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Kein Sommermärchen bei der Bahn

·Lesedauer: 3 Min.

Berlin (dpa) - So wie Deutschland über viele Millionen Bundestrainer verfügt, gibt es auch mehr als 80 Millionen Bahnexperten: Kaum jemand, der nicht mutmaßt, was bei der Bahn schief läuft und wie es besser laufen sollte. Anhören müssen sich das oft die Mitarbeiter.

Doch auch sie hatten es in den vergangenen Monaten nicht einfach, mit Streiks, der Flutkatastrophe, Corona. Der Regisseur Sönke Wortmann baut sie nun auf - mit Videos aus dem Innenleben des Konzerns.

Rattern, rauschen und klingeln, pfeifen, zischen, quietschen und surren - die Bahn macht viele Geräusche. Mit vielen Facetten Bahnlärm begrüßt der Film «Das sind wir» die Zuschauer. Alles andere als geräuschlos war auch für den Konzern mit mehr als 217.000 Beschäftigten allein in Deutschland das Jahr. Die «Reise ins Herz der Bahn» soll das zeigen.

Reiseleiter ist nah dran

Wortmann wurde als Reiseleiter ausgewählt, weil er mit dem «Sommermärchen»-Dokumentarfilm 2006 nah dran war an der deutschen Elf bei der Fußball-WM. Er hat Videos zusammengefügt, die die Mitarbeiter selbst gemacht haben. «Es ist ein sehr gefühlvoller Film», meint Wortmann zu seinem Werk - nur eine Viertelstunde lang und doch drei mal so lang wie eigentlich geplant.

Die Bahn muss ihre Leute bei Laune halten. Ohne sie ist die geplante Verdoppelung der Fahrgastzahlen nicht zu machen. Tausende neue Leute sollen eingestellt werden, dieses und nächstes Jahr soll die Belegschaft um je 2000 Menschen wachsen. «In anderen Branchen haben die Unternehmen massenweise Angestellte entlassen oder in Kurzarbeit geschickt», hob der Verein Allianz pro Schiene am Mittwoch hervor. Eisenbahn-Arbeitsplätze aber seien auch in stürmischen Zeiten sicher.

Mehr als 500 Bahn-Beschäftigte haben ihre Arbeitsplätze gefilmt. Sie zeigen Züge, Landschaften, beeindruckende Brücken, lächelnde Bahn-Leute. Und einen Zugbegleiter, der das Maske-Anlegen vormacht, als sei es das Aufziehen der Sauerstoffmaske im Flugzeug.

Seltene Einblicke

Der Film gibt auch Einblicke, die Fahrgäste nicht haben: in Home-Offices, Werkstätten, die Fahrplandruckerei, ein Container-Terminal und auf Umwelt-Mitarbeiter beim Eichhörnchen-Füttern. Deutlich wird: Es gibt nicht nur Lokführer und Zugbegleiter. Menschen arbeiten in 500 Berufsfeldern beim größten deutschen Staatskonzern.

Dass dieser an vielen Stellen ein Sanierungsfall ist, wird nicht unterschlagen. Handy-Kameras wackeln vorbei an altertümlichen Stellwerken und an Baustellen. Zu sehen sind einsame Rangiergleise, Graffiti, überfüllte Wagen, defekte Türen.

Schlamm und Unrat auf Gleisen, die aus ihrem Bett gerissen wurden - das sind die Mitarbeiter-Videos vom Juli, zerstörte Bahnanlagen nach der Flutkatastrophe. Eine S-Bahn-Aufsicht im fernen Berlin sagt: «Auch das rocken wir.» Der Wiederaufbau aber wird Jahre dauern, auch wenn der erste Streckenabschnitt im Ahrtal inzwischen wieder freigegeben wurde.

Zu sehen sind die Streiks im Sommer. Eine Stelltafel übersät mit Ausdrucken und handschriftlichen Hinweisen für die Fahrgäste, protestierende Lokführer vor der Konzernzentrale, stehende Züge. Der Konkurrenzkampf der beiden Gewerkschaften sorgte für Zwist in den Betrieben bis hin zu Beleidigungen und Drohungen. Jetzt wird das «Team DB» beschworen wie früher die «Eisenbahnerfamilie».

All das ist unterlegt mit sanften Gitarrenklängen. Dazu tuckert auch die Inselbahn Wangerooge mit Tempo 20 durch die Salzwiesen am Wattenmeer. Der Lokführer ruft, als sei nichts gewesen: «Moin, ihr Landratten.»

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