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Satire-Seiten üben mit Mark-Zuckerberg-Falschmeldung Kritik an Facebook

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Zwei Satireseiten haben Fehlinformationen über Mark Zuckerberg verbreitet, um auf diese Weise Kritik an Facebook zu üben.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist immer wieder Zielscheibe von Satirikern. (Bild: ddp/Xinhua/Sipa USA)

Die Urheber der Facebook-Profile The Chaser und The Shovel haben die unwahre Behauptung aufgestellt, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg tot sei und zu Lebzeiten ein Kinderschänder gewesen wäre. Wir möchten an dieser Stelle möglichst schnell aufklären, zu heikel sind die Themen: Die beiden Informationen sind falsch. Es handelt sich um Satiren, die anprangern, wofür Facebook nach Ansicht seiner Kritiker bis heute steht: die fehlende Bereitschaft des Konzerns, entschieden gegen Fehlinformationen und Hass-Nachrichten auf seinen sozialen Netzwerken vorzugehen.

Wie steht Facebook zum Phänomen Fake News?

Konkret zielen die beiden und ähnliche Posts auf einen Punkt in Facebooks "Gemeinschaftsstandards". Unter "Falschmeldungen" in der Rubrik "Integrität und Authentizität" versichert das Unternehmen zwar, dass es seine "Verantwortung sehr ernst" nehme, "die Verbreitung von Falschmeldungen auf Facebook zu reduzieren". Andererseits räumt es ein, dass es sich dabei um ein "schwieriges Thema" handle. Es bestehe ein "schmaler Grat zwischen Falschmeldungen und Satire oder Meinungen". Daher würden Falschmeldungen nicht entfernt, sondern "weiter unten im Feed" angezeigt, um ihre Verbreitung "erheblich zu reduzieren".

Facebook gehe es also um den Schutz der freien Meinung. So einfach ist die Sache aus Sicht der Kritiker jedoch nicht. Viele halten die Haltung für scheinheilig. Der Vorwurf: Was als Respekt vor der Meinungsfreiheit etikettiert wird, sei in Wahrheit fehlende Bereitschaft, sich differenziert mit dem Thema auseinanderzusetzen und entsprechende Maßnahmen wie die Einführung feinerer Filtersysteme zu ergreifen. Facebook entziehe sich seiner Verantwortung, indem das Unternehmen ein im Grunde lobenswertes Ideal vorschiebe. Welche Auswirkungen diese Unternehmenspolitik haben kann, zeigen die genannten Satiren: Sie kann leicht missbraucht werden, indem sich Falschmeldungen als freie Meinungsäußerungen etwa in Form einer Satire oder eines künstlerischen Ausdrucks tarnen.

Der Druck der Politik wächst

Das ist auch der Grund, warum Konzerne wie Facebook permanent im Visier der Politiker stehen. Mit Gesetzen und Strafandrohungen wollen sie die Tech-Konzerne zur Verantwortung zwingen. So neuerdings auch Donald Trump. Der US-Präsident hat kürzlich per Dekret beschlossen, den gesetzlich geregelten Schutz von Facebook und Co. vor dem Hintergrund des Fake-News-Phänomens aufzuheben. Diesen gewährt ihnen der 230. Abschnitt des Communications Decency Act, wo es heißt, dass Webseiten-Betreiber von der Haftung für die Inhalte ihrer Nutzer entbunden sind.

Ausgerechnet Trump, mag einer denken, will sich gegen Falschmeldungen in den sozialen Medien einsetzen. Er, der noch immer im Verdacht steht, durch Fake News erst an die Macht gelangt zu sein. Der Dauertwitterer, der die Welt betrachtet, wie er sie eben betrachten will. Dieser Trump also, der die Verfügung unterzeichnet hat, kurz nachdem sich sein Lieblingsmedium Twitter bei ihm unbeliebt gemacht hatte, will eine auf Wahrheit und Gerechtigkeit basierende Onlinewelt. Übrigens, in Ungnade ist Twitter bei Trump gefallen, nachdem das soziale Netzwerk am Dienstag erstmals zwei seiner Twitter-Nachrichten einem Faktencheck unterzogen und als inhaltlich irreführend gekennzeichnet hatte. In einer hatte er sinngemäß behauptet, dass eine Briefwahl Tür und Tor öffne für Betrüger.

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Donald Trump will per Dekret durchsetzen, dass Webseitenbetreiber wie Facebook und Twitter für die Nachrichten ihrer Nutzer zur Verantwortung gezogen werden. (Bild: Doug Mills-Pool/Getty Images)

Dass also ausgerechnet Trump, dieser Populist, Konzerne wie Facebook und Twitter per Gesetz zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Falschmeldungen zwingen will, mag man gerne lächerlich finden. Eines darf man ihm dennoch zugutehalten: Mit seinem Erlass hat er die Frage nach der Position von Tech-Konzernen und Betreibern sozialer Medien im Besonderen zu den Themen Fake News und Hass-Nachrichten wieder in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt.

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Gegen Lügen und Hass im Internet gibt es noch vieles zu tun. Einige Maßnahmen haben die Betreiber bereits ergriffenen. Dazu zählt auch der Facebook-Konzern, der schon 2018 seine drei "Strategien zur Unterbindung von Fehlinformationen" vorstellte. Doch reicht es noch nicht. Zumal viele Konzerne die Verantwortung noch immer mal durch vorgetäuschte Ideale abwälzen oder gänzlich von sich weisen. "Ich bin der festen Überzeugung, dass Facebook nicht der Schiedsrichter für die Wahrheit all dessen sein sollte, was Menschen online behaupten". Das sagte Mark Zuckerberg in einem Interview am vergangenen Mittwoch.

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