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Lange Ladezeiten, schnelle Akku-Entleerung: Der viertägige Roadtrip einer Frau zeigt, wie schwierig es ist, mit einem E-Auto große Strecken zu fahren

 In einem solchen Auto reiste die Autorin 3200 Kilometer durch die USA. - Copyright: picture alliance / YONHAPNEWS AGENCY | Yonhap
In einem solchen Auto reiste die Autorin 3200 Kilometer durch die USA. - Copyright: picture alliance / YONHAPNEWS AGENCY | Yonhap

Elektroautos sind vielleicht nicht die beste Wahl für einen langen Roadtrip – es sei denn, man möchte riskieren, stundenlang an einer Ladestation festzusitzen.

Rachel Wolfe, eine Reporterin des „Wall Street Journal“, fuhr mit einem Kia EV6 auf eine viertägige US-Reise und stellte fest, dass sie am Ende mehr Zeit mit dem Aufladen des Autos als mit Schlafen verbrachte. Während der 3200 Kilometer langen Fahrt von New Orleans nach Chicago und zurück hatte Wolfe nach eigenen Angaben Schwierigkeiten, Schnellladestationen zu finden – und verbrachte so einen Großteil der Reise damit, auf das Aufladen des Fahrzeugs zu warten. Auch in Deutschland sind Schnellladepunkte noch selten: Laut Bundesnetzagentur gibt es hierzulande derzeit nur rund 5500 Schnellladestationen, bis 2023 sollen weitere 1000 hinzukommen.

Wolfe schrieb zwar, dass es eine Vielzahl von Ladestationen entlang der Strecke gebe, sie aber schnell festgestellt habe, dass nicht alle Ladestationen gleich seien. Die Fahrt nach Chicago, die eigentlich nur siebeneinhalb Stunden dauern sollte, dauerte laut Wolfe zwölf Stunden. Sie berichtete von Fällen, in denen sie bis zu drei Stunden auf eine Ladung wartete, die sie 50 Kilometer weit fahren lassen würde, und von Momenten, in denen sich die Batterie ihres Autos rapide entlud. Auf dem Heimweg habe es eine Tornado-Warnung gegeben und das Auto habe keine 350 Kilometer mit einer einzigen Ladung geschafft – obwohl der Hersteller eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern angegeben hatte.

"Um Strom zu sparen, schalteten wir das Kühlsystem und das Radio aus, zogen den Stecker des Telefons und stellen die Scheibenwischer auf die niedrigste Stufe, damit wir noch etwas sehen können", so Wolfe. "Fünf Kilometer von der nächsten Station entfernt hatten wir noch eine geschätzte Reichweite von nicht einmal zwei Kilometern."

Ähnliche Erfahrungen hatten auch schon andere Autofahrer. Business-Insider-Redakteur Tim Levin berichtete von einer Fahrt nach Vermont im vergangenen Jahr, als die Batterie seines Mustang Mach-E in einer Umgebung, in der er kaum Zugang zu einer Ladestation hatte, rapide abnahm. Levin sei aber nach wie vor von E-Autos überzeugt.

Wolfe hingegen sei aufgrund ihrer Erfahrung dankbar für ihren benzinbetriebenen Volkswagen Jetta. Sie und ein Mitfahrer hätten aufgrund der fehlenden Ladeinfrastruktur eine Reservierung für ein Abendessen verpasst und die Rückfahrt sei zu einer Zitterpartie geworden, bei der sie aufgrund ihrer Verspätung nur vier Stunden Schlaf gehabt habe.

Die explodierenden Benzinpreise haben Elektroautos noch attraktiver gemacht – für Wolfe aber seien die 100 US-Dollar, die sie an der Zapfsäule gespart hätte, die verschwendete Zeit an den Ladestationen nicht wert.

Die Sorge vor einer zu geringen Reichweite ist für viele nach wie vor eines der Hauptargumente, sich kein E-Auto zulegen zu wollen. Lediglich Tesla habe einen großen Vorteil, schrieb Wolfe in einem Tweet. Mit den E-Autos von Elon Musk hätte sie bessere Erfahrungen gemacht. Der Autobauer hat einen großen Vorsprung auf dem Markt, wenn es um Schnellladestationen geht.

Normale Tesla-Stationen können schon jetzt mit einem speziellen Adapter auch für andere Elektroautos genutzt werden, für Teslas Schnellladestation gibt es zumindest erste Tests in ausgewählten Ländern in Europa, etwa den Niederlanden.

Lesen Sie den vollständigen Bericht von Wolfe im Wall Street Journal.

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