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Anleger agieren verunsichert – Wall Street weitet Verluste aus

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Die hohe Zahl an Neuinfektionen drängt die Impfstoff-Euphorie wieder in den Hintergrund. Auch die Worte von Notenbankchef Powell klingen pessimistisch.

In der berühmten Straße befindet sich der Sitz der New York Stock Exchange. Foto: dpa
In der berühmten Straße befindet sich der Sitz der New York Stock Exchange. Foto: dpa

Die Coronakrise hat die US-Börsen wieder voll im Griff. Die hohe Zahl an Neuinfektionen machte die Euphorie der Anleger angesichts vielversprechender Impfstoff-Daten am Donnerstag zunichte. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,1 Prozent tiefer auf 29.080 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 0,7 Prozent auf 11.709 Punkte nach. Der breit gefasste S & P 500 büßte ein Prozent auf 3537 Punkte ein. Auch in Europa hatten die Anleger den Rückzug angetreten.

„Der Schwerpunkt hat sich von der Politik, den Wahlen, den Konjunkturprogrammen wieder dorthin verlagert, wo er vorher war, nämlich auf das Virus und seine wirtschaftlichen Auswirkungen“, sagte Fondsmanager Keith Buchanan vom Vermögensverwalter Globalt Investments in Atlanta. Angesichts der rasanten Ausbreitung hätten die politischen Entscheidungsträger begonnen, über weitere Beschränkungen nachzudenken. Die USA verzeichnen mit 142.279 Corona-Neuinfektionen den zweiten Tag in Folge einen Rekordwert. Zudem liegt die Zahl den achten Tag in Folge über der Schwelle von 100.000. Insgesamt sind demnach in den USA etwa 10,4 Millionen Ansteckungen nachgewiesen.

Ermutigende Impfstoff-Daten und die Aussicht auf eine moderate Wirtschaftsregulierung durch einen möglicherweise zwischen Demokraten und Republikanern aufgeteilten US-Kongress hatten die US-Indizes innerhalb von knapp zwei Wochen um bis zu elf Prozent angetrieben.

Nun jedoch dominiert der Pessimismus an den Märkten. Jerome Powell, der Chef der US-Zentralbank Fed, warnte bei der virtuellen Notenbankkonferenz vor den großen Herausforderungen in den kommenden Monaten. Die Geldpolitik „muss noch mehr tun“, um die Folgen der Corona-Pandemie so gut wie möglich abzufedern, sagte Powell in einer Diskussionsrunde mit Christine Lagarde, der Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), und dem britischen Notenbankchef Andrew Bailey.

Auch die wichtigsten Börsen in Europa hatten den Handelstag mit Verlusten beendet. An der Börse in Frankfurt dominierten Gewinnmitnahmen – der Dax verlor 1,2 Prozent. In vielen weiteren westeuropäischen Staaten lagen die Leitbörsen ebenso in der roten Zone.

Anleger griffen bei Assets zu, die mehr Sicherheit versprechen. Gold verteuerte sich um knapp ein Prozent auf 1885 US-Dollar. Die Rendite für zehnjährige US-Bonds sank auf 0,885 von 0,989 Prozent. Zum Vergleich: Vor Wochenfrist lag die Rendite noch bei 0,72 Prozent. Im Zuge der Börsenrally zu Wochenbeginn verkauften Anleger jedoch überwiegend Bonds, was die Rendite ansteigen ließ. Nun geht es wieder in die andere Richtung. Zehnjährige Bundesbonds gaben ebenso nach, auf minus 0,544 Prozent.

Zyklische Werte, die am Montag von den Aussichten auf einen baldigen Impfstoff noch profitiert hatten, gehörten zu den größten Verlierern. Beispielsweise gerieten Luftfahrtaktien unter Druck.

Blick auf die Einzelwerte

Carnival: Die im S & P 500 gelisteten Aktien des britisch-amerikanischen Mutterkonzerns der Aida verloren acht Prozent.

Zoom: Der Anbieter für Videokonferenzen hat turbulente Tage hinter sich. Die Aussichten auf einen baldigen Impfstoff hatten die Aktie stark einbrechen lassen. Am Donnerstag gehörte das Papier mit einem Plus von fast fünf Prozent mit Abstand zu den größten Gewinnern.

Pinduoduo: Die in den USA gelisteten Aktien der chinesischen E-Commerce-Plattform waren bei Anlegern heiß begehrt. Sie gewannen 20 Prozent auf 134 Dollar. Pinduoduo hatte Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und die Erwartung der Analysten übertroffen.

Moderna: Auch der Biotechnologiekonzern aus Massachusetts steht nach eigenen Angaben kurz davor, eine Studie zur Wirksamkeit eines Covid-Impfstoffs zu veröffentlichen. Der US-Seuchenexperte Anthony Fauci rechnete mit positiven Ergebnissen, da der Impfstoff fast identisch mit dem Mittel von Biontech und Pfizer sei. Die Aktie gewann fünf Prozent auf 86,53 Dollar.

Curevac: Die an der Nasdaq gelisteten Papiere des Biopharmazeutika-Konzerns schnellten um 12,5 Prozent nach oben. Der von den Tübingern erforschte potenzielle Impfstoff gegen Corona ist auch bei einer Temperatur von plus fünf Grad mindestens drei Monate lang haltbar, hatte das Unternehmen mitgeteilt.

Fossil: Die Aktien kletterten um fast ein Viertel. Der Hersteller von Mode-Accessoires wie Uhren, Schmuck und Handtaschen hatte nicht zuletzt dank guter Verkäufe in China überraschend starke Quartalszahlen präsentiert.

Applied Materials: Die Papiere des Herstellers von Anlagen für die Halbleiterindustrie verloren 1,9 Prozent, nachdem sie zum Wochenbeginn ein Rekordhoch erklommen hatten. Der Konzern veröffentlicht nach der Schlussglocke Quartalszahlen.

Cisco Systems: Die Aktien fielen um 1,7 Prozent. Der Telekomausrüster legte nach dem Handelsschluss ebenfalls Quartalszahlen vor.