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Wie Klarna für Firmen: Warum nimmt Mondu einen 30-Millionen-Kredit auf?

Philipp Povel ist 41, Seriengründer, Investor und Co-CEO des B2B-Fintechs Mondu. - Copyright: Mondu / Getty Images / Collage: Dominik Schmitt für Gründerszene
Philipp Povel ist 41, Seriengründer, Investor und Co-CEO des B2B-Fintechs Mondu. - Copyright: Mondu / Getty Images / Collage: Dominik Schmitt für Gründerszene

120 Millionen Euro in zweieinhalb Jahren – so viel Eigen- und Fremdkapital ist bisher insgesamt in das deutsche Fintech Mondu geflossen. Zur Bewertung des Startups sagt Philipp Povel, Co-CEO, nur so viel: „Wir Founder halten mehr als 50 Prozent am Unternehmen.“ Das bedeute auch: „Wir entscheiden, was hier los ist.“

Jetzt haben sich Povel und seine Mitgründer, Malte Huffmann und Gil Danziger, für ein 30-Millionen-Euro-Darlehen von der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank (VVRB) entschieden. Damit erweitert das Startup eine 20-Millionen-Euro-Fremdkapitalspritze von der VVRB aus dem Vorjahr. „Und das wird sicherlich nicht unsere letzte Runde sein“, sagt der Co-CEO: „Ich denke, dass wir jährlich solche Millionen-Deals bekannt geben werden.“ Mit einer signifikanten Tendenz nach oben.

Das Startup ist nicht das Einzige, das in den vergangenen Wochen eine Fremdkapital-Finanzierung verkündet hat: auch das Solar-Einhorn 1Komma5° und das Kreditkarten-Fintech Pliant haben zum Jahreswechsel jeweils den Erhalt von Multi-Millionen-Euro-Krediten verkündet.

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Wann macht Fremdkapital für Startups mehr Sinn als Eigenkapital? Das erklärt Mondu-Mitgründer Philipp Povel am Beispiel seines Fintechs.

Mondu-Rechnungskauf: Wie Klarna, nur für Firmen?

Mondu bietet eine „Buy now, pay later“-Lösung (BNPL) für Unternehmen. So wie das Klarna – lange das wertvollste Startup Europas – für Privatkunden macht. Firmenkunden können online ihre Ware bei Mondu-Partnern wie dem Elektronik-Händler Notebooksbilliger.de aufstocken und später bezahlen. Die Rechnung übernimmt für einen Zeitraum zwischen 30 und 90 Tagen Mondu. Damit können Unternehmen Ware einkaufen, wieder verkaufen – und dann erst bezahlen.

Smooth wie eine B2C-Einkaufsoberfläche: so sieht der B2B-Checkout mit Mondu aus.  - Copyright: Mondu
Smooth wie eine B2C-Einkaufsoberfläche: so sieht der B2B-Checkout mit Mondu aus. - Copyright: Mondu

„Wenn man heutzutage ein Unternehmen fragt: Wie wollt ihr bezahlen? Dann werden 95 Prozent sagen: mit Zahlungszielen“, ist Philipp Povel überzeigt. Wer das nicht anbieten könne, büße in puncto Konvertierung ein. Ein Mondu-Partner aus dem Lebensmittelgroßhandel habe dank BNPL-Zahlungsoption seinen Kundenstamm etwa um 20 Prozent vergrößert, heißt es auf der Unternehmenswebsite.

Mondus direkte Konkurrenten im „Buy now, pay later“-Business auf B2B-Seite sind die Startups Billie und Topi. Beide Fintechs kommen, wie Mondu, aus Berlin.

Philipp Povel und Malte Huffmann arbeiten seit 2009 zusammen, kennen sich seit 16 Jahren. Vor Mondu haben sie gemeinsam ein anderes Startup geführt und groß gemacht: Mit zwei weiteren Foundern starteten sie 2010 in Brasilien den Online-Mode-Händler Dafiti nach dem Vorbild von Zalando. Darüber steht das inzwischen börsennotierte Rocket Internet-Mutterschiff Global Fashion Group. "Wir hatten Lust auf ein Abenteuer", sagt Povel, der Deutsch-Brasilianer ist. Brasilien sei damals einfach en vogue gewesen: Das Land zierte 2009 das Cover des Economist, Titelzeile: „Brazil takes off“.

2021 kehrten Povel und Huffmann nach Berlin zurück: nach elf Jahren bei Dafiti, elf Jahren E-Commerce, elf Jahren gemeinsame Führungserfahrung. Die Global Fashion Group notierte damals an der Börse mit einer 2,4 Milliarden-Euro-Bewertung – und die Berliner Gründerszene spekulierte, was wohl das nächste Projekt der beiden Erfolgsfounder sein würde.

Kein Wunder, dass die Unternehmer mit ihrem zweiten Projekt direkt große Investoren anlockten: Seed-Investoren waren Ende 2021 Cherry Ventures aus Deutschland und der US-Fintech-Spezialist Fintech Collective. Sie gaben Mondu 14 Millionen US-Dollar, drei Monate nach der Gründung. In der Series A kam Valar Ventures dazu, der Fonds von US-Star-Investor Peter Thiel. Insgesamt flossen rund 40 Millionen Euro (43 Millionen US-Dollar) in Mondu. "Das sind die drei großen VCs, die wir haben. Und dann haben wir noch einige Angels", summiert der Founder seinen Cap Table. Bekannte Business Angels sind der N26-Finanzchef Jan Kemper sowie die beiden Zalando-Gründer David Schneider und Robert Gentz. Darüber hinaus beteiligt sich der Gründer des Fracht-Startups Forto, Michael Wax, ebenso wie der Google-Entwickler und frühere Rocket-Internet-CMO Arthur Gerigk.

Warum setzt das Fintech auf Fremd- statt auf Eigenkapital?

2022 verkündete Mondu seinen ersten 20-Millionen-Kredit der VVRBank, der jetzt erweitert worden ist. Warum setzt das Startup auf Fremd- statt auf Eigenkapital? „Wir nutzen dieses Darlehen nicht dafür, um unser Tagesgeschäft oder ein negatives EBIT zu finanzieren, sondern das ist ein Darlehen in unserer Kreditbank“, erklärt Philipp Povel. So optimiert das Startup seine Kapitalkosten. Voraussetzung ist, die Rendite seines BNPL-Portfolios ist höher als die Kosten, die für den Kredit anfallen.

Malte Huffmann, 41, Gil Danzinger und Philipp Povel (v.l.n.r.) haben im August 2021 Mondu gegründet. - Copyright: Mondu
Malte Huffmann, 41, Gil Danzinger und Philipp Povel (v.l.n.r.) haben im August 2021 Mondu gegründet. - Copyright: Mondu

„Wenn wir das ausschließlich über Eigenkapital machen würden, dann müssten wir Hunderte von Millionen Euro raisen“, ergänzt Povel – und vergleicht sein Startup mit einer Bank: „Eine Bank hat zum Beispiel auch eine Einlage oder eine Finanzierung über die EZB – das ist eigentlich nichts anderes, was wir auch machen.“ Kein Investor würde mehrere Milliarden in ein Startup investieren, das damit Kredite vergibt, ist sich Povel sicher. Rein über Equity könne ein Zahlungsdienstleister wie Mondu gar nicht wachsen, sagt Povel. Weitere Kunden aufzunehmen – das ginge nur über Darlehen.

Darlehen für Startups: Wie funktioniert das?

Wie bekommt man ein solches Millionen-Darlehen? Das sei etwas anderes, als bei einer klassischen Finanzierungsrunde bei VCs zu raisen, sagt der Fintech-CEO: „Wenn ich eine Firma pitche, pitche ich die Erfolgsaussichten des Equity. Hier pitche ich die Erfolgsaussichten meines Kreditbuchs, meines Portfolios.“

Mondu müsse andere Dinge nachweisen: „Wie divers ist mein Kundenstamm? Wie wahrscheinlich sind die Erfolgsaussichten meines Kreditbuchs? Wie hoch ist meine Rendite?“ Dazu muss Mondu vor allem seine Kunden genau im Blick haben. „Das ist deutlich datengetriebener als eine Seed-Runde oder einer Series A“, summiert der Co-CEO.

Entsprechend gehört das Kredit-Team bei Mondu zu den größten Units des Unternehmens: „Dort wird entschieden, welche Kunden kreditwürdig sind, welchen Kunden wir welche Zahlungsziele anbieten“, sagt Povel, „das Thema Risk-Management ist eines der größten bei uns“.

Das Fintech verspricht Kreditgebern eine Art doppelten Boden

Es ist dieses sorgfältig kontrollierte Kredit-Portfolio, das Mondu zu einem interessanten Partner für Banken machen soll, sagt Povel: „Das ist sehr attraktiv, weil dieses Investment mit einer gewissen Rendite kommt. Die Banken haben durch die Fremdkapital-Finanzierungen Teil an unserer Rendite. Und diese Rendite ist letztlich garantiert durch unser Kreditbuch, das stark diversifiziert ist. Das sind Tausende Kunde, die da dahinterstecken“ – selbst, sollte Mondu als Schuldner ausfallen. Entsprechend sicher ist sich der Co-CEO, dass Mondu in den kommenden Jahren weitere Millionen-Darlehen aufnehmen können wird.

Darlehen können für Startups auch ein ernst zu nehmendes Risiko bedeuten: Gründerszene hat kürzlich über Instrafreight berichtet, ein Speditions-Startup, das wegen eines Kredits Insolvenz anmelden musste. Das Stichwort lautete „bilanzielle Überschuldung“: 2022 hatte das Startup eine Finanzierungsrunde abgeschlossen und erhielt 40 Millionen Euro. Die Runde wurde angeführt von Heliad und der Europäischen Investitionsbank (EIB) – letztere steuerte Fremdkapital in Form eines Darlehens bei. Ein Problem nach Paragraf 19, Absatz zwei der Insolvenzordnung: Der schreibt vor, dass Firmen, die ein Darlehen erhalten haben, mindestens 12 Monate durchfinanziert sein müssen – sonst liegt eine Überschuldung vor und das Unternehmen muss Insolvenz anmelden.

Ein Risiko auch für Mondu? „Nein, das Insolvenzrisiko erhöht sich bei uns nicht“, sagt Philipp Povel klar. Das Darlehen sei „collaterized“, werde von mehreren Schultern gestemmt: „Da steckt, durch unser Kreditbuch, unser Kunden-Portfolio, eine Sicherheit dahinter. Das heißt, selbst wenn es Mondo nicht gäbe, besteht immer noch eine Forderung gegenüber diesen Kunden."