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Jobdaten befeuern US-Börsen – Dow Jones mehr als drei Prozent im Plus

Die positive Entwicklung der US-Arbeitslosenzahlen hat die Rally an den US-Börsen gestützt. Anleger griffen vor allem zu Finanzwerten.

In der berühmten Straße befindet sich der Sitz der New York Stock Exchange. Foto: dpa

Mit überraschendem Rückenwind vom Arbeitsmarkt ist die Rally an den US-Börsen weiter gegangen. Der Dow-Jones-Index kletterte am Freitag erstmals seit Anfang März wieder über 27.000 Punkte, die Nasdaq kletterte zwischenzeitlich gar über ihren Allzeithoch-Schlusskurs vom Februar.

Trotz der anhaltenden Folgen der Viruskrise wurden in den USA im Mai rund 2,5 Millionen Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. "Die völlige Überraschung", kommentierten die Analysten der NordLB die Zahlen. Ökonomen hatten mit einem Abbau von acht Millionen Stellen gerechnet.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 3,2 Prozent höher auf 27.110 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 2,1 Prozent auf 9814 Zähler vor. Im Zuge der Virus-Sorgen war der Index Mitte März noch bis auf 6631 Stellen abgesackt. Der breit gefasste S & P 500 legte 2,6 Prozent auf 3193 Zähler zu. In dieser Woche legte der Dow damit knapp sieben Prozent zu, der S & P fünf und die Nasdaq rund 3,5 Prozent.

Die Arbeitslosenquote sank überraschend auf 13,3 Prozent von 14,7 Prozent. "Dies ist ein ungeheuer positiver Schritt in die richtige Richtung und deutet wahrscheinlich auf eine schnellere Erholung hin, zumindest auf dem Arbeitsmarkt, als die Menschen erwartet hatten", sagte Stratege Subadra Rajappa von der Bank Societe Generale.

Auch in Europa gaben die Daten den Börsen einen zusätzlichen Kick. Von den Konjunkturhilfen von Regierung und Notenbanken beflügelt konnte der Dax 3,4 Prozent auf 12.847 Punkte zulegen und stand damit so hoch wie seit dreieinhalb Monaten nicht mehr.

Die Furcht der US-Investoren vor schweren sozialen Unruhen in den USA klang zum Wochenschluss indes ab. Tagelang protestierten zehntausende Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt, nachdem vor einer Woche mit George Floyd erneut ein Afroamerikaner bei einem Polizeieinsatz starb.

Blick auf die Einzelwerte – Banken hoch im Kurs

Aktienanleger griffen vor allem bei Finanzwerten zu, die von anziehenden Anleihenrenditen profitierten. Papiere von Bank of America, Citigroup und JPMorgan gewannen bis zu 5,8 Prozent.

Investoren wetteten auch auf eine Erholung der Nachfrage im Luftfahrtsektor, was die Titel von American Airlines und United Airlines um bis zu elf Prozent antrieb. Die Gewinnerliste bei den Standardwerten führten Aktien des Flugzeugbauers Boeing an, die zeitweise mehr als vierzehn Prozent zulegten. Am Ende stand ein Plus von gut elf Prozent.

Spekulationen auf verlängerte Förderbremsen der Erdölproduzenten trieb die Ölpreise nach oben und machten Aktien aus dem Öl- und Gas-Sektor begehrt. Die Papiere von Exxon und Chevron kletterten um bis zu 8,1 Prozent. Die Gruppe Opec+, der neben den Mitgliedern des Ölkartells auch andere Staaten mit Russland an der Spitze angehören, will am Samstag beraten.

Papiere des Edeljuweliers Tiffany gewannen fast sieben Prozent. Investoren waren erleichtert, dass der französische Konkurrent LVMH die 16,2 Milliarden Dollar schwere Übernahme nun offenbar doch nicht in Frage stellt.

Ein Medienbericht über ein Übernahme-Interesse an Grubhub ließ die Aktien des US-Essenslieferanten um etwas mehr als fünf Prozent steigen. Zwischenzeitlich waren sie mit in der Spitze 64,19 Dollar wieder nah an ihr am 12. Mai erreichtes Zwischenhoch herangekommen. Damals hatte ein angebliches Interesse des Fahrdienstvermittlers Uber die Titel bereits befeuert. Laut dem US-Fernsehsender CNBC interessieren sich nun Delivery Hero und Just Eat Takeaway.com für Grubhub.

Quartalszahlen gab es vom Chiphersteller Broadcom und vom Anbieter der Bürokommunikationsplattform Slack. Letzterer enttäuschte mit Umsatz und Ausblick, weshalb die Slack-Papiere um mehr als 14 Prozent absackten.

Der Apple-Zulieferer Broadcom indes lieferte ergebnisseitig, was Analysten erwartet hatten. Händler verwiesen zudem auf die stabile Dividende. Die Aktien reduzierten ihr hohes Plus am Ende des Tages allerdings auf nur noch etwas mehr als zweieinhalb Prozent.

Die positive Überraschung am US-Arbeitsmarkt verpasste der jüngsten Kursrally des Euro einen Dämpfer. Die Gemeinschaftswährung fiel wieder unter 1,13 US-Dollar. Nach US-Börsenschluss kostete sie 1,1282 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1330 (Donnerstag: 1,1250) US-Dollar festgesetzt, der Dollar damit 0,8826 (0,8889) Euro gekostet.

Am US-Rentenmarkt verloren richtungweisende zehnjährige Staatsanleihen 17/32 Punkte auf 97 18/32 Punkte. Sie rentierten mit 0,882 Prozent.