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HOCHTIEF IM FOKUS: Corona-Pandemie hinterlässt Spuren

·Lesedauer: 6 Min.

ESSEN (dpa-AFX) - Der deutsche Baukonzern Hochtief <DE0006070006> bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren. Vor allem laufen die Geschäfte des spanischen Autobahnbetreibers Abertis <ES0111845014>, an dem Hochtief rund ein Fünftel hält, schleppend. Die Corona-Pandemie zeigt sich auch im Kursverlauf der Hochtief-Aktien. Die wichtigsten Punkte für das Unternehmen, was Experten sagen und wie es für die Aktie läuft:

DAS IST LOS BEI HOCHTIEF:

Für Hochtief spielt das heimische Geschäft nur noch eine Nebenrolle. Rund 94 Prozent des Konzernumsatzes von zuletzt knapp 24 Milliarden Euro werden außerhalb von Europa erwirtschaftet, vor allem in Australien und den USA. Und dabei lief es bis zum Ausbruch der Corona-Krise im Tagesgeschäft eigentlich gut.

Dass 2019 dennoch unter dem Strich ein Minus stand, lag an der australischen Tochter Cimic. Sie steuert eigentlich den Löwenanteil zum Gewinn bei, zog sich aber wegen erheblich verschlechternder Marktbedingungen aus dem Geschäft im Nahen Osten zurück und musste daher viel Geld abschreiben. Um die Bilanz von Cimic und auch die eigene zu verbessern, verkaufte Hochtief Ende 2020 die Hälfte des australischen Minenausrüsters Thiess an den Hegdefonds Elliott. Im vergangenen Jahr wies Hochtief wieder einen Gewinn von rund 427 Millionen Euro aus.

Zu schaffen macht Hochtief seit vergangenem Jahr die Corona-Pandemie. Projekte verzögern sich und das Geschäft des spanischen Autobahnbetreibers Abertis <ES0111845014> läuft wegen der Lockdowns deutlich schlechter. Mautautobahnen werden deutlich weniger genutzt. Hochtief hatte 2018 gemeinsam mit der spanischen Mutter ACS <ES0167050915> und dem zur italienischen Unternehmerfamilie Benetton gehörenden Mautstraßenbetreiber Atlantia <IT0003506190> den spanischen Autobahnbetreiber übernommen.

Probleme könnte es für Hochtief dagegen auf dem Heimatmarkt geben. Erst jüngst warnte der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner, vor Lieferengpässen bei Kunststoff, Holz und Stahl, die den Bau-Boom bremsen könnten. Die Unternehmen müssten für das Material 40 Prozent mehr ausgeben als gewohnt, zum Teil gebe es nur noch Tagespreise, sagte Hübner.

Unterdessen baut Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes darauf, dass Regierungen verschiedener Staaten zur Bewältigung der Krise stärker in Infrastruktur investieren. So planten etwa die USA unter dem neuen Präsidenten Joe Biden, 2,3 Billionen US-Dollar über acht Jahre in die Infrastruktur zu stecken, sagte Fernández Verdes auf der Hauptversammlung Anfang Mai. In Australien sollen ihm zufolge in den kommenden vier Jahren so fast 300 Milliarden australische Dollar investiert werden.

Zudem erwartet er bei der Umsetzung des Klimaziels in der EU durch den 750 Milliarden Euro schweren Pandemie-Wiederaufbaufonds einen Investitionsschub. Hochtief habe in Nordamerika, in der Region Asien-Pazifik und Europa für 2021 Zielobjekte im Wert von mehr als 620 Milliarden Euro identifiziert, hieß es bei Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal ein paar Tage später.

In den USA konnte sich US-Präsident Biden zwar zuletzt mit einer kleinen Gruppe von demokratischen und republikanischen Senatoren auf ein Paket für Investitionen in Straßen, Brücken, Verkehrs- und Energienetze einigen. Der Umfang dieses Pakets ist aber weit entfernt von dem, was Biden ursprünglich angepeilt hatte. Zudem ist unklar, ob es am Ende im US-Kongress genug Stimmen gibt, um das Paket zu verabschieden. Der US-Präsident äußerte sich dennoch zuversichtlich.

Für das laufende Jahr peilt der Baukonzern, der mehrheitlich zum spanischen Infrastrukturkonzern ACS gehört, einen bereinigten Gewinn von 410 bis 460 Millionen Euro an. Dies sei ein Zuwachs von 11 bis 25 Prozent, wenn man das Ergebnis von 2020 um den 50-prozentigen Thiess-Anteilsverkauf bereinigt.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Nach Ansicht von Analyst Victor Acitores von der französischen Großbank Societe Generale sind die Zahlen zum ersten Quartal durchwachsen ausgefallen. Während der bereinigte Gewinn über den Erwartungen gelegen und Hochtief einen soliden Auftragseingang habe, seien die erwirtschafteten Barmittel ohne Cimic aufgrund geringerer Umsätze und des Pandemie-Einflusses niedriger ausgefallen. Acitores rät mit einem Kursziel von 105,5 Euro zum Kauf der Aktie.

Auch Analyst Frank Schwope von der NordLB sprach von durchwachsenen Resultaten. Allerdings seien sie auch durch die Pandemie und den Thiess-Anteilsverkauf verzerrt. Mit Blick auf das aktuelle Marktgeschehen und den operativen Geschäftsgang sowie unter Abwägung von Chance- und Risikoaspekten bleibe es beim Anlageurteil "Halten".

Skeptischer für die Hochtief-Aktie ist Analyst Antonio Rodriguez Vicens von der Investmentbank Oddo BHF. Die Perspektiven im wichtigen US-Markt seien zwar gut, doch nach zwei Jahren bedeutender Verluste durch die australische Tochter Cimic <AU000000CIM7> sei die Bilanz in Mitleidenschaft gezogen. Dies zehre an den Rückflüssen an die Aktionäre und so reiche die Rendite nicht mehr, um die Aktien weiter positiv zu beurteilen.

Zudem sei der strategische Wert der Beteiligung an Hochtief für Atlantia begrenzt. Und das ACS-Management habe deutlich gemacht, dass es seine Beteiligung an Hochtief nicht erhöhen will. Daher bleibe die Unsicherheit an dieser Front hoch, zumindest kurzfristig. Deshalb lautet seine Empfehlung nun nur noch, die Papiere des Baukonzerns zu halten. Gleichzeitig senkte er deutlich das Kursziel für den Anteilsschein auf 67 Euro.

Auch Analyst Luis Prieto von der Investmentbank Kepler Cheuvreux zeigt sich bezüglich der Hochtief-Aktie skeptischer. Er empfiehlt zwar Anlegern, das Papier weiter zu halten, aber das Kursziel senkte er vor kurzem auf 78 Euro. Das Management von ACS habe zwar die Dringlichkeit erkannt, die Komplexität der Gruppe anzugehen, schrieb er in einer jüngsten Studie. Das Management habe aber auch klargestellt, dass es nichts von den Erlösen aus dem bevorstehenden Verkauf von Industrial Services an Vinci verwenden werde, um die Beteiligung an Hochtief zu erhöhen.

Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg seit der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal Mitte Mai erfassten Analysten sind verhalten positiv gestimmt. Während zwei von vier Analysten zum Kauf der Papiere raten, empfehlen zwei Experten die Aktie zu halten. Kein Analyst spricht sich für den Verkauf der Anteilsscheine aus. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 84 Euro deutlich über dem aktuellen Niveau.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Corona-Pandemie spiegelt sich klar im Kursverlauf der Hochtief-Aktien wider. Unmittelbar vor der Eskalation der Krise Ende Februar 2020 notierten die Anteilsscheine noch bei 105 Euro. Im Zuge des Crashs sackten die Papiere dann innerhalb weniger Wochen bis auf 41,58 Euro ab. Dies war das tiefste Niveau seit Dezember 2012.

Die anschließende Erholung führte den Aktienkurs zwar bis Anfang Juni wieder auf 90 Euro nach oben. Anschließend ging es für sie aber mit zwischenzeitlichen Erholungstendenzen bis Ende Oktober wieder bergab. Die Papiere erholten sich dann wieder. Dazu trug auch das Interesse des französischen Bau- und Dienstleistungskonzern Vinci <FR0000125486> an der Industriesparte des spanischen Hochtief-Großaktionärs ACS bei. Zudem kündigte die Hochtief-Tochter Cimic kurze Zeit später an, die Hälfte ihres Minenausrüsters Thiess an den Hegdefonds Elliott zu verkaufen. Insgesamt verlor jedoch die Hochtief-Aktie 2020 rund 30 Prozent und gehörte zu den großen Kursverlierern im MDax.

Auch 2021 verliert die Aktie weiter an Wert. Seit ihrem im Januar erreichten Jahreshoch von 88,55 Euro ging es für die Papiere danach immer weiter abwärts. Investoren zeigten sich vor allem enttäuscht, dass ACS mit den Erlösen aus dem Verkauf der Industriesparte ihren derzeitigen gut 50 prozentigen Anteil an Hochtief nicht wieder aufstocken will.

Zuletzt wurden die Aktien mit 64,76 Euro gehandelt, womit seit Jahresbeginn ein Verlust von fast einem Viertel aufgelaufen ist. Hochtief wird an der Börse derzeit mit 4,6 Milliarden Euro bewertet. Im MDax entwickelten sich im laufenden Jahr nur wenige Aktien noch schlechter. Die einstigen Höchstkurse sind in weite Ferne gerückt: Mitte 2017 war Hochtief zeitweise mehr als 170 Euro wert.

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