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Die Lokomotive hat wieder etwas Dampf: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Mark Schrörs über Signale für ein Ende des Stillstands. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in Ihre Mailbox.

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Bereit zur Abfahrt

Es ist noch gar nicht so lange her, da schienen sich Beobachter geradezu darin zu überbieten, die Lage und die Aussichten der deutschen Wirtschaft möglichst düster darzustellen. Gelegentlich war sogar die Rede davon, Deutschland sei schon wieder „der kranke Mann Europas“. Auch internationale Institutionen wie der IWF stimmten in diesen Chor ein — sehr zum Ärger etwa von Bundesfinanzminister Christian Lindner.

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Inzwischen hat sich das Bild jedoch deutlich gewandelt: Die deutsche Wirtschaft ist bereits im ersten Quartal etwas stärker gewachsen als prognostiziert, und die am Donnerstag veröffentlichten überraschend positiven Einkaufsmanagerindizes für Mai deuten darauf hin, dass die Erholung im zweiten Quartal weiter an Fahrt gewinnen wird. Ähnlich hatte sich bereits am Mittwoch die Bundesbank geäußert.

Nun ist zwar nicht plötzlich alles gut, was vorher schlecht war. Wachstumsraten von zuletzt 0,2% im ersten Quartal sind ausbaufähig und viele strukturelle Probleme des Wirtschaftsstandorts Deutschland ungelöst. Ein Abgesang scheint aber doch verfrüht.

“Diejenigen, die eine anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft vorhersagen, könnten bald eines Besseren belehrt werden”, sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. Die bessere Lage der größten Volkswirtschaft hilft zugleich der Eurozone insgesamt: Auch dort hellte sich die Stimmung im Mai stärker auf als erwartet.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Alexander Kell und Rainer Bürgin: Milliardenofferten, gesucht, weiter länger höher, grünes Sonnenmärchen, und Homeoffice des Grauens.

Milliardenofferten

Die Deutsche Bahn hat dem Vernehmen nach eine Handvoll bestätigter Offerten für ihre Logistiksparte DB Schenker erhalten. Ein Verkauf könnte mehr als 15 Milliarden Euro einbringen, hieß es. Damit würde er in Europa zu den größten Deals in diesem Jahr gehören. Ein Konsortium unter der Führung von CVC Capital und Carlyle hat laut informierten Kreisen ein Angebot vorgelegt, das den Wert des Geschäfts auf rund 14 Milliarden Euro beziffert. Die Private-Equity-Firmen erwägen, die Abu Dhabi Investment Authority und Singapurs Staatsfonds GIC mit ins Boot zu holen und haben diesbezüglich bereits Gespräche geführt. Offerten für Schenker kamen, wie zu hören ist, auch vom Logistikkonzern DSV und den Reederei-Riesen Moeller-Maersk und MSC. Der Düsseldorfer Verpackungsspezialist Gerresheimer kündigte heute an, den Medizinfläschchen-Produzenten Bormioli Pharma zu kaufen. Ihn hatten 2017 von Triton beratene Fonds erworben.

Gesucht

Die Nvidia-Aktie hat im nachbörslichen New Yorker Handel mit einem Kurssprung um bis zu 8% auf die Zahlen des Chip-Riesen reagiert, die die hochgesteckten Gewinnprognosen der Analysten noch übertrafen und der Euphorie um künstliche Intelligenz neue Nahrung gaben. Der Quartalsumsatz des Grafikkarten-Entwicklers kletterte auf 26 Milliarden Dollar und hat sich damit mehr als verdreifacht. Für Schub sorgte besonders Wachstum im Bereich Rechenzentren-Ausrüstung. Die Produktion der neuen Chip-Plattform Blackwell, die bei der Verarbeitung von KI-Prozessen mit Billionen Parametern hilft, ist laut CEO Jensen Huang inzwischen voll angelaufen. Die Nachfrage für die bestehenden Produkte blieb indessen ungebrochen. Die Käufer benötigten die aktuelle Technikgeneration, um ihre Infrastruktur so schnell wie möglich auszubauen, so Huang. ChatGPT wird bei Nutzeranfragen künftig auch Suchergebnisse aus der Berichterstattung von Wall Street Journal und MarketWatch anzeigen. Möglich macht dies eine Vereinbarung von OpenAI und News Corp.

Weiter länger höher

Bei ihrer letzten geldpolitischen Beratung waren sich die Fed-Notenbanker einig, dass sie die Zinsen länger erhöht halten wollen. Laut dem gestern vorgelegten Sitzungsprotokoll bezweifelten “viele”, dass die Geldpolitik restriktiv genug sei, um die Inflation auf den Zielwert zu senken. „Die Teilnehmer verwiesen auf enttäuschende Inflationswerte im ersten Quartal“, hieß es. Goldman-Sachs-Chef Solomon sieht “immer noch keine überzeugenden Daten, die darauf hindeuten, dass wir die Zinssenkungen sehen werden”. Derzeit rechne er mit “null” Zinssenkungen in diesem Jahr, sagte er in Boston. Die Goldman-Ökonomen sagten im April nur zwei Zinssenkungen in diesem Jahr voraus, eine im Juli und eine im November. Die Zentralbanken in Europa würden die Zinsen 2024 angesichts der schleppenden wirtschaftlichen Erholung und der “strukturellen demografischen Probleme” wahrscheinlich senken, so Solomon. Eine Warnung für die EZB stellen die jüngsten Lohndaten für den Euroraum dar. Die Tariflöhne stiegen im ersten Quartal um 4,7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, verglichen mit 4,5% im Vorquartal. Die meisten Ökonomen hatten mit einem Rückgang oder einem stabilen Wert gerechnet.

Grünes Sonnenmärchen

Weil Deutschland mit PV-Anlagen gepflastert wird, sinken die Strompreise während der sonnenreichsten Stunden des Tages. Nicht nur bringt das den Stromverbrauchern nichts, es kann auch die Wirtschaftlichkeit der Erzeugung beeinträchtigen. Als Folge des Zubaus von Solaranlagen lag der Strompreis laut SEB tagsüber jüngst bei 9,10 Euro pro Megawattstunde, in der übrigen Zeit jedoch bei 70,60 Euro. Da die Solarproduktion nicht bedarfsgerecht ist und an sonnigen Tagen meist die Nachfrage übersteigt, kommt es zu negativen Marktpreisen. “Der Einbruch der Sonnenstunden-Strompreise impliziert einen Einbruch der Einnahmen der Solarstromproduzenten”, schreibt SEB-Analyst Bjarne Schieldrop. “Es sei denn, die Einnahmen der Anlagen werden durch Subventionen oder private Abnahmevereinbarungen gesichert”. Die installierte Solarkapazität stieg laut der Bank bis Ende 2023 auf mehr als 80 Gigawatt, 30 Gigawatt mehr als die durchschnittliche Nachfrage. Den Stromkunden nutzt das nichts. “Natürlich freuen sich alle Verbraucher über billigen Strom, solange sie ihn verbrauchen können, wenn er billig ist”, so Schieldrop. “Im Moment können sie das nicht.”

Homeoffice des Grauens

Für einen Citigroup-Händler in London (siehe die gestrigen Fünf Themen) verlief der Morgen des 2. Mai 2022 denkbar schlecht. Im Vereinigten Königreich war Feiertag, so dass es eigentlich ein ruhiger Tag an den Märkten hätte werden sollen. Kurz vor 9 Uhr begann der Mitarbeiter des Trading Desk Delta One, der von zu Hause aus arbeitete, einen Trade zusammenzustellen, der das Engagement der Bank im MSCI World Index absichern sollte. Ein Tool, das die Mitarbeiter normalerweise für eine solche Transaktion verwenden, war an diesem Morgen nicht verfügbar. Der Händler musste den Aktienkorb also manuell zusammenstellen. Das Unglück nahm seinen Lauf: In den Systemen der Citigroup haben die Händler die Möglichkeit, entweder den Nennwert eines geplanten Geschäfts einzugeben - oder die Stückzahl. Die genau falsche Auswahl ließ aus einem Aktienkorb im Wert von 58 Millionen Dollar einen Mega-Basket von über 444 Milliarden Dollar werden. Die Sicherheitssysteme der Citi fingen einen Großteil der Falschorders ab und nach einer Viertelstunde bemerkte der Trader das Desaster. Doch ein Milliardenrest blieb, und ein Flashcrash an Europas Börsen folgte — und ein Millionenverlust für die Bank, und nun noch eine Millionen-Geldbuße.

Was sonst noch passiert ist

  • Geheime Wahlentscheidung

  • Trügerische Ostsee-Ruhe

  • Terroristen-Video

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