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Wann macht es glücklich, Geld auszugeben? Eine Psychologin nennt diese fünf Möglichkeiten

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Geschäfte geschlossen, Restaurants geschlossen, Reisemöglichkeiten eingeschränkt: Wer ohne Gehaltseinbußen durch die Pandemie gekommen ist, hatte im Alltag oft trotzdem weniger Gelegenheiten, sein Geld auszugeben. Mit den Öffnungen sind viele nun bereit, einiges nachzuholen – doch macht uns der post-pandemische Kaufrausch eigentlich glücklich?

Die Sozialpsychologin Elizabeth Dunn kann das nicht klar mit ja oder nein beantworten. Dunn ist Professorin am Institut für Psychologie an der University of British Columbia und Autorin des Buches „Happy Money: The Science of Happier Spending“. Dem US-amerikanischen Sender "CNBC" erklärte sie, wie ihr euer Einkaufsverhalten anpassen könnt, damit es euch glücklicher macht.

Auf die eigenen Bedürfnisse achten

Grundsätzlich gehe es darum, auf eure eigenen Bedürfnisse zu hören. Wenn ihr euer Einkaufsverhalten optimieren wollt, solltet ihr also zunächst identifizieren, welche Einkäufe euch glücklich machen und welche nicht. Eure Erfahrungen während der Pandemie könnten dabei ein guter Indikator sein: Worauf konntet ihr ohne Probleme verzichten? Und vielleicht habt ihr ja, wie viele andere auch, einen kleinen Marie-Kondo-Moment gehabt und bestimmte Dinge ausgemistet. Ohne dieses Innehalten würden viele unserer Ausgaben nämlich auf reine Gewohnheitskäufe entfallen. Den Kaffee zum Mitnehmen auf dem Weg zur Arbeit kaufe man häufig nur, weil man das am Vortag eben auch so gemacht habe.

Außerdem warnt sie davor, Geld für materielle Güter mit dem Ziel auszugeben, dass ihr euch danach besser fühlt. Im Englischen heißt dieses Phänomen leicht ironisch „Retail Therapy“, also etwa Shopping-Therapie. Nach solche Käufen fühle man sich vielleicht kurzzeitig ein wenig besser, aber das halte normalerweise nicht lange an, sagte Dunn "CNBC".

Stattdessen schlägt sie fünf Möglichkeiten vor, wie eure Einkäufe euch glücklicher machen können.

1. Erfahrungen statt Besitz

Es klingt wie das Mantra vieler Millennials. Aber auch Dunn rät euch, euer Geld eher für Erfahrungen auszugeben, anstatt euch einen neuen Sessel oder ein neues Paar Schuhe zu kaufen. Studien hätten nämlich gezeigt, dass uns die Erlebnisse oft glücklicher machen als materielle Güter.

Grund dafür ist, dass Erfahrungen eng mit unserer Selbstwahrnehmung verbunden sind, so Dunn zu CNBC. Menschen hätten daher oft den Eindruck, dass Erfahrungen mehr zu ihrer Lebensgeschichte beitragen und einzigartiger sind. Aus diesem Grund würden auch weniger Menschen nach dem Kauf von einem schlechten Gewissen geplagt.

Ein weiteres Plus: Erfahrungen bringen Menschen zusammen, so Dunn. Gerade nach der Pandemie könne euch das helfen, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen oder wieder zu stärken. Und diese Beziehungen seien ebenfalls eine wichtige Quelle für mehr Lebensfreude.

2. Macht es zu etwas Besonderem

Stichwort Coffee-to-go: Wenn wir etwas ständig zur Verfügung haben, gewöhnen wir uns daran. Wenn wir uns aber etwas Besonderes gönnen, verursacht das meist ein größeres Glücksgefühl. Das hat auch eine von Dunns Studien gezeigt, so CNBC. Die Teilnehmer haben darin Schokolade erhalten – einige von ihnen täglich, die anderen nur einmal wöchentlich. Die Gruppe, die zwischendurch darauf verzichten musste, hat es letztlich mehr genossen.

Dunns zweiter Ratschlag ist also, Dinge zu identifizieren, die ihr ursprünglich einmal genossen habt, die jetzt aber wie selbstverständlich geworden sind. „Einfach eine Weile auf sie zu verzichten, kann ein Weg sein, um sowohl eure Ausgaben zu reduzieren als auch potenziell glücklicher zu werden“, sagte sie "CNBC". Mit der Unterbrechung einiger Routinen habe die Pandemie da eine gute Hilfestellung geleistet.

3. Kauft euch mehr Zeit

Eine weitere Möglichkeit, wie bestimmte Ausgaben euch glücklicher machen können, betrifft euren Alltag und wird der Sozialpsychologin zufolge oft unterschätzt. Menschen, die Geld ausgeben, um verhasste Alltagsaufgaben nicht mehr erledigen zu müssen, seien glücklicher als solche, die das nicht machen. Das könne beispielsweise bedeuten, dass ihr euch eine Putzkraft sucht oder eine Person anstellt, die euch bei Einkäufen hilft.

4. Zahlt im Voraus

Zwar gibt es eine ganze Industrie, die darauf aus ist, euch Geld für Käufe vorzuschießen, sodass ihr selbst erst später bezahlen müsst. Dunn zufolge führt jedoch genau der umgekehrte Weg zu mehr Glück beim Kauf. Wenn ihr beispielsweise etwas länger im Voraus für einen Ausflug oder einen Urlaub bezahlt, könnt ihr nicht nur aus der Erfahrung selbst, sondern auch noch aus der Vorfreude Kapital schlagen, sagte sie CNBC.

Diese Art „in unser zukünftiges Ich“ zu investieren, so Dunn, werde außerdem mit besseren finanziellen Ergebnissen in Verbindung gebracht. Zwischen beidem bestehe zumindest eine Korrelation.

5. Investiert in eure Mitmenschen

Dunn hat nicht nur zu den Effekten von Käufen geforscht, sondern auch untersucht, ob es bei Menschen Glücksgefühle verursacht, wenn sie Geld geschenkt bekommen. Dabei machte die Psychologin eine unerwartete Entdeckung. Denn auch die Spender fühlten sich gut. Und nicht nur das: Die Ergebnisse zeigen, dass es die Probanden glücklicher machte, Geld in andere zu investieren, als Geld für sich selbst auszugeben.

sb

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