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"Mein Mann und ich haben zusammen noch nie mehr als 36.000 Euro pro Jahr verdient": Wie sich dieses Ehepaar trotzdem den Traum vom Eigenheim erfüllte

Sarah Martinez Shaw vor ihrem Haus in Kansas, USA - Copyright: Sarah Martinez Shaw
Sarah Martinez Shaw vor ihrem Haus in Kansas, USA - Copyright: Sarah Martinez Shaw

Im Juli dieses Jahres taten mein Mann und ich das, was viele in unserem Alter für unmöglich halten: Wir unterschrieben den Kaufvertrag für unser eigenes Haus. Das war kurz nach unserem fünften Hochzeitstag. Von insgesamt 200.000 US-Dollar (circa 176.400 Euro) konnten wir direkt 20 Prozent in Anzahlung geben. Trotzdem hatten wir noch genug Budget für Nebenkosten, Einrichtung und einen Notfallfonds. Lange zweifelten wir, ob unser Traum vom Eigenheim je in Erfüllung gehen würde. Schließlich hatten mein Mann und ich nur begrenzte Einkommen. Noch nie haben wir zusammen mehr als 40.000 US-Dollar (circa 35.300 Euro) jährlich verdient. Manchmal waren es sogar nur 25.000 US-Dollar (circa 22.000 Euro) im Jahr.

Lange kamen wir mit dem begrenzten Budget gut zurecht. Am Anfang unserer Ehe strichen wir Häuser und kauften uns von der Bezahlung unser erstes "Eigenheim": Einen Ford Focus. Damit machten wir einen Roadtrip durch die gesamten USA. Eines Tages jedoch entschieden wir uns, das Hippie-Leben hinter uns zu lassen. Wir wollten das wenige Geld, das wir hatten, sparen. Von da an wurde jeder mögliche Cent unserer geringen Einkommen beiseite gelegt. Unser Ziel war es, irgendwann ein eigenes Haus zu besitzen.

Meine Geschichte soll vor allem eines beweisen: Dass es sich lohnt, ein paar Jahre finanziell zurückzustecken, um ein gewisses Ziel zu erreichen. Das sind die konkreten Tipps, mit denen mein Mann und ich genau das geschafft haben:

1. Monatliche Ersparnisse priorisieren und Ausgaben reduzieren

Wenn man ein großes Ziel verfolgt, muss es stets an erster Stelle stehen. So war es auch mit dem Hauskauf. Wir eröffneten ein Sparkonto mit hohen Zinsen. Auf das zahlten wir jeden Monat mindestens 500 US-Dollar (circa 440 Euro) ein. Diese monatliche Rücklage behandelten wir wie jede andere Rechnung auch: Als etwas, das man zahlen muss, an dem kein Weg vorbeiführt. Um das möglich zu machen, nahm mein Mann mehrere Teilzeitjobs an. Ich arbeitete von Zuhause aus, um mich gleichzeitig um unser Kind zu kümmern. Zudem lebten wir in einem vergleichsweise günstigen Apartment zur Miete. Trotz alledem hatten wir immer noch ein kleines Budget für Camping-Ausflüge oder sporadische Restaurant-Besuche. Wir lebten sparsam, aber nicht unglücklich.

2. Kleine Abstriche haben große Wirkung

"Millennials kaufen lieber Avocados als Häuser". Dieser Satz des australischen Milliardärs Tim Gurner stieß vor wenigen Jahren auf viel Protest. Die Idee, nur weniger Avocados kaufen zu müssen, um sich ein Haus leisten zu können, klang absurd. Ganz Unrecht hatte er damit jedoch nicht. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Kleinvieh tatsächlich Mist macht. Jede noch so kleine Ersparnis bringt euch eurem Ziel ein Stück näher. Bei unserem ersten Sparplan ist meinem Mann und mir aufgefallen, dass wir jede Woche rund 40 US-Dollar (circa 35 Euro) für unser Mittagessen ausgaben. Das sind 120 US-Dollar (circa 105 Euro) im Monat, also mehr als 20 Prozent von dem, was wir monatlich sparen wollten. Abstriche konnten wir außerdem bei verschiedenen Monatsabos und Alkohol machen. All das mag alleine betrachtet wenig wirken. In der Summe jedoch hatten wir auf einmal viel mehr Geld zu Verfügung, als wir zuvor dachten.

Trotzdem kann es mit einer gewissen Scham verbunden sein, bewusst weniger Geld auszugeben. Anfangs gaben mir die gewollten Rücklagen das Gefühl, Schuld an meinen finanziellen Problemen aus der Vergangenheit gehabt zu haben. Ich hatte jetzt erst gelernt, zu sparen. Hieß das, dass ich früher einfach sinnlos Geld verschwendet hatte?

Um so weit in die Zukunft zu planen, braucht es generell eine Menge Mut und Disziplin. Ich musste das große Ziel im Auge behalten und musste impulsiven Käufen wie Fast Food widerstehen. Ich musste lernen, die Kontrolle über meine Ausgaben zu übernehmen und meine Beziehung zu Geld ändern.

Nachdem mein Mann und ich unseren eigenen Sparplan aufgestellt hatten, führte für uns auch kein Weg mehr daran vorbei. Wir wussten, dass wir uns dadurch in wenigen Jahren ein Haus kaufen könnten. Das alles war reine Kalkulation - es gab keine Magie, keinen Geheimtipp und keine wohlhabende Verwandtschaft. Es war ganz simpel: Wir gaben einfach viel weniger Geld aus, als wir verdienten. Selbst, wenn wir nicht viel verdienten.

3. Wir haben unser Haus dort gekauft, wo es günstig ist

Zu guter Letzt spielte der Standort unseres zukünftigen Eigenheims eine große Rolle. Wir kauften ein Haus in einer Gegend, die als vergleichsweise günstig gilt. Uns war es nicht wichtig, in einer großen, hippen - und auch teuren - Stadt zu leben. Entscheidender für uns war, in die Nähe unserer Familien zu ziehen und uns in unserer Wohngegend wohlzufühlen. Außerdem haben wir nur Häuser angesehen, deren Kaufpreis ein gutes Stück unserem Budget lag. Das gab uns den nötigen Verhandlungsspielraum, den wir gegebenenfalls für unsere Traumimmobilie benötigten.

Abschließend möchte ich sagen, dass niemand alles exakt so machen muss, wie wir es getan haben. Niemand muss bei einem Hauskauf exakt 20 Prozent anzahlen. Wir wollten das lediglich, um später monatlich weniger abbezahlen zu müssen. Niemand muss überhaupt ein Haus kaufen, um ein schönes Leben zu haben oder "wirklich erwachsen" zu sein. Es war einfach unser festes Ziel. Und das muss es auch sein, wenn man dafür jeden Monat unter seinen - sowieso schon begrenzten - finanziellen Möglichkeiten lebt. Aber es hat sich gelohnt.

Dieser Text wurde von Anika Faber aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.