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„Ich kaufe, wenn die Aktien keiner haben will“: Dieser Beamte will pro Jahr 120.000 Dollar an Dividenden kassieren — das ist seine Strategie

·Lesedauer: 5 Min.
Benjamin Offenberger bloggt unter dem Namen „Beamteninvestor“ über Börse, Aktien und Co.
Benjamin Offenberger bloggt unter dem Namen „Beamteninvestor“ über Börse, Aktien und Co.

Beamte haben einen sicheren Job, verdienen ein solides Gehalt, die Pension ist üppig, Geldanlage und private Altersvorsorge werden nicht gebraucht. So würden die meisten Beamten denken, sagt Benjamin Offenberger im Gespräch mit Business Insider. Der 38-Jährige ist ein verbeamteter Amtsleiter in einer Kommune in Baden-Württemberg und hat es sich zur Aufgabe gemacht, neben seinem Job Menschen im öffentlichen Dienst zu überzeugen, dass dies nicht richtig sei und man fürs Alter vorsorgen sollte.

Auf seinem Blog „Beamteninvestor“ berichtet Offenberger regelmäßig über Aktien, Börse und alles rund ums Thema Geldanlage. „Ich denke, dass nicht nur in der Rente immer mehr gekürzt wird, sondern auch bei der Pension“, sagt Offenberger. Er geht davon aus, dass er in 30 Jahren keine gute Altersvorsorge bekommen werde. „Wo soll das Geld denn herkommen?“, fragt sich Offenberger.

Offenberger verdient 4.500 Euro netto im Monat

Sich mit dem Thema Geld auseinanderzusetzen, war für den Beamten schon in jungen Jahren wichtig. Er war der erste in seiner Familie, der studiert hat, erzählt der 38-Jährige. „Mein Vater war Handwerker und hätte wahrscheinlich lieber gesehen, dass ich auch Handwerker werde“, sagt Offenberger.

Eigentlich wollte er Politikwissenschaften studieren, konnte es aber nicht finanzieren, wie er sagt. Deswegen sei er auf den gehobenen Verwaltungsdienst gekommen, weil man bei diesem dualen Studium schon während der Ausbildung 840 Euro im Monat verdient. „Bei der Auswahl meines Studiums hat sich das halt angeboten“, sagt Offenberger. Seinen Traum konnte er sich dann später im Berufsleben erfüllen. „Da habe ich an der Fernuni Hagen einen Master in Politikwissenschaften nebenberuflich gemacht und konnte so in meinem Job auch aufsteigen.“

Heute kümmert er sich als Amtsleiter unter anderem um das Ordnungsamt, Personal und Kindergärten. „Die Verantwortung ist groß, ich bin für einige Mitarbeiter zuständig und verwalte auch ein großes Budget.“ Mit seinem Job verdient er 4.500 Euro netto im Monat.

Seit 2016 investiert er vor allem in Dividendenaktien

Seit rund neun Jahren legt er sein Geld an der Börse an. „Relativ spät“, wie er selber sagt. „Das Thema Finanzen und Vermögensanlage war bei uns zuhause nie ein Thema.“ Mit seinem dreijährigen Sohn will er es anders machen: "Das Zweite, was ich nach der Geburtsurkunde für mein Kind beantragt habe, war eine Depoteröffnung", erzählt Offenberger. Bereits mit 14 Tagen wurde sein Kind Aktionär, wie er stolz sagt.

Er selbst kam erst 2012 im Alter von 29 Jahren zum ersten Mal mit der Börse in Berührung. Eigentlich wollten er und seine Frau sich ein Haus bauen, doch es wurde ihnen zu viel, sie stellten es erstmal hinten an. „Da war zum ersten Mal gut Geld auf dem Konto“, sagt Offenberger. „Dann habe ich mir Gedanken gemacht, was man mit dem Geld machen kann.“ Um sich zu informieren, kaufte er sich das Buch „Börse leicht verständlich“. „Es ist aber erstmal schön im Buchregal gelandet“, erzählt er. Irgendwann hätte er es dann doch gelesen und dann habe ihn das Thema gepackt. Daraufhin bestellte er sich das Buch "Souverän investieren für Einsteiger" von Gerd Kommer, welches „mittlerweile jeder kennt“, wie Offenberger sagt. Das hätte er dann gelesen und sich Kommers Musterdepot 1:1 nachgebaut.

Bis zum Jahr 2016 verfolgte er dessen ETF-Strategie. Offenberger lernte immer mehr über Aktien dazu und wollte dann selbstständiger investieren. Er stieg auf Einzelaktien um und fokussierte sich dabei überwiegend auf Dividendentitel.

Rund 75 Prozent seines gesamten Depots bestehen nun aus Dividendenaktien, der Rest sind Wachstumswerte. Sein gesamtes Depot ist aktuell rund 470.000 Euro wert. Den größten Anteil hat der Tabakhersteller Altria mit 5,3 Prozent, also knapp 24.800 Euro. Es folgen das Telekommunikationsunternehmen AT&T mit etwa 22.700 Euro, der Tabakhersteller Imperial Brand mit 20.400 Euro und der Zahlungsdienstleister Mastercard mit 20.100 Euro. Auf Tabakhersteller setzt Offenberger, weil er überzeugt ist, dass Menschen immer rauchen werden. Er selbst tue es nicht.

Zu seinen größten Dividendenaktien zählten unter anderem Finanzdienstleister wie Hercules Capital, Main Street Capital und Gladstone Capital, die darauf spezialisiert sind, Eigenkapital und Fremdkapital für Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Die einzelnen Dividenden betragen Offenberger zufolge in manchen Quartalen fast 300 Euro. Im Schnitt kassiert er 1.000 Euro pro Monat an Dividenden. Bisher hat er auch jeden Euro reinvestiert, wie er selber sagt.

„Ich kaufe, wenn die Aktien keiner haben will“

Bei der Auswahl der Dividendenaktien schaut er vor allem auf die Dividendenkontinuität. "Für mich sind Unternehmen uninteressant, die mal eine Dividende zahlen, im nächsten Jahr dann gar keine oder wenn sie gekürzt oder nicht erhöht wird", sagt der Kleinanleger. Deshalb investiere er auch weniger in Deutschland. "Hier sind viele Unternehmen in zyklischen Sektoren tätig. Da schwankt die Dividende gerne mal."

Zudem sei ihm wichtig, dass die Dividende dauerhaft überwiesen werden könne, dass sie nicht auf „Pump“ gezahlt werde und dass die Ausschüttungsquote im Rahmen sei. Er versucht dann zu kaufen, wenn der Kurs auf einem „attraktiven Niveau“ liegt. „Gerne dann, wenn die Aktien sonst gerade keiner haben will.“

Sein „absolutes Ziel" sei es, dass er von jeder Dividendenaktie, die er im Depot hat, eine Jahresdividende von 2.000 Dollar brutto (umgerechnet knapp 1.700 Euro) bekäme. Das wären 120.000 Dollar (umgerechnet rund 101.000 Euro) im Jahr. Er kauft so lange Aktien eines Unternehmens nach, bis die Dividenden von 2.000 Dollar erreicht sind. „Wenn diese Position voll ist, kaufe ich nicht mehr nach.“ Ihm sei klar, dass das bei einzelnen Titeln utopisch sei, aber man wisse auch nicht, wie sich das entwickelt, meint Offenberger.

Ein konkretes Ziel, was er mit dem Geld machen will, hat er nicht. Er wünscht sich aber, dass er im Alter von 50 Jahren mit den Dividenden genau so viel verdienen kann wie mit seinem regulären Job. Damit er in diesem Moment sagen könnte: Wenn ich will, höre ich auf. „Was nicht heißt, dass ich das will", sagt Offenberger: "Ich mag meinen Job sehr gerne. Aber ich will diese Freiheit haben.“

Wenn ihr mir auch erzählen möchtet, was ihr beruflich macht, wie viel ihr verdient und wie ihr investiert, schreibt mir an leo.ginsburg@businessinsider.de.

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