der Schweizer UBS-Kunden Negativzinsen zahlen müssten.

Der scheidende Vorstand versicherte: „Wir beabsichtigen weiterhin nicht, Kleinsparer oder kleine Firmen mit Negativzinsen zu belasten.“ Völlig ausschließen lasse sich das für die Zukunft aber nicht: „Die neue Regelung ist abhängig von der Marktsituation und kann gegebenenfalls angepasst werden.“

Mit den Einschnitten etwa bei den Filialen schließt Lehmann sein Effizienzprogramm ab, das bereits seit dem vergangenen Jahr läuft. Die Sparmaßnahmen tragen noch nicht die Handschrift des im Dezember angetretenen UBS-Chefs Ralph Hamers. Dem Niederländer hatte zum Jahreswechsel eine Altlast aus seinem vorherigen Job als ING-Chef den Start erschwert.

Erschwerter Start für CEO Hamers

Ein Berater und kritischer Aktionär der ING hatte vor Gericht erstritten, dass die Staatsanwaltschaft in einem Verfahren wegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gegen Hamers persönlich ermittelt. Eigentlich galt das Verfahren als abgeschlossen, nachdem die ING 2018 775 Millionen Euro Strafe gezahlt hatte. Es war seinerzeit die größte Geldwäschestrafe in der niederländischen Geschichte.

Finanzkreisen zufolge hatte UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber offenbar Szenarien prüfen lassen, ob Hamers weiter UBS-Chef bleiben kann und wer im Zweifel übernehmen könnte. Am Dienstag stellte sich Weber jedoch in einem Interview mit „Bloomberg TV“ demonstrativ hinter seinen Vorstandsvorsitzenden. Er wollte zwar keine Prognose abgeben, ob Hamers Chef bleiben kann. Gleichwohl sei er „sehr zuversichtlich, dass er in der Lage ist, einen guten Job als CEO von UBS zu leisten“, sagte er dem Finanzsender.

Kommende Woche wird Hamers erstmals die Quartalszahlen der UBS vorstellen. Analysten wie Anke Reingen von der Investmentbank RBC Capital Markets rechnen bei Großbanken mit einem starken Handelsgeschäft. Für die UBS hat die Analystin ihre Erwartungen in einer aktuellen Studie leicht gedämpft, weil die Bank in einem stark laufenden Umfeld für Aktienplatzierungen und Fusionen und Übernahmen etwas weniger Gebühren einnehmen konnte.