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Keine temporäre Schließung: Flughafen Tegel bleibt bis November in Betrieb

Der Flughafen sollte am 15. Juni den Betrieb einstellen. Doch aufgrund der Aufhebung der internationalen Reisewarnung werden Kapazitäten gebraucht.

Der Berliner Flughafen Tegel bleibt am Netz. Foto: dpa

In Berlin ist es weder leicht, einen Flughafen zu eröffnen, noch einen zu schließen. Die Berliner Flughafengesellschaft (FBB) hat ihren Antrag auf eine temporäre Schließung des Westberliner Flughafens Tegel zurückgezogen. Tegel wird gebraucht, bis der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet wird. Das kündigte FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup am Mittwochnachmittag in Berlin an.

„Über die Sommermonate wird der Flugbetrieb stetig ansteigen“, sagte Lütke Daldrup. Auf Basis der gelockerten Reise- und Quarantänebestimmungen hätten mehrere Airlines angekündigt, ab Mitte Juni einen zunächst noch reduzierten Flugverkehr wiederaufzunehmen und vor allem Ferienziele anzusteuern.

Zuvor hatte die Bundesregierung angekündigt, die bisher bestehenden strikten Reisebeschränkungen ab Mitte des Monats weitgehend aufzuheben. Damit ist freier Reiseverkehr in viele europäische Länder ab Mitte Juni wieder möglich.

Sowohl Schönefeld als auch Tegel werden gebraucht

„Ende Juli haben wir wahrscheinlich wieder so viele reguläre Flüge, dass für die Abfertigung unter Corona-Bedingungen beide Flughäfen gebraucht werden“, erklärte Lütke Daldrup. Dass die Erholung nun so schnell starte, sei erhofft, aber bis vor Kurzem nicht erwartet worden. Die prognostizierten täglichen Passagierzahlen würden mit fast 20.000 Passagieren Ende Juli noch weit unter den Vorjahreswerten liegen.

Aber die gesamte Abfertigung, vor allem die Sicherheitschecks, bräuchten unter den neuen Bedingungen deutlich mehr Platz. Um diesen Platz bis zur Inbetriebnahme des BER verlässlich vorhalten zu können, sollen Tegel und Schönefeld bis Ende Oktober parallel in Betrieb bleiben.

Eigentlich sollte Tegel am 15. Juni zumindest temporär schließen. Aufgrund der Coronakrise war der Flugverkehr weltweit fast vollständig zum Erliegen gekommen, auch in Deutschland. Noch im Mai waren an den beiden Berliner Flughäfen - Tegel und Schönefeld - nur zwei Prozent des sonst üblichen Flugverkehrs abgewickelt worden. Zu wenig, um den Betrieb wirtschaftlich aufrechtzuerhalten.

Deswegen hatten sich die Eigentümer nach einigem Hin und Her darauf geeinigt, einen Antrag für eine zweimonatige Schließung zu stellen und damit täglich rund 200.000 Euro zu sparen. Der übrig gebliebene Flugverkehr hätte leicht komplett am alten Ostberliner Flughafen Schönefeld abgewickelt werden können. Der BER grenzt direkt an den Schönefelder Flughafen und wird nach Eröffnung dessen südliche Start- und Landebahn nutzen. Wäre die Zahl der Reisenden weiterhin so niedrig geblieben, wäre Tegel wahrscheinlich nicht mehr in Betrieb genommen worden.

Tegel wird am 8. November verabschiedet

Nach den neuesten Planungen soll Tegel nun am 8. November verabschiedet werden. „Das wird ein emotionaler Moment“, sagte Lütke Daldrup. Man habe dem Flughafen viel zu verdanken. Der beliebte Westberliner Flughafen ist allerdings seit Jahren vom Verkehrsaufkommen völlig überlastet und ein einziges Provisorium. Bereits 2012 hätte er, nach der ursprünglich geplanten Eröffnung des BER, schließen sollen.

Der BER bekam aufgrund gravierender Bau- und Funktionsmängel jedoch keine Betriebserlaubnis. Stattdessen musste der Flugbetrieb vor allem in Tegel weitergehen. Schönefeld wickelte lange nur einen Bruchteil des Hauptstadt-Flugverkehrs ab. Beliebt wie Tegel mit seinem markanten sechseckigen Hauptterminal war er nie - auch, weil er weiter draußen liegt. Für den BER liegen inzwischen alle Genehmigungen vor. Lütke Daldrup bekräftigte am Mittwoch noch einmal, dass er Ende Oktober an den Start gehen werde.

Zu den Airlines, die ihren Flugbetrieb jetzt schrittweise aufnehmen, gehört die britische Fluglinie Easyjet, die in Berlin ihren größten Standort außerhalb von Großbritannien hat und Marktführer in der Hauptstadtregion ist. Ende Juni soll es wieder losgehen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Ende Juli werden dann noch mehr Flüge erwartet. Ryanair plant, den Flugbetrieb ab 21. Juni aufzustocken. Auch Turkish Airlines, Wizz Air, KLM, Air France und Qatar Airways haben entsprechende Pläne. Die Lufthansa will mit ihren Tochtergesellschaften Eurowings, Swiss und Austrian im Juli ab Berlin mehr Flüge anbieten.