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Der Langfristverlierer: Nirgends sind die Aussichten düsterer als in Suhl

Scheppe, Michael
·Lesedauer: 3 Min.

Die Stadt in Thüringen belegt den letzten Platz im Prognos-Ranking. Suhls Bürgermeister ist schlechte Prognosen bereits gewohnt – und bleibt optimistisch.

Wie wird sich die Wirtschaft in Deutschland nach der Coronakrise entwickeln? Die Experten des Beratungsunternehmens Prognos haben exklusiv für das Handelsblatt eine Wachstumsprognose bis zum Jahr 2030 errechnet – heruntergebrochen bis auf Landkreisebene. Der Verlierer ist Suhl – eine Gemeinde am Südhang des Thüringer Waldes. Woran liegt das?

Suhl steht in Ranglisten vor allem an einer Stelle: ganz hinten. Die kreisfreie Stadt am Südhang des Thüringer Waldes ist die Region, die seit der Wende so viele Menschen durch Abwanderung verloren hat wie keine andere, 20.000 nämlich. Von den verbleibenden 36.000 Suhlern ist jeder Dritte 65 Jahre oder älter – so hoch ist das Durchschnittsalter nirgends sonst in der Republik. Wenig überraschend, dass das BIP dort so klein ist wie in keiner anderen deutschen Region.

Auch die Zukunftsaussichten sind düster: Die Zahl der erwerbstätigen Bevölkerung soll bis 2030 um weitere 30 Prozent zurückgehen, schätzen die Prognos-Forscher, die ohnehin schwache Wirtschaft soll nochmals um 4,5 Prozent schrumpfen – der letzte Platz im Ranking.

Für Prognos-Regionalökonom Olaf Arndt sind die Zahlen erschreckend: „In Suhl ist eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die die Stadt nicht mehr aus eigener Kraft aufhalten kann.“ Für eine Perspektive sei die Ansiedlung neuer Firmen nötig, auch eine Hochschule fehle als Anziehungspunkt.

Wie es besser laufen kann, zeigt sich eine Autostunde entfernt von Suhl im Wissenschafts- und Technologiezentrum Jena. Die Stadt schafft einen glänzenden Platz 15 im Ranking.

Kurzfristig wurde Suhl laut Prognos von der durch Corona ausgelösten Wirtschaftskrise kaum getroffen. Was wie ein Hoffnungsschimmer aussehen mag, ist in Wahrheit keiner. Wo kaum Wirtschaft stattfindet, kann auch keine verloren gehen. Etwa 40 Prozent der Arbeitsplätze in Suhl stellt der Staat – und die sind krisensicher.

Zu DDR-Zeiten boomte die Bezirksstadt Suhl wegen ihrer Waffen- und Fahrzeugproduktion. Mit dem Mauerfall gingen auf einen Schlag 8000 Arbeitsplätze verloren. An den Folgen leidet Suhl noch heute. Oberbürgermeister André Knapp ist seit 2018 im Amt. Er sagt: „Was Prognosen angeht, sind wir Kummer durchaus gewohnt.“ Ihn stimmt optimistisch, dass sich die Bevölkerungszahlen der Stadt nie so dramatisch entwickelt hätten wie von den Instituten vorausgesagt.

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Die freien Flächen will der CDU-Politiker nutzen, um Firmen anzulocken. So soll eine frühere Plattenbausiedlung zu einem interkommunalen Gewerbegebiet umgebaut werden. Er sieht sich dadurch bestärkt, dass sich in den vergangenen Jahren wieder kleinere Mittelständler in Suhl angesiedelt hätten.

Eine Chance sieht der Bürgermeister im Trend zur mobilen Arbeit. Knapp erzählt von einer jungen Familie, die jüngst von München nach Suhl gezogen sei. Das sei zwar nur ein kleiner Beitrag gegen den Trend, räumt er ein. „Doch das hilft uns, gegen die Prognose anzukämpfen. Das haben wir in der Vergangenheit geschafft – und das werden wir auch künftig.“