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Klimaschutz wird für Investoren immer bedeutsamer

·Lesedauer: 4 Min.

Legal & General, einer der weltweit größten Vermögensverwalter, erstellt ein Klimarating für 1000 Unternehmen. Öl- und Lebensmittelkonzerne stehen im Fokus.

Anleger achten wieder mehr auf Klimaschutz. Foto: dpa
Anleger achten wieder mehr auf Klimaschutz. Foto: dpa

Der Klimaschutz war jahrelang der wichtigste Aspekt des nachhaltigen Wirtschaftens – bis die Corona-Pandemie soziale Themen wie Gesundheit und Schutz der Mitarbeiter in den Vordergrund rückte. Einer Studie der Deutschen Bank zufolge stehen im dritten Quartal zudem Bildung sowie grüne Infrastruktur weit vorn auf der Nachhaltigkeitsagenda vieler Unternehmen und Investoren.

Der Klimaschutz folgt erst auf Rang vier. Doch Luke Templeman und Karthik Nagalingam von der Deutschen Bank warnen die Unternehmen davor, „zu selbstgefällig mit dem Klimawandel umzugehen, auch wenn die Pandemie das Leitthema für 2020 ist“.

Zwar sind im laufenden Jahr die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen aufgrund des Corona-bedingten Lockdowns der globalen Wirtschaft nach Schätzungen der UN um sechs Prozent gesunken. Doch das reicht nicht: Um das Ziel der Pariser Klimakonvention zu erreichen, den weltweiten Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssen die CO2-Emissionen um 7,6 Prozent gesenkt werden.

Die Chancen, das Ziel zu erreichen, haben sich in den vergangenen Monaten durchaus verbessert, sagt Meryam Omi. Bei Legal & General Investment Management (LGIM), mit 1,4 Billionen Euro einer der größten Vermögensverwalter weltweit, verantwortet sie die Nachhaltigkeitsstrategie. „Die Regulierung durch die Staaten wurde verschärft, und die Informationen über Klimaveränderungen sowie Klimasünder wurden ausgebaut.“ Damit habe sich die Verfügbarkeit von Daten deutlich verbessert.

LGIM startet deshalb auf der Basis quantitativer Daten als einer der ersten Asset-Manager weltweit ein Klimarating in Form einer Erhebung für 1000 Unternehmen in Schlüsselindustrien. Ein Ampelsystem soll Anlegern künftig Orientierung geben. Bei 500 Firmen weltweit geht Omi davon aus, dass die Ampel auf Rot stehen wird.

Auch deutsche Firmen sind in dieser Gruppe zu finden – etwa die Autohersteller. Insgesamt 60 Unternehmen schauen sich die Briten im Detail an. „Zu den Sorgenkindern zählt etwa der US-Energiekonzern Exxon Mobil“, sagt Omi. Bei der jüngsten Hauptversammlung in diesem Jahr hat LGIM gegen das Management gestimmt. Die Firma ist seit dem vergangenen Jahr nicht mehr auf der Kaufliste zu finden.

Subaru ist ein Positivbeispiel

Zwar habe sich Exxon bei den Klimazielen bewegt, doch dies reiche noch nicht aus. Zudem biete das Unternehmen zu wenig Informationen über die Verbesserungsziele. „Die Fortschritte waren aus unserer Sicht zu klein“, betont Omi. Zu den weiteren neun „Problemfirmen“ zählen etwa der Versicherer Met Life, die Japan Post Holdings und der russische Konzern Rosneft Oil. Auch das amerikanische Unternehmen Sysco, einer der größten Lebensmittellieferanten weltweit, wird zu den problematischen Firmen gezählt.

Zum Positiven entwickelt hat sich indes der japanische Autohersteller Subaru: Er wurde von der Liste der Nachzügler beim Klimawandel gestrichen. Die drei deutschen Autohersteller Volkswagen, Daimler und BMW schaut sich der Vermögensverwalter noch genauer an.

Auch andere gesetzliche Reformen infolge der Covid-19-Pandemie befördern offenbar Klimaschutzmaßnahmen. So habe etwa die Coronakrise die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich die EU-Staaten hinter den European Green Deal stellten, der zum Fundament des wirtschaftlichen Aufschwungs in Europa werden solle, sagt Arnaud Langlois, Portfoliomanager bei Lombard Odier Investment Managers. Er bezieht sich dabei auf den 750 Milliarden Euro schweren Aufbaufonds der Europäischen Union (EU). Um auf diesen Fonds zurückgreifen zu können, müssen die Mitgliedstaaten zum ökologischen und digitalen Wandel in der EU beitragen.

Aber auch bei Großinvestoren wie etwa Pensionsfonds tut sich einiges. Der 3,5 Billionen Pfund schwere Stiftungsfonds der Universität Cambridge etwa hat versprochen, bis 2030 alle Investments auszusortieren, die mit der Ölindustrie zu tun haben. Gleichzeitig will die Stiftung bis 2038 nur noch Geld in Unternehmen anlegen, die keine schädlichen Emissionen verursachen.

Die Deutsche Bank erwartet, dass das Beispiel Schule machen wird. Aktuell haben sich zudem 30 der weltweit größten Investoren mit einem Vermögen von fünf Billionen Dollar auf konkrete Ziele „zur Dekarbonisierung des Portfolios geeinigt“. Sie sind Teil der von den Vereinten Nationen gestarteten Net-Zero-Asset-Alliance.

Dass die drei Nachhaltigkeitsbereiche Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) auch in der Finanzwelt immer mehr an Bedeutung gewinnen, zeigt etwa eine Umfrage aus dem ZEW-Finanzmarkttest, an dem sich rund 150 Finanzmarktexperten aus Deutschland beteiligten. „Rund 59 Prozent sehen für ESG-Anlageprodukte ein größeres Marktpotenzial als für konventionelle Anlagen“, schreiben die Wirtschaftsforscher des ZEW. Wenn allerdings Privatanleger in nachhaltige Anlagen investieren wollen, wird es schwierig. Lediglich sieben Prozent der Befragten geben an, dass sie einen Ansprechpartner für nachhaltige Kapitalanlagen kennen.