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Hohe Nachfrage, kaum Lieferengpässe: Bayer, BASF und Covestro starten stark ins neue Jahr

Fröndhoff, Bert
·Lesedauer: 4 Min.

Die Anlagen laufen teils wieder auf Hochtouren, Lieferengpässe gibt es kaum: Die Chemiebranche profitiert von steigenden Preisen und hoher Nachfrage.

Für die Chemieindustrie zeichnet sich ein überraschend starker Start ins neue Jahr ab. Schon im vierten Quartal 2020 hatte die globale Nachfrage nach Grundstoffen und weiterverarbeiteten Chemikalien kräftig zugelegt. Dieser Trend hat sich in den vergangenen Wochen in großen Teilen sogar noch verstärkt, beobachten Analysten und Marktforscher wie die Londoner ICIS.

Die anhaltend hohe Nachfrage lässt sich schon an den sprunghaft gestiegenen Preisen für Grundchemikalien ablesen. Seit Jahresbeginn haben sich die aus Öl und Gas gewonnenen Basisprodukte Ethylen und Propylen um 20 Prozent verteuert. In anderen Teilen der Chemie-Produktionskette zeigte sich eine ähnliche Entwicklung.

Laut den ICIS-Marktforschern ist die Marktlage gerade bei Grundchemikalien aktuell eng. Die Chemieanalysten der Baader Bank berichten über eine angespannte Angebotslage bei phosphorbasierten Produkten, Grundölen für Schmiermittel und bei Polyamid-Kunststoffen, die vor allem in der Autoindustrie benötigt werden. Entsprechend hoch sind die Preise.

Allerdings hat dies bisher noch nicht zu Lieferausfällen oder Versorgungsproblemen in der Chemiebranche geführt – anders als etwa in der Stahlindustrie, wo die Hersteller dem aktuellen Nachfrageschub kaum Herr werden und viele Kunden über Lieferverzögerungen klagen. Aktuell berichten nur fünf Prozent der deutschen Chemiehersteller über Lieferprobleme. Dies liege im Normalbereich, wie der Branchenverband VCI ermittelte.

Einzelne Unternehmen berichten über logistische Verzögerungen bei Lieferungen aus Asien. Bei BASF etwa heißt es, die Beschaffung von Kapazitäten in der Linienschifffahrt aus Fernost sei derzeit angespannt. Der weltgrößte Chemiekonzern weicht auf alternative Häfen aus, aber nur in Einzelfällen würden Lieferungen nach einer Abstimmung mit den Kunden verzögert.

Zwei Faktoren treiben seit Wochen die Chemiegeschäfte an: Die Kunden aus der Industrie haben im Dezember damit begonnen, ihre leergefegten Läger wieder aufzufüllen. Sie wollten mit frühen Bestellungen den absehbaren Preissteigerungen zuvorkommen. Hinzu kommt die anziehende Weltkonjunktur, die vor allem von einem starken Schub in China getragen wird, aber auch von der US-Wirtschaft.

Chemiebranche ist vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen

All dies ermöglicht auch den deutschen Chemiekonzernen aktuell gute Geschäfte. Die Baader-Analysten rechnen damit, dass das erste Quartal 2021 für weite Teile der Branche noch besser ausfallen wird als das bereits starke Schlussquartal 2020. Aktuell seien die Hersteller mit Blick auf die enge Angebotslage noch in einer guten Position, um höhere Preise durchzusetzen.

Die Kunden können bei den Chemieherstellern also weitgehend wie gewünscht einkaufen, nur teurer. Allerdings müssen die Preissteigerungen ins Verhältnis zu einem pandemiebedingt niedrigen Niveau gesetzt werden. Dass die Chemiefirmen anders als die Stahlhersteller liefern können, liegt auch an ihrer Robustheit: Sie sind vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen und mussten ihre Kapazitäten nie komplett herunterfahren.

Die gute Lage in der Chemiebranche dürfte sich kommende Woche auch aus den Jahreszahlen von Coves‧tro und BASF ablesen lassen. Covestro hatte bereits im Dezember bekannt‧gegeben, dass der Jahresgewinn dank eines starken vierten Quartals bis zu 25 Prozent höher liegen werde als zunächst erwartet.

Analysten gehen davon aus, dass der Leverkusener Konzern auch im ersten Quartal 2021 gut abschneiden wird. Denn die Preise für die großvolumigen Kunststoffprodukte sind anhaltend hoch. Der Aktienkurs von Coves‧tro hat seit Mitte Dezember um nahezu 20 Prozent auf aktuell 59,50 Euro zugelegt. Mehrere Investmenthäuser haben die Kursziele seither auf mehr als 60 Euro erhöht.

So stark ist der BASF-Aktienkurs zuletzt zwar nicht gestiegen, doch auch der deutsche Branchenprimus hat vorab überraschend gute Ergebnisse veröffentlicht. Der bereinigte Gewinn für das vierte Quartal 2020 wird bei 1,1 Milliarden Euro liegen und damit rund ein Drittel höher, als die Analysten im Konsens geschätzt haben. Bei BASF dürfte vor allem in der Basischemie und bei Kunststoffen wie Polyurethan die Lage aktuell weiterhin stark sein.

Für die Kölner Lanxess AG war das vierte Quartal nach eigenen Angaben das stärkste Schlussquartal seit acht Jahren - die Gewinnerwartungen der Analysten werden wohl um zehn Prozent übertroffen. Der Konzern konnte zuletzt die Preise für Schlüsselprodukte wie anorganische Pigmente erhöhen - ein klares Zeichen dafür, dass die Geschäfte auch bei Lanxess weiter gut laufen.

China ist der Treiber dahinter, das zeigt sich nicht nur bei klassischen Chemikalien. Das Land ist der größte Importeur von Sojabohnen, und wegen des wachsenden Bedarfs sind die Preise für dieses Agrarprodukt seit dem Spätsommer um 44 Prozent gestiegen. Einer der führenden Lieferanten von Soja-Saatgut ist die Bayer AG – das zuletzt schwächere Agrargeschäft der Leverkusener dürfte von dieser Preisexplosion profitieren.