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Management-Professor kritisiert Weiterbildungspraxis für Manager

Managerseminare zum Thema digitale Transformation boomen. Experte Karlheinz Schwuchow beobachtet die Angebote allerdings mit Skepsis.

Der Professor für Internationales Management an der Hochschule Bremen begann seine wissenschaftliche Laufbahn mit einer Doktorarbeit über Weiterbildungsmanagement. Ein Thema, das ihn bis heute nicht losgelassen hat. Der gebürtige Oldenburger verfügt über langjährige internationale Erfahrung als Geschäftsentwickler und Dozent an verschiedenen Business-Schools.

Drei Tage ins Seminar „Digitale Transformation“, und schon managt der Vorstand den technologischen Wandel, versprechen einige Anbieter. Ist Weiterbildung wirklich so einfach?
Nein. Solche Programme mögen der intellektuellen Bereicherung dienen, bewirken aber keinen wirklichen Wandel. Es gilt, das Unternehmen zu mobilisieren und dabei alle Mitarbeiter mitzunehmen. Sonst fährt die Lokomotive ohne den Zug los.

Was können Business-Schools denn tun, um Manager dabei zu unterstützen, das Wissen in ihre Unternehmen zu transferieren?
Notwendig ist ein Brückenschlag zwischen Bildung und Beratung, zwischen umfassender wissenschaftlicher Fundierung und konkreter Umsetzung in der Unternehmenspraxis. Hier klafft eine Lücke zwischen den Geschäftsmodellen der Business-Schools und dem Tätigkeitsfeld der Beratungsunternehmen. Business-Schools gelingt es zwar häufig, Begeisterung für das Neue zu wecken. Die Ernüchterung folgt dann meist mit der Rückkehr in das Unternehmen.

Heißt das, wir brauchen mehr anwendungsorientierte Weiterbildungsformate, um der digitalen Transformation gerecht zu werden?
Auch bei digitalen Inhalten prägt nach wie vor das tradierte Denken in Kursen und Kästchen die Welt der Business-Schools. Es geht hier primär um Wissensvermittlung. Die Wissensanwendung erfolgt dann überwiegend im Rahmen von Fallstudien. Bei MBA-Programmen kommt noch die Frage der Wissensüberprüfung hinzu – für exploratives oder experimentelles Lernen bleibt da nur wenig Raum.

Fehlt in den Seminaren nicht der Blick von außen?
Die Beteiligung mehrerer, nicht im direkten Wettbewerb stehender Unternehmen ermöglicht schon den Blick über den Tellerrand. Derartige Formate erfordern jedoch eine hohe Beratungskompetenz der beteiligten Professoren. Allerdings scheuen diese regelmäßig das Risiko des Scheiterns der von ihnen betreuten Projekte und setzen daher lieber auf vertraute Fallstudien.

Ist es sinnvoller, die komplette Führungsriege zu einer Weiterbildung zu schicken, oder besser einzelne Manager zu unterschiedlichen Veranstaltungen?
Sowohl als auch. Der einzelne Manager kann Impulse sammeln, für konkrete Veränderungen bedarf es dann aber Promotoren aus allen Unternehmensebenen. Hier gilt es, die klassischen Zielgruppendefinitionen der Business-School-Programme zu überdenken. Zudem reicht ein isoliertes Event nicht aus. Der Weg in die digitale Welt bedarf eines langfristigen Prozesses.

Vielen Dank für das Interview.