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Aus Klimaschutz-Gründen: Frankreich stoppt Ausbau des Flughafens Charles de Gaulle

Kuchenbecker, Tanja Koenen, Jens
·Lesedauer: 5 Min.

Der Flughafenbetreiber ADP soll die Pläne nachbessern und die Schiene einbeziehen. Paris ist kein Einzelfall: Die Erweiterung der Infrastruktur im Luftverkehr wird europaweit schwieriger.

Der Ausbau der Flughafeninfrastruktur ist in Europa schon länger ein heikles Unterfangen. Foto: dpa
Der Ausbau der Flughafeninfrastruktur ist in Europa schon länger ein heikles Unterfangen. Foto: dpa

Gerade erst hat die französische Regierung ihr geplantes Klimagesetz vorgestellt – das von vielen Umweltschützern als zu schwach kritisiert wird. Nun zeigt Präsident Emmanuel Macron medienwirksam, dass ihm das Thema Ökologie wichtig ist. Das geplante Ausbauprojekt des Pariser Flughafens Roissy-Charles-de-Gaulle im Norden der Stadt soll aufgegeben werden. Eigentlich sollten die Bauarbeiten in diesem Jahr beginnen.

Umweltministerin Barbara Pompili kündigte an, dass das Mega-Projekt, das den Flugverkehr um 35 bis 40 Prozent erhöhen würde, gestoppt werden soll. Sie bezeichnete das Projekt in Zeiten des Kampfes gegen die Klimaerwärmung in der Tageszeitung „Le Monde“ schlicht als „überholt“.

Die Regierung hat deshalb den Flughafenbetreiber ADP aufgefordert, das Riesenprojekt zu streichen und neue Pläne zu präsentieren, die besser zu Klimazielen und Umweltschutz passen. Der französische Staat ist Mehrheitsaktionär bei ADP.

Der Ausbau der Flughafeninfrastruktur ist in Europa schon länger ein heikles Unterfangen – nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes, auch zum Beispiel wegen der Lärmbelastung für die Anwohner. Es gibt kaum ein Vorhaben, gegen das nicht geklagt wird.

So wird über den Ausbau des wichtigen Flughafens London Heathrow seit Jahren gestritten. 2018 hatte die britische Regierung für den Bau einer dritten Bahn gestimmt. Doch gegen den Plan hatten Umweltorganisationen, Klimaschützer und auch Sadiq Khan, der Bürgermeister von London, geklagt.

Kritik am Ausbau auch in London

Ein Argument: Im Bauplan sollen die Anforderungen nicht ausreichend berücksichtigt sein, die im Pariser Klimaabkommen des Jahres 2015 formuliert wurden. Doch das zuständige Gericht folgte dem Argument Anfang des Jahres nicht und sah keinen Widerspruch zum Pariser Vertragswerk. Dennoch wird es wohl noch bis 2029 dauern, bis der Ausbau fertig ist.

In Deutschland wiederum wird der Frankfurter Flughafen um ein drittes Terminal ergänzt. Auch das Projekt ist umstritten, es wird aber bereits gebaut. Wegen der massiven Folgen der Pandemie auf den Luftverkehr ist die Inbetriebnahme aber deutlich nach hinten verschoben worden. Erste Teile des neuen Terminals sollten eigentlich 2022 „ans Netz“ gehen, jetzt wird das frühestens 2025 geschehen.

In München hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Pläne, eine dritte Bahn zu bauen, im September vergangenen Jahres für mehrere Jahre gestoppt. Ob das Vorhaben jemals realisiert werden wird, ist damit völlig offen.

Die Luftfahrt und vor allem die Flughafenbetreiber bringt das in ein Dilemma. Einerseits haben es die Pandemie sowie die Erwartung, dass der Luftverkehr Jahre braucht, um wieder das alte Niveau zu erreichen, es noch schwerer gemacht, einen Ausbau der Flughafeninfrastruktur zu begründen.

Andererseits besteht die Gefahr, dass sich Europa und Deutschland die Chance verbauen, am weltweiten Luftverkehr weiter wie bisher teilzuhaben. Denn etwa in China oder in der Türkei wurden vor Kurzem gewaltige neue Drehkreuze in Betrieb genommen. Auch am Persischen Golf stehen große Flughäfen, wenngleich die weiteren Ausbaupläne etwa in Dubai mittlerweile deutlich zurückgestutzt wurden.

Hinzu kommt das Thema Klimaschutz, das nur vorübergehend durch Corona verdrängt wurde, nun aber wieder stärker auf der Tagesordnung ist. In Paris stellen sich Umweltschützer und Lokalpolitiker schon länger gegen den Ausbau, so wie er bisher geplant war. Danach sollte bis 2037 ein viertes Terminal entstehen, um die Kapazität pro Jahr um 40 Millionen Passagiere auf insgesamt 120 Millionen zu erhöhen. Die Kosten dafür wurden auf sieben bis neun Milliarden Euro geschätzt.

Bei dem neuen Projekt, das die Regierung sich nun wünscht, soll dagegen nicht nur die Erhöhung der Passagierzahlen im Mittelpunkt stehen. „Wir brauchen weiter Flugzeuge, aber es geht um eine vernünftigere Nutzung und darum, die Treibhausgase zu senken“, betonte Umweltministerin Pompili.

Schon im vergangenen Jahr war das Ausbauprojekt des Pariser Flughafens von den Umweltbehörden kritisiert worden, weil nicht klar ausgewiesen war, ob durch die Zunahme der Flugbewegungen und des damit verbundenen Straßenverkehrs die internationalen Umweltziele Frankreichs eingehalten werden.

Zug statt Zubringerflug

Im zweiten Anlauf soll es deshalb nun darum gehen, statt mit Inlandsflügen mit Zügen den Flughafen zu erreichen. In ihrem Klimagesetz und auch im Zuge der Finanzhilfen etwa für Air France hat die französische Regierung festgelegt, dass Flüge auf Strecken gestrichen werden sollen, die in weniger als zweieinhalb Stunden auch mit dem Zug zu bewältigen sind.

Das gilt zum Beispiel für die Strecke Paris-Bordeaux. Vor drei Jahren war aus Umweltgründen bereits der Bau des Flughafens Notre-Dame-des-Landes in Westfrankreich in der Nähe von Nantes gestoppt worden.

Neben dem Thema Klima spielt bei der Entscheidung in Paris auch die Pandemie eine Rolle. Der bisherige Ausbauplan basierte auf Erwartungen, dass der Flugverkehr stark wachsen würde. Doch das weltweite Passagier-Aufkommen ging 2020 wegen der massiven Reisebeschränkungen um 66 Prozent zurück. Die weiteren Perspektiven sind unklar.

Gleichwohl will die Regierung in Paris auch für den Fall gerüstet sein, dass der Flugverkehr irgendwann nach der Pandemie wieder kräftig zulegen wird. Doch dieses Wachstum soll dann nicht für mehr Zuwachs bei Treibhausgasen sorgen.

Deshalb ist in Frankreichs Klimagesetz vorgesehen, dass auch andere Ausbaupläne an Flughäfen dahingehend geprüft werden, ob sie den Klimavorgaben entsprechen. Projekte, die schon grünes Licht bekommen haben, wie etwa die Erweiterung in Nizza und Marseille sollen dagegen wie geplant realisiert werden.

Das zweitgrößte deutsche Drehkreuz will schon lange eine dritte Bahn, wird sie aber vorerst wohl nicht bekommen. Foto: dpa
Das zweitgrößte deutsche Drehkreuz will schon lange eine dritte Bahn, wird sie aber vorerst wohl nicht bekommen. Foto: dpa
Der Flughafenbetreiber ADP muss seine Ausbaupläne für den Airport Charles de Gaulle überarbeiten und stärker auf den Klimaschutz ausrichten. Foto: dpa
Der Flughafenbetreiber ADP muss seine Ausbaupläne für den Airport Charles de Gaulle überarbeiten und stärker auf den Klimaschutz ausrichten. Foto: dpa