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Investieren wie ein Heiliger: Diese Aktien hat der Franziskaner-Fonds im Portfolio und darum muss Tesla draußen bleiben

·Lesedauer: 5 Min.
Ein Ausschnitt aus einem Gemälde mit dem heiligen Franziskus
Ein Ausschnitt aus einem Gemälde mit dem heiligen Franziskus

Ein Bettelorden macht Gewinne an der Börse. Was zunächst wie ein Paradox klingt, ist Realität. Gemeint ist der Fonds TerrAssisi. Dieser Fonds wurde von der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn gegründet und wird von der Fondsgesellschaft Ampega verwaltet. Der Name des Fonds basiert auf dem Ordensgründer Franz von Assisi. Dieser zählt zu den wichtigsten Heiligen der Christen. Von Assisi ist vor allem dafür bekannt, sich um arme, kranke und benachteiligte Menschen gekümmert zu haben.

Das Ziel des TerrAssisi-Fonds: Das Geld nach den ethischen und moralischen Grundsätzen des Franziskaner-Ordens anzulegen – und auch Rendite zu erwirtschaften. Innerhalb der vergangenen drei Jahren ist der Kurs um mehr als 48 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Der Index MSCI World ist im selben Zeitraum um 41 Prozent gestiegen. Im Jahresvergleich schneidet der Fonds noch besser ab: Während der Welt-Index nur ein Plus von 4,4 Prozent aufweisen konnte, stieg der Franziskaner-Fonds um 14,5 Prozent.

Drei Filter, um Aktien zu wählen

Auf welche Aktien setzen die Franziskaner? Und wie werden diese ausgesucht? „Es gibt drei Filter, nach denen wir unsere Aktien auswählen. Zwei Nachhaltigkeits-Filter und einen Fundamental-Filter“, erklärt Stefan Höhne, Direktor bei Ampega, im Gespräch mit Business Insider.

Im ersten Filter beginnen die Analysten der Agentur ISS ESG branchenunabhängig Unternehmen herauszufiltern, die sich bereits in den Segmenten Umwelt, Soziales und Unternehmensführung „vorbildlich“ verhalten. Unternehmen werden anhand von rund 100 Einzelkriterien überprüft, erklärt Höhne.

Dazu zählen Kriterien, wie beispielsweise Chancengleichheit, Bezahlung, Work-Life-Balance bei Mitarbeitern und Zulieferern. Sowie auch Schutz der Menschenrechte, Transparenz und gesellschaftliches Engagement bei den Unternehmen. Auch der Klima-Aspekt spielt eine große Rolle. So werden die Unternehmen unter anderem auf Geschäftsreisen, Energiemanagement und Öko-Effizienz analysiert. Aus dem Gesamtuniversum bleiben weltweit aktuell 950 Unternehmen übrig, sagt Höhne.

Die Franziskaner investieren nicht in Waffen oder Glücksspiel

Dann kommen die Franziskaner im zweiten Filter mit ihren fondsspezifischen Ausschlusskriterien. Hier fallen aktuell nochmals 150 Unternehmen weg. „Die Franziskaner möchten nicht in Unternehmen investieren, die Umsätze in 13 kontroversen Geschäftsfeldern erzielen“, erklärt der Finanzexperte. Neben den „klassischen kontroversen“ Geschäftsfeldern, wie Atomenergie, fossile Brennstoffe, Glücksspiel oder Waffen sind in den letzten Jahren noch weitere Geschäftsfelder wie gewaltverherrlichende Videospiele dazugekommen.

Zusätzlich möchten die Franziskaner auch nicht in Unternehmen investieren, die in Verbindung mit kontroversen Geschäftspraktiken stehen. Dazu gehört die Verletzung von Arbeits- und Menschenrechten, sowie der Ausschluss von Kinderarbeit. Aber auch kontroverse Wirtschaftspraktiken wie Korruption und steuerliche Themen zählen zu diesem zweiten Nachhaltigkeits-Filter.

„Man muss auch beim nachhaltigen Investieren bestimmte Kompromisse eingehen“

Teilweise arbeiten die Fondsmanager jedoch bei bestimmten Kriterien mit „Bagatellgrenzen“ bezogen auf den Gesamtumsatz. Bei einigen kontroversen Geschäftsfeldern habe man sich auf maximale Umsatzgrenzen von fünf Prozent geeinigt. Das gelte zum Beispiel bei dem Kriterium Rüstungsgüter. „So liefert ein deutsches Automobilunternehmen in sehr geringem Maße - bezogen auf den weltweiten Konzernumsatz - Ambulanzfahrzeuge an das Militär“, erklärt Höhne. Ein Ausschluss nach diesem Filter würde hier nicht automatisch greifen.

Würden man bei allen Nachhaltigkeitsfiltern diese Umsatzgrenze streng auf null setzen, wäre die Auswahl an Unternehmen und Branchen für ein globales Portfolio zu gering, meint Höhne. Die Folge wäre ein Portfolio mit „erheblichen Investmentrisiken“. „Das wollen wir und unsere Kunden ausdrücklich nicht.“ Durch diesen Ansatz schließe sich „ethisches, nachhaltiges Investieren und erfolgreiche globale Aktienanlage ausdrücklich nicht aus“, erklärt Höhne und meint: „Wie immer im Leben, muss man auch beim nachhaltigen Investieren bestimmte Kompromisse eingehen.“

Ein anderes Beispiel sei das kontroverse Geschäftsfeld Tierversuche. „Unternehmen, die Tierversuche im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben machen müssen, sind für uns vertretbar.“ Die meisten Pharmaunternehmen würden sonst kaum den Weg ins Portfolio finden können, so der Ampega-Manager.

Sobald die Franziskaner durch sind, bekommt der Ampega-Portfoliomanager einmal im Quartal eine Liste von aktuell 800 Unternehmen, in die er überhaupt investieren darf. „Andere börsennotierte Unternehmen kann und darf er erst gar nicht für den TerrAssisi-Fonds erwerben“, sagt Höhne. Der Portfoliomanager beginnt dann aus diesem Universum die Unternehmen herauszufiltern, die perspektivisch die „besten Chancen“ haben. Um dies zu ermitteln, setzt er hier auf die fundamentalen Daten. Zu den Auswahlkriterien gehören zum Beispiel Dividendenrendite, Dividendenwachstum, Verschuldungsgrad, aber auch Gewinnstabilität und Gewinnwachstum der Unternehmen.

Carmen Mayer
Carmen Mayer

„Jahrelang war für uns auch Apple nicht erwerbbar“

Aktuell sind 72 Unternehmen im Portfolio des TerrAssisi-Fonds. Deutsche Unternehmen, in die aktuell investiert wird, sind: Deutsche Post, Adidas, Allianz, Münchener Rück, Linde und Siemens Healthineers. „Das war es aber auch mit den deutschen Firmen“, sagt Höhne. In Unternehmen, die historisch noch keine Gewinne gemacht haben, wird kein Geld angelegt.

Neben den deutschen Unternehmen investiert der Fonds unter anderem in den Tech-Konzern Microsoft, das Gesundheitsunternehmen UnitedHealth Group, den Finanzdienstleister Visa, das Chip-Unternehmen NVIDIA, den Pharmakonzern Abbott Laboratories, die Biotechnologie-Firme AbbVie und den Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble.

„Jahrelang war für uns auch das US-Unternehmen Apple nicht erwerbbar“, erzählt Höhne. Hintergrund seien komplexe steuerliche Themen gewesen. Apple habe jedoch gegenüber der Ratingagentur ISS ESG klar nachgewiesen, dass alle kontroversen steuerlichen Themen nicht mehr existieren, meint Höhne. „Daher durften wir dieses Unternehmen aus Nachhaltigkeitsgründen nach einer Sperrfrist wieder erwerben.“ Da Apple auch aus fundamentaler Sicht die Portfoliomanager überzeugen konnte, wurde Anfang des Jahres in die Aktie investiert.

Ein Teil der Verwaltungsgebühr fließt an das Hilfswerk der Franziskaner

In Tesla darf der Franziskaner-Fond aktuell nicht investieren, obwohl die Elon-Musk-Aktie in vielen Nachhaltigkeitsfonds ein fester Portfoliobestandteil sei. „Vor allem die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter und wie mit dem Thema Gewerkschaften insgesamt umgegangen wird, sehen wir kritisch“, sagt Höhne. Solange hier weiterhin die „rote Flagge“ gezeigt wird, darf der Wert nicht erworben werden.

Anleger sollten wissen, dass ein aktiv gemanagter Fonds teurer ist als passive ETFs. Denn die Fondsmanager werden auch bezahlt. Bei dem TerrAssisi-Fonds gibt es einen Ausgabeaufschlag von 4,5 Prozent, der einmalig beim Kauf der Fondsanteile fällig wird, und laufende Kosten von 1,42 Prozent. Was der Fonds aber macht: Ein Teil der Verwaltungsvergütung geht automatisch als Initiatorenvergütung an das Hilfswerk der Franziskaner für die Unterstützung der weltweiten Hilfsprojekte.

Disclaimer: Aktien, Kryptowährungen und Investments sind grundsätzlich mit Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten. Sie ersetzen auch nicht eine fachliche Beratung.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 15. März 2022 aktualisiert. Er wurde am 12. März 2022 veröffentlicht.