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Je gerechter der Arbeitsplatz, umso gesünder die Beschäftigten

·Lesedauer: 3 Min.

Arbeitnehmer, die sich von ihrer Führungskraft am Arbeitsplatz gerecht behandelt fühlen, sind seltener krankgeschrieben. Zu dem Ergebnis kommt eine Befragung von Angestellten im Auftrag der AOK.

Was für Angestellte im Job vor allem zählt, sind Anerkennung, Vertrauen und eine faire Streitkultur. Foto: dpa
Was für Angestellte im Job vor allem zählt, sind Anerkennung, Vertrauen und eine faire Streitkultur. Foto: dpa

Wer sich an seinem Arbeitsplatz vom Chef fairer behandelt fühlt, ist seltener krank. Zu dem Schluss kommt zumindest der Fehlzeiten-Report 2020 des Wissenschaftlichen Instituts der AOKs (WIdO). Im Auftrag der Allgemeinen Ortskrankenkassen haben die Experten 2500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu ihrem Gerechtigkeitsempfinden am Arbeitsplatz befragt und die daraus resultierenden Auswirkungen auf ihre Gesundheit analysiert. Das Ergebnis scheint für Chefs ein Ansporn zu sein, Mitarbeiter fairer zu behandeln, denn: Diejenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihren Vorgesetzten die besten Noten für Fairness gaben, kamen durchschnittlich auf 12,7 Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr. Dagegen weist die Gruppe der Berufstätigen, die ihren Chef als eher ungerecht wahrnahmen, im Durchschnitt 15,0 Fehltage auf.

„Gefühlte Ungerechtigkeit bringt dabei insbesondere emotionale Irritationen und psychosomatische Beschwerden mit sich“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports 2020. Nahezu ein Viertel der Beschäftigten, die sich von ihrem Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlten, klagten über Gefühle der Gereiztheit wie Wut und Ärger (23,3 Prozent), rund jeder Fünfte über Lustlosigkeit (21,2 Prozent), Erschöpfung (19,7 Prozent) oder Schlafstörungen (18,1 Prozent), unter denen sie in den letzten vier Wochen (nahezu) ständig gelitten hätten. Auch körperliche Beschwerden wie Rücken- und Gelenkschmerzen (25,8 Prozent) oder Kopfschmerzen (10,2 Prozent) kamen demnach häufiger vor.

Im Mittel über alle Beschwerden berichteten immerhin 13,0 Prozent dieser Beschäftigten über eine höhere Betroffenheit. Demgegenüber treten diese Beschwerden in der Gruppe, die ihre Führungskraft als fair bewerten, deutlich seltener auf (3,4 Prozent). Für Schröder ein wichtiger Punkt: „Die gesundheitlichen Belastungen bei Beschäftigten mit einer als fair empfundenen Führungskraft sind damit nur ein Viertel so hoch wie bei den Beschäftigten mit einer als unfair empfundenen Führungskraft.“

Eine zentrale Rolle bei der Frage danach, wie gerecht oder ungerecht die Mitarbeiter das Unternehmen selbst einschätzen, spielen laut AOK-Studie vor allem die Führungskräfte, die eine Scharnierfunktion zwischen der Unternehmensleitung und den Angestellten haben. So fördern als gerecht eingestufte Führungskräfte etwa die Bindung der Beschäftigten an das Unternehmen. Denn es sind nicht nur monetäre Aspekte, weshalb Berufstätige ihrem Arbeitsplatz die Treue halten. „Neben der Bewertung einzelner Entscheidungen hat für Beschäftigte auch die gelebte Unternehmenskultur erheblichen Einfluss, was wiederum Folgewirkungen für die Arbeitgeberattraktivität und die Gesundheit hat. Ein erlebtes Wir-Gefühl stärkt daher die Bindungskraft und erhöht das Vertrauen“, erklärt Prof. Dr. Bernhard Badura, Gesundheitswissenschaftler der Universität Bielefeld und ebenfalls Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports 2020.

Was für Angestellte im Job vor allem zählt, sind Anerkennung, Vertrauen und eine faire Streitkultur. Doch genau hier haben viele Unternehmen noch Nachholbedarf: Jedem zweiten Beschäftigten (46,4 Prozent) fehlt es derzeit an gerechten Konfliktlösungen. Wertschätzung im Job vermissen 40,8 Prozent. Und auch die Rückendeckung kommt zu kurz: Rund ein Drittel (32,9 Prozent) der Befragten bemängelt, dass das Unternehmen nicht hinter dem Personal steht. Dass genau das Angestellten wichtig ist, bestätigte auch Thomas Ertl, Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, im Interview mit der WirtschaftsWoche. Laut ihm hängt Zufriedenheit im Job nicht davon ab, wie viel Menschen arbeiten. „Unzufrieden sind vielmehr jene, die sich bei ihrer Arbeit nicht wertgeschätzt fühlen – sei es durch schlechte Arbeitsbedingungen oder miserable Entlohnung“, so Ertl.

Mehr zum Thema: Die Frage der angemessenen Arbeitszeit war selten so umstritten wie heute. Deshalb lohnt sich ein historischer Blick auf das Konzept.
Mit Material der Pressemeldung.