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Hildegard Müller tritt beim VDA an – Unterstützung aus der Politik

Altmaier will, dass die Automobilindustrie Deutschlands wichtigster Industriezweig bleibt. VDA-Präsidentin Müller erleichtert das den Einstieg ins Amt.

Die frühere CDU-Politikerin und Ex-Strommanagerin tritt ihren Posten als Chefin des Autoverbands VDA im Februar an. Foto: dpa

Eigentlich ist sie offiziell noch gar nicht im Amt. Hildegard Müller, künftige Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), tritt ihren neuen Posten erst am kommenden Samstag an, also dem 1. Februar. Trotzdem ist es irgendwie eine Selbstverständlichkeit, dass sie beim Neujahrsempfang des VDA schon Präsenz zeigt.

Hildegard Müller nutzt die alljährliche Veranstaltung ihres Verbandes im Berliner Automuseum „Classic Remise“, um sich den Gästen vorzustellen. Einige Hundert sind am Mittwochabend gekommen. Müller verteilt ihre neuen Visitenkarten, führt Small Talk mit vielen Gästen, erzählt von ihren künftigen Plänen. Ihren Hauptwohnsitz in Düsseldorf wird sie behalten und lebt eben künftig auch in Berlin, dem Sitz des Verbandes.

Die künftige VDA-Präsidentin hat sich zumindest zu einem kleinen Grußwort entschlossen. Die große Grundsatzrede ist noch nicht ihre Aufgabe. Diese Ansprache überlässt Müller dieses Jahres noch Daimler-Chef Ola Källenius, einem ihrer Vizepräsidenten im Verband.

„Ich schaue in viele bekannte Gesichter, das beruhigt sehr“, beginnt sie ihre kurze Rede. Das kann keine besondere Überraschung für sie sein als frühere Staatsministerin im Bundeskanzleramt und als langjährige Geschäftsführerin des Bundesverbandes für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Sie kennt den Berliner Politikbetrieb sehr genau. Deshalb haben die großen Autohersteller und die Zulieferkonzerne Hildegard Müller überhaupt in den Verband geholt.

Sie soll dafür sorgen, dass die Automobilindustrie wieder mehr Gehör findet im politischen Berlin. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sind auch zum Neujahrsempfang gekommen. Mit beiden ist Hildegard Müller nach früheren gemeinsamen Tagen in der Union immer noch per „Du“.

Hildegard Müller mit klarer Agenda

Für ihre neue Position im Automobilverband setzt sich Müller eine klare Agenda. „Deutschland braucht eine starke Automobilindustrie“, sagt sie. Automobilhersteller und Zulieferer, die gleichermaßen das Bild des Verbandes prägen, dürften sich nicht auseinander dividieren lassen. Intern werde dabei selbstverständlich um Interessen gerungen, aber nach außen werde der VDA mit einer Stimme sprechen.

„Deutschland muss Innovations-Weltmeister bleiben“, ergänzt sie. Die Automobilindustrie leiste dazu einen wesentlichen Beitrag. Dazu gehörten aber auch ein wettbewerbsfähiges Steuersystem und entsprechende Energiepreise. „Wir nehmen den Klimawandel ernst“, spricht Müller die laufenden Diskussionen um Kohlendioxid-Emissionen und neue Grenzwerte an. Der Branche müsse es gelingen, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Daimler-Chef Ola Källenius kommt in seiner Rede zu den aktuell drängendsten Themen der Automobilindustrie. „Die Zukunft des Autos ist emissionsfrei und in großen Teilen elektrisch – ob batterieelektrisch, als Plug-in-Hybrid oder mit Brennstoffzelle“, betont der Automanager aus Stuttgart. Die Branche habe bereits große Anstrengungen unternommen, um die Kohlendioxid-Emissionen ihrer Flotten zu reduzieren.

Källenius richtet kritische Worte an die EU-Kommission in Brüssel, wo in ersten Ansätzen über eine weitere Verschärfung der Grenzwerte für Kohlendioxid diskutiert wird. Die aktuell gültigen Emissionsgrenzen seien erst vor einem Jahr festgelegt worden. „Was wir für die erfolgreiche Transformation unserer Industrie brauchen, ist Planungssicherheit. Und deshalb würde unser Verband es begrüßen, wenn die EU-Kommission für verlässliche Rahmenbedingungen sorgt – dazu gehören vor allem langfristige Flottengrenzwerte, die verbindlich sind und das auch bleiben“, betont der Daimler-Chef.

Dazu gehöre auch, dass der Verkehrssektor künftig in den europäischen Emissionshandel einbezogen werde. Mit einem solchen grundsätzlich marktbasierten Ansatz könnten technische Innovationen in der Autobranche weiter gefördert werden. Dieselbe Forderung hatte Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess zu Wochenbeginn bei einem Besuch in Brüssel erhoben.

Wohlwollende Worte von Wirtschaftminister Altmaier

Vor einem Jahr war Verkehrsminister Scheuer beim VDA-Neujahrstreffen der Hauptredner für die Bundesregierung gewesen. Dieses Mal genießt Wirtschaftsminister Altmaier den Vorrang. Der CSU-Verkehrspolitiker hatte vor zwölf Monaten mit seinen zum Teil kritischen Worten in Richtung Automobilindustrie Widerspruch ausgelöst.

Wirtschaftsminister Altmaier hat es dieses Mal mit seinen grundsätzlich wohlwollenden Äußerungen für die Automobilbranche wesentlich einfacher. „Der Strukturwandel hin zur Mobilität der Zukunft erfordert eine gemeinsame Kraftanstrengung von Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik, um die Erfolgsgeschichte Deutschlands als Autoland Nummer eins fortzuschreiben“, fordert der Minister.

Die Bundesregierung unterstütze diesen Transformationsprozess, insbesondere mit einer technologieoffenen Forschungs- und Projektförderung. Zudem setze sich die Regierung dafür ein, internationale Handelshemmnisse zu beseitigen, was vor allem für die stark exportorientierte Autoindustrie von großer Bedeutung sei. Individuelle Mobilität und Klimaschutz seien auf jeden Fall gleichermaßen möglich. Die deutsche Automobilindustrie werde das in den kommenden Jahren beweisen.

Unter dem Applaus der Zuhörer warnt Altmaier vor Umweltschutz um jeden Preis, der am Ende nur den Industriestandort Deutschland gefährde. Industriebranchen, die in der Bundesrepublik wegen zu scharfer Umweltauflagen aufgegeben werden müssten, wanderten in andere Teile der Welt ab – meist in Regionen mit deutlich schwächeren Umweltauflagen und entsprechend höheren Emissionen. „Klimaschutz und Ökologie wird damit ein Bärendienst erwiesen“, betont der Minister.

Hildegard Müller hat dem Minister aufmerksam zugehört. In der kommenden Woche beginnt ihre reguläre Arbeit im politischen Berlin. Als oberste Interessenvertreterin von Deutschlands einflussreichstem Wirtschaftsverband wird sie Wirtschaftsminister Peter Altmaier sicherlich schon bald wiedersehen. Dann kann sie ihn an seine freundlichen Worte vom VDA-Neujahrsempfang erinnern.