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Keine Grüppchen, bitte! Londons schwierige Rückkehr ins Büro

·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Mit einer Flut von Wiedereröffnungen hat die City of London in den letzten Wochen das Ende des Lockdowns beworben. Die ersten Veranstaltungen erwecken den Eindruck, dass es noch ein langer Weg sein wird, bis die Geschäftigkeit, die vormals das Lebenselixier des Finanzplatzes war, zurück kommt.

HSBC Holdings Plc teilte den wenigen Aktionären, die an der Jahreshauptversammlung im Zentrum Londons im letzten Monat physisch teilnehmen durften, im Vorfeld mit, dass keine Erfrischungen gereicht würden und von Grüppchenbildung bitte abzusehen sei.

Ein Teilnehmer eines kürzlich von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft veranstalteten Abendessens, der anonym bleiben will, berichtete, der Abend habe mit Covid-Tests begonnen, bevor man sich auf den zwei Meter voneinander entfernten Sitzplätzen niederlassen durfte. Das Essen stand bereits auf den Tischen, zusammen mit Weinflaschen, aus denen die Gäste sich selbst bedienen konnten. Auf Kellner wurde verzichtet.Zwar zeigen diese ersten Treffen, dass sich etwas tut. Sie sind jedoch genauso eine unangenehme Mahnung, dass die Dinge trotz Wiedereröffnungen nicht wieder so sind wie vorher. Die engen Gassen und die geringe Zahl ansässiger Bewohner rauben der City die Möglichkeit des Essens im Freien und von Fußgängerströmen zu profitieren, die anderen Teilen der Hauptstadt wieder Leben einhauchen. Doch mehr Angestellte dürften bald ins Büro zurückkehren – wenn die britischen Gesundheitsbehörden nicht umschwenken.

Wie schnell die Rückkehr zu „Business-as-usual” vollzogen wird - wenn das überhaupt machbar ist - hat große Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung Londons, die von der City getragen wird. Früher kamen pro Arbeitstag eine halbe Million Pendler in den Londoner Stadtteil. Tausende von Unternehmen, von Restaurants bis Anzugverkäufern, lebten von ihnen.

Die meisten werden es schwer haben, solange der vormalige Strom nach drei nationalen Lockdowns nur ein Rinnsal von Rückkehrern ist. Das Fußgängeraufkommen in den Londoner Hauptniederlassungen von Banken wie Goldman Sachs Group Inc. oder JPMorgan Chase & Co. lag bis Mitte Mai bei weniger als einem Viertel des Stands vor der Pandemie, so eine Analyse von Orbital Insight.

In den Zentralen britischer Häuser wie HSBC ist es noch ruhiger - und womöglich dauerhaft. Standard Chartered Plc hat mittlerweile für die meisten seiner Mitarbeiter flexible Arbeitsregelungen formalisiert. NatWest Group Plc erwartet, dass nach der Pandemie nur 13% ihrer Mitarbeiter überwiegend vom Büro aus arbeiten werden.

Büroalltag

Für diejenigen, die zurückkehren, wird das normale Büroleben nun durch Covid-Tests und Gesichtsmasken bestimmt. Änderungen wie berührungslose Aufzüge und flexible Besprechungsräume werden in den Gebäuden in der ganzen Stadt eingeführt. Solange Abstandsregeln gelten, scheint es jedoch kaum möglich, wieder mit allen Kollegen das Büro zu teilen.

Auch das Angebot der Londoner U-Bahn liegt auf wichtigen Pendlerstrecken noch weit unter dem Vorkrisenniveau.

Obgleich auch Hauptversammlungen nach neuen Regeln ablaufen, konnten selbst sozial distanzierte Zusammenkünfte sich ihre bisweilen anarchischen Züge von vor der Pandemie bewahren. Beim Anlegertreffen der Lloyds Banking Group Plc in Edinburgh im vergangenen Monat, zu dem einige Investoren zugelassen waren, störte ein Aktionär die Versammlung etwa eine Viertelstunde lang, bis Sicherheitskräfte ihn aus dem Gebäude entfernten.

„Lassen Sie mich los, Sie sind mir zu nah“, schrie der Investor, als er aus dem Saal gedrängt wurde.

Lord Mayor

Der Lord Mayor von London, traditionell ein Botschafter der City im Jet-Set-Modus, hat bereits diverse wiedereröffnete Veranstaltungsorte besucht, um für die Rückkehr ins Büro zu werben, obwohl er erwartet, dass eine normale Arbeitswoche nun anders aussehen wird.

„Freitage dürften ruhig werden, weil alle Dienstag bis Donnerstag ins Büro wollen, aber ich denke, in 12 Monaten werden mehr Leute zurück im Büro sein, als wir derzeit glauben“, sagte William Russell während einer seiner Besuchsrunden, auf denen er täglich diverse Covid-Tests durchführt, um die Leistungsfähigkeit der Veranstaltungsorte zu demonstrieren. „Es wird ein langsamer Prozess, aber ich bin zuversichtlich, denn am Ende des Tages wollen die Leute unter Menschen sein.“

Die dichte Bebauung der City macht es für viele schwierig, Außengastronomie im Einklang mit den aktuellen Covid-Regeln anzubieten. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren bis zum 2. Juni nur acht Anträge für die kostenlosen „Gehsteig-Lizenzen“ eingegangen.

Für diejenigen, die Platz an der frischen Luft haben, erschwerte Londons Wetter die Wiedereröffnung. „Ich dachte mir so: natürlich schneit es, also öffnen wir die Terrasse“, sagte Julie Blay von Fortnum & Mason, als im April die Bar und das Restaurant des Lebensmittelhändlers an der Royal Exchange den Betrieb im Freien eröffneten.

Blay bereitet sich auch darauf vor, dass Mittwoch der neue Freitag wird zum Essen gehen. Reservierungen sollten zunehmen, da Firmen wie JPMorgan Chase und Goldman Sachs in den kommenden Wochen ihre Mitarbeiter in die City zurückrufen. Die britische Regierung wird in Kürze bekannt geben, ob die Beschränkungen am 21. Juni - wie derzeit geplant - tatsächlich vollständig aufgehoben werden. Schließlich gibt es Bedenken hinsichtlich zunehmender Fälle neuer Covid-Varianten.

Buffets

Selbst dann könnte sich Essen und Geselligkeit auf Büros konzentrieren statt auf Restaurants - bloß ohne Buffet. Laut Dominic Blakemore, Vorstandschef des Caterers Compass Group Plc., wird Bewirtung stattdessen auf individuell verpackte Portionen ausgelegt.

„Aufgrund der Vorschriften zu Gesundheit und Sicherheit geht es darum, Mahlzeiten, Lunchboxen oder ähnliches so anzurichten, dass echtes Hygienegefühl herrscht beim Essen“, sagte er. „Wir glauben immer noch, dass viele Menschen weniger Lust haben werden, im Restaurant zu sitzen und stattdessen mehr Veranstaltungen im Büro durchgeführt werden.“

Doch egal, welche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, manchen Gewohnheiten ist schwer beizukommen.

Bei der Veranstaltung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft standen nach den Reden und mehreren sorgsam unter Abstandsregeln konsumierten Gängen die etwa 20 Teilnehmer auf, um einander die Hand zu schütteln – soziale Distanzierung wich englischer Höflichkeit.

Überschrift des Artikels im Original:No Mingling: London’s Slow and Awkward Return to the Office

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