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Luftqualität in Deutschland hat sich auch 2020 verbessert

Kersting, Silke
·Lesedauer: 4 Min.

Die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid ist in der Bundesrepublik im vergangenen Jahr rückläufig gewesen, meldet das Umweltbundesamt. Auch die Werte für Feinstaub seien gesunken.

Geräte zur Messung der Luftqualität: Die Werte für Stickstoffdioxid und Feinstaub haben sich verbessert. Foto: dpa
Geräte zur Messung der Luftqualität: Die Werte für Stickstoffdioxid und Feinstaub haben sich verbessert. Foto: dpa

Die Luftqualität in Deutschland hat sich zuletzt verbessert. Das zeigt die vorläufige Auswertung von Messdaten der Länder und des Umweltbundesamts (UBA) für 2020. Demnach war die Belastung mit Stickstoffdioxid bundesweit tendenziell rückläufig. Auch die Belastung mit Feinstaub reduzierte sich laut den Daten weiter.

Hätten 2019 noch 25 Städte die Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) überschritten, „so werden es 2020 deutlich weniger als zehn sein“, so das Umweltbundesamt am Dienstag. Nach Auswertung der bereits jetzt vorliegenden Daten der automatisch messenden Stationen liegen auf jeden Fall München und Hamburg über dem europaweit geltenden Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel: München verbucht einen Wert von 54 Mikrogramm, Hamburg von 41 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft.

Ausgewertet werden müssen noch die Ergebnisse der Passivsammler: Dabei handelt es sich um Messgeräte, in denen mehrere Prüfröhrchen die Schadstoffe aus der Luft aufnehmen. Die Röhrchen werden regelmäßig eingesammelt und in einem Labor ausgewertet.

Mit einem Ergebnis ist für diese Städte erst im Mai zu rechnen. Nach Einschätzung des Umweltbundesamts sind hier Überschreitungen in weiteren Städten, etwa in Stuttgart, zu erwarten. Insgesamt sammelt und bewertet das Umweltbundesamt die Messdaten von deutschlandweit mehr als 500 Messstationen.

Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts, bezeichnet die Entwicklung als „erfreulich“. Allerdings, sagte er bei der Vorstellung der Daten am Dienstag, müsse man feststellen, dass Deutschland den EU-Grenzwert schon seit 2010 hätte einhalten müssen. „Dass neu zugelassene Dieselautos erst seit kurzer Zeit die Grenzwerte auch auf der Straße einhalten, ist der Hauptgrund für die rund zehnjährige Misere.“

Software-Updates und Flottenerneuerung greifen

Hauptquelle der Stickstoffoxide in Städten ist der Straßenverkehr und hier vor allem Diesel-Pkws. Stickstoffoxide (NOx) werden in der Regel als NO2 berechnet, weil Stickstoffoxide zwar überwiegend als Stickstoffmonoxid (NO) emittiert werden, anschließend aber atmosphärisch zu Stickstoffdioxid (NO2) oxidieren.

„Nur moderne Diesel-Pkws der Abgasnormen Euro 6d-Temp und Euro 6d emittieren nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch auf der Straße deutlich weniger Stickstoffoxide“, sagte Messner. Modellierungen des UBA zeigten, dass Software-Updates und Flottenerneuerung im Jahr 2020 zusammen eine deutliche Minderung von rund drei Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter bewirkt hätten. Davon seien rund zwei Drittel auf die neuen, deutlich saubereren Fahrzeuge zurückzuführen, ein Drittel auf die Software-Updates. „Hätten alle Fahrzeuge auf deutschen Straßen die Abgas-Grenzwertvorgaben auch im Realbetrieb eingehalten, hätte es 2020 gar keine Überschreitungen mehr gegeben“, sagte Messner. Es sei zudem bedauerlich, „dass sich Software-Updates so hingezogen haben und es kaum Hardware-Nachrüstungen gab“.

Neben Verbesserungen an den Fahrzeugen direkt sanken die mittleren NO2-Konzentrationen an verkehrsnahen Messstationen im Schnitt um ein weiteres Mikrogramm durch lokale Maßnahmen wie Tempolimits und Fahrverbote sowie durch den Einsatz schadstoffärmerer Busse.

Weniger verantwortlich waren offenbar die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Zwar seien die an verkehrsnahen Messstationen in Städten gemessenen NO2-Konzentrationen im Zeitraum des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 im Mittel um 20 bis 30 Prozent gesunken. Da sich der Verkehrsrückgang vor allem aber auf einen Zeitraum von vier Wochen beschränkt habe, sei der Einfluss auf die NO2-Jahresmittelwerte gering.

Grenzwerte beim Feinstaub mehr als 20 Jahre alt

Auch beim Feinstaub zieht das Umweltbundesamt eine überwiegend positive Bilanz. „2020 war das am geringsten mit Feinstaub belastete Jahr seit Beginn der Feinstaubmessungen Ende der 1990er-Jahre“, so die Behörde. Die europäischen Feinstaubgrenzwerte für die Partikelgrößen PM 10 und PM 2,5 wurden deutschlandweit eingehalten. Allerdings seien diese Grenzwerte mehr als 20 Jahre alt und bedürften einer Anpassung an die neuesten und strengeren wissenschaftlichen Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Feinstaub entsteht beispielsweise aus dem Abrieb von Bremsscheiben und Reifen und ist in Emissionen aus Holzfeuerungen enthalten. Weitere relevante Mengen an Feinstaub entstehen etwa bei der Herstellung von Metallen.

Die Auswirkungen auf die Gesundheit sieht das Umweltbundesamt als „erheblich“ an. „Angesichts der positiven Entwicklung beim Stickstoffdioxid liegt die zentrale Herausforderung nun bei der Reduktion der Feinstaubbelastung“, meint UBA-Präsident Messner. „Es bedarf weiterer Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen, um das Gesundheitsrisiko durch Feinstaub weiter zu verringern.“

„Hätten alle Fahrzeuge auf deutschen Straßen die Abgas-Grenzwertvorgaben auch im Realbetrieb eingehalten, hätte es 2020 gar keine Überschreitungen mehr gegeben.“ Foto: dpa
„Hätten alle Fahrzeuge auf deutschen Straßen die Abgas-Grenzwertvorgaben auch im Realbetrieb eingehalten, hätte es 2020 gar keine Überschreitungen mehr gegeben.“ Foto: dpa