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Lkw-Hersteller MAN kündigt Jobgarantien für Beschäftigte auf

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Die VW-Tochter erhöht den Druck. Drei MAN-Standorte in Deutschland und Österreich wackeln, 9500 Jobs sind gefährdet. Der Betriebsrat ist empört.

Der traditionsreiche Bus- und Lastwagenbauer hat bereits in den vergangenen Jahren mehrfach seine wirtschaftlichen Ziele verfehlt und zahlreiche Führungswechsel hinter sich. Foto: dpa
Der traditionsreiche Bus- und Lastwagenbauer hat bereits in den vergangenen Jahren mehrfach seine wirtschaftlichen Ziele verfehlt und zahlreiche Führungswechsel hinter sich. Foto: dpa

Der Streit um die Sanierung des angeschlagenen Lkw-Herstellers MAN eskaliert. Am Dienstag kündigte der Vorstand der VW-Tochter die für Deutschland und Österreich geltenden Beschäftigungs- und Standortsicherungsverträge. Die Vereinbarungen hatten den Arbeitnehmern Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis 2030 geboten. Nun zieht das Unternehmen die „Schlechtwetterklausel“, die es dem Management erlaubt, in Zeiten wirtschaftlicher Not aus der Vereinbarung auszusteigen.

Mit dem Schritt will der Vorstand den Druck auf die Verhandlungen mit den Betriebsräten erhöhen. Das Unternehmen will 9500 Arbeitsplätze abbauen. In Deutschland stehen 7000 Jobs auf dem Spiel. „MAN steht vor herausfordernden Zeiten“, sagte Personalchef Martin Rabe. „Der gesamte Vorstand ist sich sicher, dass sich beide Seiten dieser Verantwortung bewusst sind und wir sehr zeitnah zu konstruktiven und zielgerichteten Verhandlungen kommen können.“

MAN ist Teil der Traton-Gruppe, die wiederum mehrheitlich Volkswagen gehört. Der traditionsreiche Bus- und Lastwagenbauer hat bereits in den vergangenen Jahren mehrfach seine wirtschaftlichen Ziele verfehlt und zahlreiche Führungswechsel hinter sich. Der neue Vorstand um Andreas Tostmann will nun eine schnelle und durchgreifende Sanierung erreichen.

Mitte September kündigte das Unternehmen an, 9500 der rund 36.000 Stellen abzubauen. Die Werke Steyr in Österreich, Plauen und Wittlich stehen vor dem Aus. In Nürnberg, wo MAN Dieselmotoren baut, stehen ebenfalls viele Jobs auf dem Spiel. In der Zentrale in München sind vor allem die Verwaltung und die Entwicklung betroffen.

„Lassen nicht zu, dass MAN abgewickelt wird“

Für die Arbeitnehmer ist der Schritt ein Affront. Das Streichen von Jobgarantien ist im VW-Konzern bislang beispiellos. „Das ist ein Fehler“, kommentierte Betriebsratschef Saki Stimoniaris die Kündigung am Dienstag.

„Wir haben kein Interesse an Eskalation, sagen auch klar, dass wir für unsere Rechte kämpfen werden“, sagte der Arbeitnehmervertreter, der auch im Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns sitzt. „Wir lassen nicht zu, dass unsere MAN abgewickelt wird.“ Stimoniaris kündigte rechtliche Schritte gegen die Kündigung der Verträge an. Gleichzeitig erklärte er, dass der Betriebsrat weiter offen für Gespräche sei.

Die werden hart. Die MAN-Sanierung ist aus Sicht des VW-Konzerns seit Jahren überfällig. Volkswagen hatte die beiden rivalisierenden Lkw-Hersteller MAN und Scania in den Jahren 2012 und 2015 mehrheitlich übernommen und sie unter der Führung von Andreas Renschler unter dem Kunstnamen Traton an die Börse gebracht.

Während Scania über die Jahre gute Gewinne schrieb, geriet MAN bereits vor der Coronakrise massiv unter Druck. Die Produktion ist zu kompliziert, die Verwaltung zu aufgebläht. Mitte des Jahres räumte Renschler seinen Posten, ebenso wie MAN-Chef Joachim Drees. Traton führt jetzt Matthias Gründler, MAN wird von Andreas Tostmann geleitet.

Die Probleme sind geblieben und werden durch den massiven Konjunktureinbruch verschärft. MAN ist immer noch stark auf den Diesel ausgerichtet, braucht jetzt aber große Investitionen für Elektroantriebe und die Brennstoffzellentechnik. Die massiven Kosteneinsparungen sollen dem Unternehmen nun den Freiraum verschaffen.

Gelingt es Tostmann, mit den Arbeitnehmern eine Vereinbarung bis Jahresende abzuschließen, könnte der Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag wieder in Kraft gesetzt werden, erklärte MAN. Klar ist: Die Vereinbarung wird dann für deutlich weniger Mitarbeiter gelten.