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Ladestationen für Dienstwagen dringend gesucht

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Viele Unternehmen tun sich schwer, Ladestationen für E-Autos zu installieren. Das hemmt die Trendwende hin zu mehr Nachhaltigkeit in der Flotte.

Die Nachfrage nach Elektroautos steigt auch in der Flotte - doch Ladestationen fehlen. Foto: dpa
Die Nachfrage nach Elektroautos steigt auch in der Flotte - doch Ladestationen fehlen. Foto: dpa

Daniel Rook drückt aufs Tempo. Der Personalvorstand von Schneider Electric in Deutschland ist gerade dabei, die gesamte Flotte des Automatisierungsunternehmens zu elektrifizieren. 1500 Verbrenner sollen bis 2024 ausgetauscht werden. Der Grund: „Wir fühlen uns unseren Regeln zur Nachhaltigkeit verpflichtet und wollen uns unseren Kunden authentisch als Innovationstreiber präsentieren“, sagt Rook, der auch das von Schneider Electric ausgegründete E-Mobilitäts-Start-up Inno2grid in Berlin leitet.

Der größte Hemmschuh bei der Umstellung sei nicht die viel beklagte begrenzte Reichweite von E-Autos. Die würde sich in naher Zukunft immer mehr der von Verbrennern annähern. „Die Ladesäule und die zugehörige Infrastruktur - unterstützt mit entsprechender Software - ist entscheidend für den Erfolg des elektrifizierten Fuhrparks“, sagt Rook.

Er hat daher zunächst die Nutzungsprofile der Dienstwagen ausgewertet, um den Bedarf zu ermitteln. Das Ergebnis: Im Schnitt seien an den 14 Standorten des Projekts je zwei Ladepunkte pro fünf Autos notwendig. Schneider Electric will Arbeitnehmern zudem helfen, zu Hause sogenannte Wallboxes einzurichten, berichtet Rook. Bei der Umstellung auf E-Mobilität sei ein ganzheitliches Vorgehen erforderlich.

Tatsächlich hapert es an diesem Punkt bei vielen Unternehmen noch. Das wachsende Nachhaltigkeitsbewusstsein und steuerliche Anreize treiben zwar die Elektrifizierung voran: Mittlerweile haben 17 Prozent der Unternehmen, die das Marktforschungsunternehmen Kantar im Frühjahr im Auftrag des Leasinganbieters Arval befragt hat, E-Autos im Fuhrpark. Weitere 29 Prozent planen das für die kommenden drei Jahre.

Doch von ihnen haben nur 57 Prozent Ladesäulen auf dem Firmengelände vorgesehen. Und nicht einmal die Hälfte unterstützt Dienstwagennutzer dabei, Lademöglichkeiten zu Hause einzurichten. Ironischerweise sind fehlende Lademöglichkeiten zudem die gewichtigsten Gründe, warum andere Unternehmen reine Elektrofahrzeuge derzeit gar nicht erst in Erwägung ziehen.

All-in-one-Angebote fehlen noch

Es sind nicht allein finanzielle Gründe, warum Flottenmanager bei der Ladeinfrastruktur noch auf die Bremse treten. Sie fühlen sich mitunter von den angestammten Dienstleistern, an die sie nach und nach immer mehr Aufgaben ausgelagert haben, im Stich gelassen. „Leasingfirmen bieten Fuhrparkmanagern noch nicht genügend Unterstützung für den Umstieg auf E-Mobilität in der Flotte“, sagt Stefan Penthin. Der Automobilexperte bei der Managementberatung Bearingpoint stützt sich auf eine aktuelle Umfrage seines Hauses unter Flottenmanagern. Demnach nennen fast drei Viertel der Befragten neben hohen Investitionskosten fehlende Angebote am Markt als größte Barriere für die Elektrifizierung.

Zwar bieten die Dienstleister inzwischen vielfach auch Ladestationen und Wallboxes an. Erwartet werde aber ein All-in-one-Angebot, so der Berater. „Solange die Komplexität der neuen Technologie von den Fuhrparkmanagern gestemmt werden muss, werden die Unternehmen zumindest in der Mehrzahl die Elektromobilität nicht unterstützen können.“

Besonders wichtig sind Fuhrparkleitern automatisierte und einheitliche Abrechnungsprozesse – egal, ob der Strom nun in der Firma, an Rastplätzen oder zu Hause getankt wird. „Lösungen wie Flatrates beim Mobilfunk, unter Berücksichtigung einer variierbaren Jahreskilometerleistung wären hier eine Möglichkeit“, sagt Penthin.

Die Abrechnung des Stroms, den Dienstwagenfahrer zu Hause für das Auto abzapfen, ist dabei nur ein Knackpunkt. Auch bei öffentlichen Ladestationen herrscht noch Durcheinander. Mit einer Tankkarte von einem der großen Anbieter Plugsurfing, Hubject oder Newmotion lässt sich europaweit mittlerweile zwar an fast jeder Säule Strom tanken. Doch allein in Deutschland gibt es laut Erhebungen der Marktforschung EuPD Research noch immer 300 verschiedene Tarife.

Besserung ist hier aber zumindest in Sicht: Die Bundesnetzagentur will die Betreiber verpflichten, neben dem eigenen Strom auch den ihrer Wettbewerber anzubieten - zu deren Tarifen und Konditionen. Im April 2021 soll Einigkeit mit den Betreibern herrschen, so der Plan.

Fuhrparkmanager brauchen mehr Informationen

Ganzheitliche Angebote vermissen Fuhrparkverantwortliche indes nicht nur bei Leasingfirmen. Wenn es um die Ladeinfrastruktur geht, trauen sie Autobauern noch weniger zu, wie die Bearingpoint-Studie zeigt. Eine deutlich höhere Kompetenz vermuten sie bei spezialisierten E-Mobilitäts-Anbietern, Energieversorgern und Start-ups der Branche. „Dies sind für Flottenmanager recht neue Geschäftspartner“, sagt Penthin. „Deshalb zögern sie.“

Und auch in puncto Technik fühlt sich so mancher Fuhrparkmanager noch nicht ausreichend informiert. „Bei Planung, Installation und Betrieb der Ladeinfrastruktur herrscht noch viel Unsicherheit“, beobachtet Susan Käppeler, Leiterin Marketing und Vertrieb beim Leasinganbieter Alphabet. Die BMW-Tochter versucht, dem entgegenzuwirken -und bietet neben einem Ladesäulen-Leasing auch Beratungen etwa zu Fördermöglichkeiten und zum Lademanagement an.

Käppeler sieht indes gleichfalls die Fuhrparkmanager in der Pflicht. Waren diesen in der Vergangenheit oft Alleingänge möglich, müssen sie nun das unternehmensinterne Know-how bündeln. Aus Sicht der Expertin ist es sinnvoll, dass Fuhrparkleiter eng mit ihren Kollegen aus dem Gebäudemanagement zusammenarbeiten. So könnten sie besser beurteilen, ob sich angebotene Lösungen umsetzen lassen.