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Tiffany-Übernahme: LVMH-Chef stellt Deal wegen Coronakrise in Frage

Die Übernahme des US-Juweliers Tiffany durch LVMH war schon abgesegnet. Nun aber zögert der Chef des Luxuskonzerns. Offenbar geht es um den Preis.

Bernard Arnault gilt als Markenmacher. Und von Widrigkeiten hat sich der Chef des französischen Luxuskonzerns LVMH (Moët Hennessy Louis Vuitton) noch nie abschrecken lassen. So war auch mit Tiffany eigentlich schon alles unter Dach und Fach.

Die Aktionäre des US-Juweliers, dem er alten Glanz verschaffen will, hatten die Übernahme durch LVMH bereits gebilligt, die Transaktion sollte im Sommer abgeschlossen werden. Arnault schwärmte von einem „ikonischen Unternehmen“. LVMH wollte für Tiffany rund 16,2 Milliarden Dollar ausgeben.

Doch nun rudert der Franzose, 71, offenbar zurück. Der Kauf könnte in Frage stehen oder neu verhandelt werden, berichten französische Medien und die US-Modezeitung „WWD“ (Women‘s Wear Daily), die mit dem Fall vertraute Quellen zitieren.

Als Grund wird das Coronavirus genannt, das die Luxusindustrie und die USA in eine Krise gestürzt hat. LVMH bestätigte am Donnerstag, dass es bei einer Verwaltungsratssitzung am Dienstag um Corona und die Perspektiven für Tiffany ging, ohne weitere Details zu nennen.

Einige Monate Krise dürften dem reichen Geschäftsmann Arnault und LVMH, der Nummer eins weltweit in der Luxuswelt, wenig ausmachen. Der Franzose will sogar Arnaud Lagardère, Chef der Mediengruppe Lagardère, unterstützen und in dessen Holding fast 100 Millionen Euro investieren. Das Unternehmen steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Der begeisterte Klavierspieler gilt als Feingeist – aber eben auch als Pragmatiker.

Offenbar geht es bei Tiffany um den Preis. Im November 2019 hatte LVMH entschieden, den Juwelier zu übernehmen, lange vor der Coronakrise. Arnault bot 135 Dollar pro Aktie, das lag damals schon über dem letzten Börsenwert.

Noch keine Verhandlungen

Analysten waren der Ansicht, Arnault habe Tiffany recht teuer bezahlt, aber die Strategie sei richtig. Er könne damit sein Schmuckgeschäft stärken und auf dem US-Markt wachsen. Die Kraft der Marke mit der blauen Schachtel sei stärker als die gegenwärtigen finanziellen Leistungen.

Derzeit notiert die Tiffany-Aktie nur noch um 115 Euro. Angeblich hofft Arnault nun, Tiffany davon überzeugen zu können, den Preis zu senken. Es sollen aber bisher keine neuen Verhandlungen laufen. Wenn Tiffany Neuverhandlungen zurückweist, könnte der Fall sogar vor Gericht in den USA landen, was ein erneutes Kaufangebot durch die Franzosen erschweren könnte.

Gezweifelt hat Arnault am Luxus nie. Dem Vorreiter der Branche ist es über Jahrzehnte gelungen, verstaubte Marken wieder trendig zu machen. Das beste Beispiel ist Louis Vuitton. Zu seiner Gruppe gehören unter anderem Champagnerhäuser wie Moët & Chandon, aber auch Modehäuser wie Dior und Fendi.

Bei den Modenschauen sitzt der hagere, diskrete Mann immer in der ersten Reihe. Laut Forbes war er 2019 mit einem Vermögen von 93,7 Milliarden Euro der zweitreichste Mensch der Welt. Auch das 1837 in New York gegründete Traditionshaus Tiffany ist etwas in die Jahre gekommen.

Der durch den Hollywood-Film „Frühstück bei Tiffany“ mit Audrey Hepburn bekannte Juwelier war einst eine Legende. Doch heute ist er bei der Jugend kaum noch gefragt und hat den alten Glanz verloren. Arnault wollte Tiffany wieder glamourös machen. Er betonte: „Tiffany ist ein Mythos für die Amerikaner und auch weltweit.“

Der gelernte Ingenieur, der aus Nordfrankreich stammt, hatte zuerst im väterlichen Immobiliengeschäft begonnen und Ferienhäuser gebaut. Arnault hat früher als andere die großen Möglichkeiten der Luxusbranche erkannt, schon in den 1980er Jahren. Und durch das Geschäft mit dem Luxus, das seit Jahren einen weltweiten Boom erlebt, ist er reich geworden.

Innerhalb von zehn Jahren verdreifachte sich der Umsatz bei LVMH. Die 70 Marken im Portfolio liegen alle am oberen Rand des Preissegments. Der verstorbene Modeschöpfer Karl Lagerfeld, der für ihn bei Fendi arbeitete, erzählte einmal über Arnault: „Er liebt die Trophäen. Das ist ein Spiel für ihn.“