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Wie der Herr der Düfte seinen Konzern gegen die Coronakrise gewappnet hat

Der Deutsche Andreas Fibig leitet den Duft- und Aromenkonzern IFF. Gegen die Pandemie zeigt sich sein Unternehmen bislang erstaunlich robust.

Dass er seine Milliardenfusion vom Homeoffice aus realisieren würde, hätte Andreas Fibig sich nie vorstellen können. Doch der Deutsche an der Spitze des weltweit zweitgrößten Duft- und Aromenherstellers International Flavours & Fragrances (IFF) leitet den New Yorker Konzern nun schon seit neun Wochen aus seinem Haus in Greenwich im Norden New Yorks.  

Seit 2014 führt Fiebig das Unternehmen, das im vergangenen Jahr fünf Milliarden Dollar umgesetzt hat. Erst im Dezember hatte der 57-Jährige angekündigt, dass er die Ernährungssparte des US-amerikanischen Chemiekonzerns DuPont übernehmen wird, die US-Kartellbehörden haben bereits zugestimmt. Damit will er den Umsatz im kommenden Jahr mehr als verdoppeln. „Ich war zuvor kein großer Fan des Homeoffice. Aber es läuft besser als ich gedacht habe“, sagt Fibig.

Auch für sein Unternehmen, denn gegen die Coronakrise zeigt IFF sich bisher erstaunlich immun: Umsatz und Gewinn stiegen auch im ersten Quartal. Die Nachfrage nach Düften für Desinfektionsmittel steigt rasant, die Menschen waschen heute soviel Wäsche wie nie zuvor.

Das gilt auch für haltbare Lebensmittel: In Joghurt, Fertiggerichten oder Kartoffelchips stecken Aromen und Duftstoffe, die die Fabriken des „essenziellen Unternehmens“ IFF in Krisenzeiten weiterhin weltweit herstellen dürfen.

Verbraucherbefragungen zeigen, dass einige Trends wohl auch nach der Corona-Pandemie anhalten. „Alles zu desinfizieren wird bleiben, das ist jetzt fest in den Köpfen drin“, glaubt Fibig. Das gleiche gelte für den Trend zu mehr Ernährungszusätzen wie Vitamine, Proteine oder Zink oder den zum Fleischersatz.

Weniger gut läuft es bei den Aromen für Fast-Food- oder Kaffeehaus-Ketten, die vielfach geschlossen sind. Auch die Nachfrage nach Parfüms ist gesunken – sie werden zu einem Großteil an Flughäfen gekauft.

Fibig will nicht klagen, insgesamt ist er zufrieden, wie IFF sich in der Coronakrise schlägt: „Wir sind noch nicht geimpft, aber sehr resilient“, sagt der frühere Pharma-Manager, der vor seinem IFF-Engagement Karriere bei Boehringer Ingelheim, Pfizer und Bayer gemacht hat.   

Für die Sicherheit der eigenen Angestellten habe er früh gesorgt, geholfen haben ihm die unternehmensinternen Erfahrungen in China. „Da hilft es, global zu sein. Unter unseren 14.000 Mitarbeiter haben wir bisher vielleicht zwei Dutzend Corona-Fälle und keine ernsten.“

Die Zahlen geben ihm recht. Doch den gesamten Umgang mit der Pandemie in den USA im Gegensatz zu Deutschland nennt er chaotisch. Gerade eben noch hat er mit 28 anderen CEOs von Food-Zulieferern gezoomt. Sie alle seien sich einig: „Wir müssen das als Unternehmen in die Hand nehmen und unsere Erfahrungen austauschen“, sagt Fibig.

Vielerorts in den Vereinigten Staaten hat der private Sektor zu Beginn der Krise schneller Schutzmaßnahmen ergriffen als die Regierungen der Bundesstaaten oder in Washington. Daher dürften Unternehmen auch jetzt nicht auf die Anweisungen von oben warten. Noch diese Woche wird auch die Deutsch-Amerikanische Handelskammer in New York, der Fibig als Chairman vorsteht, unter dem Titel „Back to Business“ die Best Practices ihrer Mitglieder austauschen.

Bei IFF in China sind mittlerweile die Büro-Mitarbeiter wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, in den Niederlanden stehen sie kurz davor. In den USA wird es wohl noch ein wenig dauern: „Da stellen sich klassische New-York-Fragen: Was machen wir mit den Aufzügen? Heute kann doch keiner mit fünf anderen in der Kabine stehen.“ Ein Problem, dass sich auch dadurch nicht lösen lässt, dass er selbst bereit wäre, die elf Etagen ins Office zu Fuß zu nehmen.

Lehren aus der Krise

Seine Lieferkette stellt Fibig derzeit komplett neu auf. „Wir können ein Produkt nicht mehr nur in Fabrik A, dann B, dann C produzieren“, sagt der Manager. „Wir müssen auch auf D oder F ausweichen können.“ Künftig wird IFF zudem größere Vorräte vor Ort halten.

Eine weitere Lehre aus der Krise: Den Reise-Etat wird Fibig voraussichtlich deutlich senken. „Ich muss nicht mehr zweimal im Jahr nach Asien reisen. Einmal reicht. Das zweite Mal findet auf Zoom statt“, sagt der Manager, der bisher 100 Tage im Jahr unterwegs war.

Eine Weile wird das Coronavirus die Welt und damit auch sein Unternehmen noch im Griff haben, vielleicht sogar in Form von einer zweiten oder dritten Welle, befürchtet Fibig. Doch er ist zuversichtlich: „Wahrscheinlich werden wir bald bessere Medikamente zur Behandlung haben.“ Dass ein Impfstoff dagegen schon im Herbst auf den Markt kommt, hält er für unwahrscheinlich. „Das habe ich als Pharma-Manager noch nie erlebt.“

Persönlich kann er es kaum abwarten, dass wieder Normalität einkehrt. Fibig fühlt sich wohl in Greenwich und ist froh, nicht im Epizentrum in New York zu sein. „Aber derzeit machen wir High School zuhause, College zuhause, IFF zuhause. Da muss ich spätestens am Abend einfach raus.“