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Wie Herbert Diess daran scheiterte, mit Volkswagen ein zweites Tesla zu bauen

VW-CEO Herbert Diess überschätze sich damit, die gesamte Produktionskette moderner Autos zu kontrollieren - Copyright: Getty Images / Bloomberg
VW-CEO Herbert Diess überschätze sich damit, die gesamte Produktionskette moderner Autos zu kontrollieren - Copyright: Getty Images / Bloomberg

VW-CEO Herbert Diess verlässt das Unternehmen schlagartig zum September und weit vor Ablauf seines regulären Vertrages. Er rückt nach einer Abkühlphase auch nicht in den Aufsichtsrat, sondern verlässt das Unternehmen ganz. Die Meldung überraschte die Märkte am Wochenende, allerdings gab es seit einiger Zeit schon Anzeichen, dass Diess im Konzern umstritten war.

Vor zwei Jahren verlor Diess die Führung der Konzernhauptmarke Volkswagen, nachdem unter anderem die Inhaber-Familien Porsche und Piëch mit seiner Arbeit nicht zufrieden waren. Die Kritik an Diess entzündete sich vor allem am Bereich der Mitarbeiterführung und der Ausrichtung des Konzerns in die Zukunft. Permanenter Ärger mit den Betriebsräten war das Thema der vergangenen zwei Jahre. Die Diskussionen verschärften sich zu einem regelrechten Kleinkrieg, in dem Diess seinen Gegnern vorwarf, interne Informationen an die Medien weitergegeben zu haben. Wer sich aber mit dem Betriebsrat von VW anlegt, der sollte gut gerüstet sein. Diess war das nicht.

Elektromobilität über alles

Dabei war Herbert Diess im Jahr 2018 von den Angestellten mit Erleichterung begrüßt worden. Der Konzern steckte noch mitten im Diesel-Skandal und Diess versprach, diesen mit einer radikalen Elektro-Strategie hinter sich zu lassen. Mit einem fast atemberaubenden Tempo verordnete Diess dem Konzern einen weltweiten Strategiewechsel, sortierte die Marken neu und preschte in Sachen Elektromobilität voran. Diess erkannte, dass es vorwiegend zwei Bereiche sind, in denen sich die Zukunft der Autokonzerne entscheiden wird: Batterien und die Software der Fahrzeuge. Beides wollte Diess im eigenen Haus herstellen, um gegenüber der Konkurrenz einen Vorteil zu haben.

Dabei unterschätzte Diess die Komplexität, primär im Software-Bereich. Tesla hatte über zehn Jahre Zeit, eine eigene Software abseits der Aufmerksamkeit der großen Medien zu entwickeln. Elon Musk konnte auf das schier unerschöpfliche Reservoir an exzellenten Programmierern in Kalifornien setzen. Volkswagen sollte das Niveau von Tesla innerhalb von fünf bis acht Jahren erreichen und dabei auch noch besser sein. Dafür bündelte Diess die interne Entwicklung in einem neuen Unternehmen, Cariad, und zog die Kompetenzen dafür bei Audi und Porsche ab, was dort für großen Ärger sorgte.

An der Software der Fahrzeuge gescheitert

Doch die Entwicklung in Eigenregie sorgte für Probleme. Die Software-Tochter Cariad wurde mehrfach umstrukturiert, aber konnte die gewünschten Ergebnisse nicht abliefern. Die Auslieferungen des Golf 8 und des ID.3 verzögerten sich mehrfach, Kunden berichteten über massive Probleme. Auch intern verzögerten sich Projekte, wie der Audi Q6-E und der elektrische Porsche Macan, teilweise um Jahre.

Gleichzeitig schlug die Konkurrenz andere Wege ein. Daimler bedient sich bei Nvidia und der große europäische Konkurrent, Stellantis, kauft die Software bei Google und Qualcomm ein. Das hat zwar Nachteile, weil man die Entwicklung nicht mehr unter Kontrolle hat und sich so keinen Vorsprung erarbeiten kann, dafür ist der Einkauf deutlich günstiger und risikoärmer als die Eigenentwicklung. In einem Geschäft, in dem jeder Cent Gewinn zählt, spielen langfristige Überlegungen oft eine untergeordnete Rolle.

Diess wollte Volkswagen wie Tesla machen

Diess schwebte vor, aus der Volkswagen AG eine Art Tesla zu machen. Ein Konzern, der komplett digital denkt und die gesamte Produktionskette eines modernen Autos kontrolliert. Das ist nicht falsch, aber die Frage ist, ob ein so riesiger Konzern wie Volkswagen sich innerhalb von wenigen Jahren so umbauen lässt. Man macht aus einem analogen Unternehmen nicht innerhalb von fünf Jahren eine Softwareschmiede. Die Frage stellt sich auch, ob die Autokonzerne das auch sein müssen. Gegen die Entwicklungsgeschwindigkeit der Tech-Konzerne hat man ohnehin keine Chance.

Sein Nachfolger, Porsche-CEO Oliver Blume, gilt als besserer Moderator, vor allem im Umgang mit den Betriebsräten. Er muss nun entscheiden, ob er die Strategie von Herbert Diess fortführen will, oder ob er dem Konzern einen erneuten Kurswechsel verschreibt.

Video: Nach scharfer Kritik: VW-Chef Diess gibt Führung der Kernmarke ab

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