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Rezession wird unwahrscheinlicher: Ifo-Geschäftsklima signalisiert Erholung

Riedel, Donata
·Lesedauer: 5 Min.

Trotz des Lockdowns steigt Deutschlands wichtigster Frühindikator nach zwei Monaten des Rückgangs überraschend wieder. Vor allem zwei Branchen schöpfen Hoffnung.

Der HDE erwartet, dass der stationäre Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel durch die Corona-Maßnahmen 20 Prozent seines Jahresumsatzes verlieren wird. Foto: dpa
Der HDE erwartet, dass der stationäre Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel durch die Corona-Maßnahmen 20 Prozent seines Jahresumsatzes verlieren wird. Foto: dpa

Die deutsche Wirtschaft scheint den Lockdown bisher gut zu verkraften: Das Ifo-Geschäftsklima ist im Dezember wieder gestiegen – nach zwei Monaten des leichten Rückgangs. Deutschlands wichtigster Frühindikator betrug 92,1 Punkte nach 90,9 Punkten im Vormonat. Dabei bewerteten die 9000 befragten Unternehmenslenker sowohl ihre Lage mit 91,3 Punkten nach 90,0 Punkten besser, als auch ihre Geschäftsaussichten für die nächsten sechs Monate mit 92,8 Punkten nach 91,8 Punkten.

Besonders in der Industrie stehen die Zeichen auf Erholung. Vor allem Chemieindustrie und Maschinenbau schöpften laut der am Freitag veröffentlichten Umfrage wieder Hoffnung.

Aber überraschenderweise schätzten auch die Dienstleister und der Handel ihre Lage nicht mehr gar so trüb ein wie vor einem Monat, und sogar ihre Erwartungen vielen etwas weniger pessimistisch aus als zuvor. Allerdings waren es unter den Dienstleistern vor allem die Transport- und Logistikunternehmen sowie das Grundstücks- und Wohnungswesen, die komplett auf den Aufschwung setzten. Reiseveranstalter, Gastgewerbe und Kulturschaffende leiden laut Ifo jedoch weiter stark unter der Krise und dem Lockdown.

Im Handel wiederum ließen die optimistischen Einschätzungen der Großhändler das Barometer steigen. Im Einzelhandel beurteilte eine Mehrheit ihre Lage noch als gut, die Erwartungen aber trübten sich ein. Allerdings: Die meisten Antworten gingen beim Ifo vor dem verschärften Lockdown ein.

Der Lockdown bremst weniger als befürchtet

„Die Aussicht auf den baldigen Einsatz wirksamer Impfstoffe und die Erfolge bei der Pandemiebekämpfung in Asien immunisieren die Konjunktur und das Geschäftsklima“, kommentierte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin bei der staatlichen Förderbank KfW, die Entwicklung. Obwohl sich Europa und viele US-Regionen in mehr oder weniger strikten Lockdowns befänden, hole die Industrie weiter auf, sagte sie.

Die Wirtschaftsforschungsinstitute hatten diese Woche in ihren Winterprognosen festgestellt, dass die Lockdowns in Deutschland und Europa den starken Aufschwung des Sommers zunächst ausbremsen. Ab dem zweiten Quartal 2021 erwarten sie aber wieder Wachstum: Die Prognosen für das neue Jahr liegen zwischen 3,1 Prozent (IfW-Kiel) und 4,9 Prozent (RWI und IMK).

Dabei gehen die Konjunkturforscher davon aus, dass es im gesamten Winterhalbjahr bis Ende März Kontaktbeschränkungen ungefähr im Umfang des Teil-Lockdowns von Anfang November geben wird. Denn sollten die Maßnahmen im Januar direkt wieder gelockert werden, besteht die Gefahr, dass die Infektionszahlen wieder drastisch steigen.

Uneins sind sich die Ökonomen darüber, ob der verschärfte Lockdown vom 16. Dezember bis 10. Januar die Wirtschaft wieder in die Rezession zurückstoßen wird, und das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2020 und im ersten Quartal 2021 schrumpfen lässt.

Das Münchner Ifo-Institut etwa erwartet ein Minus von 0,4 Prozent im vierten Quartal, aber Anfang 2021 wieder Wachstum. Die meisten anderen Institute halten demgegenüber eine leichte Rezession für wahrscheinlicher.

Die Industrie wächst stetig – auch im Winter

Hoffen lässt die Ökonomen allerdings die Tatsache, dass die Winter-Lockdowns überall nicht so umfassend sind wie im Frühjahr: Nirgendwo auf der Welt steht die Industrie komplett still, so wie es zeitweise – auch wegen Lieferengpässen aus Asien – im ersten Lockdown der Fall war.

Gerade in Deutschland scheint sich der Industrieaufschwung des Sommers bis in den Dezember hinein fortgesetzt zu haben. Ein Frühindikator dafür ist der Lkw-Verkehr. Nach dem Lkw-Maut-Index hat dieser in den vergangenen Wochen zugenommen und liegt klar über dem Vorkrisenniveau.

Positiv entwickelte sich zuletzt auch wieder die Autoindustrie, die im Frühjahr stark von Störungen der Lieferketten betroffen gewesen war. Nach Zahlen des Automobilverbandes VDA sind im November 20 Prozent mehr Autos produziert worden als im Oktober.

Die Volkswirte der Commerzbank erwarten, dass die Industrieproduktion insgesamt im November gegenüber dem Oktober um 2,5 Prozent gewachsen ist. Im Oktober hatte sie laut Statistischem Bundesamt um 3,2 Prozent zugelegt. Sie lag da allerdings noch um fünf Prozent unter dem Vorkrisenniveau.

Optimistisch stimmten zuletzt auch die Auftragseingänge. Im Oktober lagen sie in Deutschland in der Autoindustrie um sechs Prozent über dem Wert des Vorkrisenmonats Februar, im Maschinenbau um 2,5 Prozent, berichtet das Statistische Bundesamt.

Der erste Frühindikator für Dezember, die IHS-Markit-Einkaufsmanager-Umfrage vom vergangenen Dienstag, zeigte ebenfalls, dass die Industrie die Konjunktur stark stützt: Die Produktion sei weiter ausgeweitet worden.

Auch der Auftragsbestand im verarbeitenden Gewerbe lässt hoffen: Im Vergleich zu Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, war er im Oktober 2020 saison- und kalenderbereinigt 2,3 Prozent höher, so das Statistische Bundesamt.

Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag der Auftragsbestand demnach im Oktober 2020 um 2,3 Prozent über dem Wert vom September 2020. Bei den Herstellern von Investitionsgütern stieg er um 1,1 Prozent. Im Bereich der Konsumgüter lag der Auftragsbestand 2,9 Prozent höher als im September 2020.

Weihnachten ist jedes Jahr eine Zeit der Wirtschaftsruhe

Wie stark der Weihnachtslockdown die Konjunktur dämpft, ist noch unklar. Da wegen der Feiertage ab Heiligabend ohnehin ein Großteil der Wirtschaft nur mit halber Kraft arbeitet, hält Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser den Effekt der Verschärfungen auf die Gesamtwirtschaft für begrenzt.

Größere Ausfälle dürfte es in der letzten Vorweihnachtswoche allerdings im stationären Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel geben, der nun zusätzlich leidet: Für diese Geschäfte erwartet der Einzelhandelsverband HDE, dass sie 20 Prozent ihres Jahresumsatzes in diesem Jahr verlieren – während sich der Online-Handel über einen Zuwachs um mehr als 20 Prozent freuen kann.

Härter als der Einzelhandel aber wird in diesem Jahr das Gast- und Hotelgewerbe getroffen: Sein Umsatz während der Lockdowns ist unwiederbringlich dahin – während Modegeschäfte noch auf nachholenden Konsum 2021 hoffen können.

„Der verschärfte Lockdown ist gesamtwirtschaftlich ein Rückschlag für den Erholungsprozess, aber kein Rückfall in eine Krise wie im vergangenen Frühjahr“, sagte Stefan Kooths, Konjunkturchef des IfW. Belastet würden die konsumnahen Branchen.

„Aber die Industrie kommt – vor allem dank eines insgesamt robusten Auslandsgeschäfts – nicht wieder unter die Räder“, erwartet Kooths. Die Industrie profitiere von der Erholung der Weltwirtschaft und vor allem vom Wachstum in China.

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