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Das ist der heimliche Strippenzieher der Kabinengewerkschaft UFO

Bei der Lufthansa drohen neue Streiks. Eine Schlüsselrolle spielt der ehemalige Chef der Kabinengewerkschaft Nicoley Baublies – der erst kürzlich sein Amt niederlegte.

Trotz seines Rücktritts als UFO-Chef bleibt der 46-Jährige das Gesicht der Gewerkschaft. Foto: dpa

Das Bild hat Symbolcharakter: Nicoley Baublies, früherer Chef und heutiger Vorstandsbeauftragter der Kabinengewerkschaft UFO, schüttelt Lufthansa-Personalvorständin Bettina Volkens die Hände – medienwirksam vor zahlreichen Kameras. Es sollte der Ausdruck für einen Neubeginn der seit Monaten völlig verkorksten Beziehung zwischen der UFO und Europas größter Fluggesellschaft sein. Das war am Donnerstag vergangener Woche.

Nur wenige Tage danach ist alles Makulatur. Die große Schlichtung zwischen UFO und Lufthansa ist gescheitert. Die Gewerkschaft droht ab kommender Woche wieder mit Streiks. Zwar will UFO zunächst abwarten, ob sich die Lufthansa noch rührt. „Sollte nichts geschehen, werden wir am Donnerstag kommender Woche ankündigen, wo und wann wieder gestreikt wird“, sagte Baublies.

Dass es zu einer erneuten Eskalation kommt, hat auch mit ihm selbst zu tun. Eigentlich hat der 46-Jährige in der UFO nichts mehr zu suchen. Die Hansa hat ihn als Purser (Kabinenchef) gefeuert, eine Wiedereinstellung ist bisher nicht erfolgt. Auch als UFO-Chef musste er im vergangenen Jahr zurücktreten – nach einem heftigen Führungsstreit und Missmanagement im Vorstand.

Dennoch ist Baublies weiterhin das Gesicht der Spartengewerkschaft: Er ist es, der Volkens die Hand schüttelt. Er ist es, der Briefe an Lufthansa unterzeichnet. Über die eigens geschaffene Rolle des „Beauftragten des Vorstands“ hat er sich seine Macht gesichert.

Viele Lufthanseaten haben damit ihre Probleme. Schon länger beklagen sie, dass sich Baublies zu sehr in strategische Entscheidungen einmischt. Im aktuellen Konflikt fürchten sie eine Wiederholung: Baublies könnte versuchen, die Lufthansa-Tochter Eurowings in die große Schlichtung mit einzubeziehen. Dort aber ist Verdi die maßgebliche Gewerkschaft.

Eine nicht unbegründete Sorge: Denn UFO will während der großen Schlichtung nur „vorerst“ auf Streiks bei Germanwings, Eurowings, Cityline und Sunexpress verzichten. Damit hätte Baublies trotz der Verhandlungen die Möglichkeit, seine Forderungen mit Streiks bei den Töchtern durchzusetzen.

Typisch für Baublies: Er ist ein Taktierer durch und durch. Weil ihm sein Job als IT-Experte zu langweilig wurde, entschied er sich für die Laufbahn als Kabinenmitarbeiter und arbeitete sich zum Purser hoch. Als er bei der UFO 2012 den Chefposten übernahm, war die kleine Gewerkschaft gespalten. Baublies einte die Truppen und führte sie 2015 durch einen äußerst harten Arbeitskampf.

Gleichzeitig sucht er ständig nach Anerkennung – was seiner taktischen Fähigkeit zuweilen im Wege steht. „Er entscheidet häufig sehr spontan“, beschreibt ein Wegbegleiter den Gewerkschaftler.

Dass das nicht immer gut geht, zeigte sich bei der letzten Schlichtung vor mehreren Jahren. Baublies akzeptierte dabei kontinuierliche Einbußen für die Kabinenbesatzungen. Viele von ihnen sind bis heute sauer auf Baublies.

Dennoch gelang es ihm, sich bei der UFO durchzusetzen. Mit UFO-Chefin Sylvia De la Cruz und ihrem Stellvertreter Daniel Flohr weiß er treue Kampfgefährten an seiner Seite. Deshalb geht man in Gewerkschaftskreisen auch davon aus, dass Baublies seine Macht bei den anstehenden UFO-Neuwahlen ausbauen wird.

Einfacher wird seine aktuelle Aufgabe dadurch aber nicht. Denn die geplatzte Schlichtung ist auch für Hansa-Personalvorständin Volkens ein herber Rückschlag. Zwar sehen viele im Konzern in der 56-Jährigen die ein‧zige Person, die noch in der Lage ist, eine Brücke zu Baublies zu schlagen.

Denn die promovierte Juristin hat sich tief in die hochkomplexe Tarifpolitik eingearbeitet. Damit hat sie sich Respekt bei den Gewerkschaften verschafft – auch bei Baublies, der ihr vor Jahren einmal vorgeworfen hatte, sie sei „völlig überfordert“. Dennoch werden gerade die Hardliner im Konzern versuchen, Volkens für das aktuelle Debakel verantwortlich zu machen.