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Möchtegern-Unicorn Infarm machte erst 2 Millionen Umsatz

Daniel Hüfner
·Lesedauer: 3 Min.
Mit smarter Technologie werden Lebensmittel in der Stadt angebaut.
Mit smarter Technologie werden Lebensmittel in der Stadt angebaut.

Seit Monaten befindet sich das Berliner Agrar-Startup Infarm in einem regelrechten Geldrausch. Im September 2020 sammelte das Unternehmen in einer Finanzierungsrunde stolze 143 Millionen Euro ein, im März kamen noch einmal 83 Millionen Euro hinzu – zumindest wurde es so kommuniziert. Investoren zeigen sich überzeugt. Das Geschäft mit Kräutern, die Infarm in Gewächshäusern anbaut und an Supermärkte und Restaurants liefert, hat ihrer Ansicht nach Zukunft.

Ein Blick in den neu veröffentlichten Geschäftsbericht von 2019 wirft jedoch Fragen auf. Dort ist von der Series B die Rede, die im Juni 2019 mehr als 33 Millionen Euro eingebracht hat. Zudem habe es vor zwei Jahren VC-Darlehen über knapp zehn Millionen Euro gegeben, heißt es im Bericht. Macht in Summe 43 Millionen Euro. Kommuniziert wurden aber 100 Millionen Dollar, umgerechnet 88 Millionen Euro. Auch die 120 Millionen Euro, die Infarm im vergangenen Jahr eingesammelt hat, bestehen laut Bilanz nicht nur aus reinem Eigenkapital. Lediglich 77 Millionen Euro kamen über eine Kapitalerhöhung, der Rest verteilt sich auf diverse Darlehen.

Hoher Kapitalbedarf

Laut dem Startup bestehen die Finanzierungsrunden immer aus einem Mix an Eigen- und Fremdkapital. Die fehlenden Millionen tauchen nicht auf, weil sie noch nicht eingezogen wurden, so ein Sprecher gegenüber Gründerszene. Streng genommen ist Venture Debt allerdings kein Investment, da sich die Beteiligungsstruktur nicht verändert – zumindest nicht im ersten Schritt. Ob Infarm mit dem Fremdkapital Material und Waren vorfinanzieren wollte, schnell viel Kapital benötigte oder sich im Hinblick auf einen möglichen Börsengang auf die Eigenkapitalrendite fokussieren will, wird nicht ausgewiesen.

Bislang schreibt das Food-Startup noch hohe Verluste. Wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist, fiel im Jahr 2019 ein Fehlbetrag in Höhe von rund 24,4 Millionen Euro an – mehr als das Doppelte im Vergleich zum Jahr davor (11,7 Millionen Euro). Der Umsatz fiel angesichts der zuletzt kolportierten Milliardenbewertung von Infarm zudem noch spärlich aus. So setzte das Unternehmen 2019 gerade einmal zwei Millionen Euro um. Immerhin: Im Vergleich zum Vorjahr (523.000 Euro) konnte der Gesamtumsatz annähernd vervierfacht werden.

Dennoch gibt sich das Unternehmen zuversichtlich: Die Fridays for Future Bewegung habe dazu beigetragen, dass das Umweltbewusstsein der Menschen steige und sich mehr Verbraucher für den „Ursprung der Lebensmittel“ interessierten. „Lokale und ökologische Angebote finden daher immer größeren Absatz“, schreiben die Gründer in dem Bericht. Die Corona-Pandemie werde außerdem wohl zu keinen Umsatzrückgang führen. „Wir erwarten eher, dass sie den Trend zur autarken Lebensmittelversorgung von Städten verstärken könnte.“ Infarm rechnet daher mit einer Umsatzsteigerung von 400 Prozent.

Börsengang geplant

Auch deshalb dürfte Infarm zuletzt viel Kapital aufgenommen haben. Das Startup ist neben Deutschland unter anderem in Frankreich, Großbritannien und Dänemark aktiv. Auch in Kanada und den USA unterhält Infarm bereits eigene Gewächshäuser. Insgesamt sind laut Angaben auf der Website weltweit rund 1.220 solcher Farmen in Betrieb.

Um das weitere Wachstum zu finanzieren, plant Infarm laut Medienberichten im nächsten Schritt einen Börsengang. Dieser soll in Form eines sogenannten Spacs abgewickelt werden. Infarm habe die Investmentbank Goldman Sachs damit beauftragt, entsprechende Optionen auszuloten, und strebe dabei eine Bewertung von rund einer Milliarde Dollar an, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Transaktion sei aber noch nicht in trockenen Tüchern.