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Ein Harvard-Professor sagt, er habe Alien-Technologie im Meer gefunden – oder ist es nur Industriemüll?

Der Physiker Avi Loeb (rechts) steht 2016 in New York auf der Bühne mit dem Physiker Stephen Hawking und anderen, die nichts mit diesem Artikel zu tun haben. - Copyright: Lucas Jackson/Reuters
Der Physiker Avi Loeb (rechts) steht 2016 in New York auf der Bühne mit dem Physiker Stephen Hawking und anderen, die nichts mit diesem Artikel zu tun haben. - Copyright: Lucas Jackson/Reuters

Die Behauptung eines Harvard-Professors, unter dem Meer entdeckte Metallkugeln könnten von Außerirdischen stammen, wurde erneut infrage gestellt.

Im Juli behauptete Avi Loeb, der Leiter eines Zentrums für Computergestützte Astrophysik in Harvard, dass die aus dem Pazifischen Ozean gebaggerten Kugeln von einem Meteoriten stammen könnten, der 2014 in der Nähe der Erde explodierte. Ihre bizarre chemische Beschaffenheit deute darauf hin, dass es sich um eine außerirdische Technologie handeln könnte.

Teile der wissenschaftlichen Gemeinschaft kritisieren Loeb und hielten seine Behauptungen für zu kühn und zu voreilig. Jetzt könnte eine Analyse eine bodenständigere Erklärung für die rätselhaften Kugeln liefern: Sie könnten einfach ein Nebeneffekt der Kohleverbrennung sein.

Kugeln aus Industrieabfällen

Patricio Gallardo, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter an der University of Chicago, analysierte die chemische Zusammensetzung von Kohleasche. Kohleasche ist ein Abfallprodukt, das bei der Verbrennung von Kohle in Kraftwerken und Dampfmaschinen anfällt. Als Referenz diente Gallardo eine öffentlich zugängliche chemische Kohledatenbank namens Coalqual.

Seine Analyse ergab, dass die von Loeb und Kollegen in den Metallkugeln festgestellten Konzentrationen von Eisen, Nickel, Beryllium, Lanthan und Uran "mit den Erwartungen für Kohleasche aus einer Datenbank für die chemische Zusammensetzung von Kohle übereinstimmen". Gallardo lehnte den meteoritischen Ursprung ab. Seine Analyse wurde auf einem Preprint-Server veröffentlicht und muss erst noch von Fachleuten überprüft werden.

"Nun, sie haben tatsächlich Beweise für eine technologische Zivilisation entdeckt... Direkt hier auf der Erde", sagte der Astrophysiker Caleb Sharf. Sharf, der beim Ames Center der Nasa arbeitet, äußerte seine Meinung in einem Beitrag auf X am 2. November. Loeb erklärte in einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag auf "Medium", die Behauptung über die Kohleasche basiere „auf unreflektierten Kommentaren, die oberflächlich ein paar Elemente von den Dutzenden, die wir analysiert haben, untersucht haben.“

"Um wissenschaftlich glaubwürdig zu sein, muss eine solche Behauptung die gemessenen Häufigkeiten aller Elemente reproduzieren und insbesondere den Verlust flüchtiger Elemente nachweisen - wie in unserer Arbeit abgeleitet."

Loeb lieferte mehrere Gegenargumente zu dieser Analyse. Er zitiert sein Teammitglied Jim Lem, Leiter der Abteilung für Bergbauingenieurwesen an der Technischen Universität in Papua-Neuguinea. Lem sagt: "In der Region, in der die Expedition durchgeführt wurde, sollte es keine Kohlemineralisierung geben." Er sagte auch, dass die Kügelchen mehr Eisen als Kohleasche enthalten würden.

Woher stammen die mysteriösen Metallkugeln?

Loebs Entscheidung, nach diesen Kugeln zu suchen, beruhte auf einem riskanten Spiel. Wie die "New York Times" berichtet, hatte das Team des Wissenschaftlers teilweise geheime Regierungsunterlagen aufgedeckt, die darauf hindeuten, dass im Jahr 2014 ein Objekt in der Nähe der Erde explodiert war.

Ihre Analyse sowie ein Schreiben des US-Weltraumkommandos legten nahe, dass der Feuerball von einem Objekt stammen könnte, das aus dem interstellaren Raum gekommen war, so die "Times". Dies brachte Loeb zu der Frage, ob es sich bei dem Objekt von 2014 um eine außerirdische Sonde handelte. Um seine Theorie zu überprüfen, unternahm Loeb große Anstrengungen, um Trümmer des Objekts zu bergen, das in der Nähe von Papua-Neuguinea gelandet sein müsste. Er beschaffte sich eine magnetische "Harke", die unter Tausenden von Metern Wassertiefe baggern konnte. Die Expedition wurde von einem Kryptowährungsmagnaten mit 1,5 Millionen US-Dollar (etwa 1,4 Millionen Euro) unterstützt.

Warum spekulierten die Wissenschaftler über einen Alien-Ursprung?

Dies war nicht Loebs erster Ausflug in die düstere Welt der Alien-Jagd. Er hat auch behauptet, dass es sich bei Oumuamua – ein seltenes interstellares felsiges Objekt, das wie eine Zigarre geformt war und ein bizarres Muster flog, als es die Erde passierte – wahrscheinlich um ein Stück außerirdischer Technologie handelte. Diese Behauptung wurde heftig angefochten, wie "Science" berichtete.

Die Expedition nach Papua-Neuguinea hätte scheitern können, wenn die Kugeln nicht magnetisch gewesen wären, so die "Times". Das Team fand jedoch Hunderte von Metallkugeln, winzige Kugeln, die das Markenzeichen von Meteoritentrümmern sind, wenn geschmolzenes Gestein in der Atmosphäre verglüht. Fünf der 57 Kugeln, die er aus dem Haufen analysierte, waren in der Tat bizarr, so Loeb und seine Mitautoren in einer im August online veröffentlichten Arbeit, die ebenfalls noch nicht von Fachleuten geprüft wurde.

Sie bestanden aus einem Überschuss an Beryllium, Lanthan und Uran, einer "noch nie dagewesenen" Zusammensetzung für die winzigen Kugeln, so die Studie. Die Kugeln enthielten auch bizarre Eisenisotope, Versionen von Atomen, die allesamt "für ihren interstellaren Ursprung sprechen".

Loeb und seine Kollegen nannten diese fünf Kugeln „BeLaU“ und gingen bei ihrer Interpretation noch einen Schritt weiter. Sie erklärten in ihrer Studie, dass diese "möglicherweise einen außerirdischen technologischen Ursprung widerspiegeln könnten", obwohl sie anmerkten, dass diese Behauptung weitere Untersuchungen erfordert. Die Fragmente "könnten ein Raumschiff einer anderen Zivilisation oder ein technisches Gerät sein", sagte Loeb im Gespräch mit CBS-News.

Die Alien-These wird unter Wissenschaftlern kontrovers diskutiert

Viele Wissenschaftler distanzierten sich schnell von der Interpretation von Loeb und seinen Kollegen. Einige stimmten zu, dass die bizarre Zusammensetzung der BeLaU-Kugeln auf einen außerirdischen Ursprung hindeuten könnte, stellten aber die Behauptung infrage, dass sie zwangsläufig außerhalb des Sonnensystems entstanden sind. Andere, die das Objekt aus dem Jahr 2014 analysierten, waren nicht der Meinung, dass es aus dem interstellaren Raum kommt, und sagten, dass die Zusammensetzung der Kugeln aus dem Sonnensystem stamme.

Loeb widersprach denjenigen, die er als seine "faulen Kritiker" bezeichnete. In einer Antwort auf eine Anfrage von Business Insider sagte Loeb, dass die Kohleasche nicht magnetisch genug gewesen wäre, um von der magnetisierten Baggerausrüstung aufgenommen zu werden, die die Wissenschaftler benutzten.

Loeb hält an seiner Alien-These fest

Laut Loeb hat die von seinem Team durchgeführte Analyse der Zusammensetzung der Kugeln und der Kohleasche "ergeben, dass die beiden in vielen Elementen, einschließlich Eisen, Silizium oder Aluminium, völlig unterschiedlich sind." Es sei unmöglich, dass die beiden miteinander verwechselt werden können. „Wir sind verblüfft über die Assoziation unserer Kügelchen mit Kohleasche.“

Er fügte hinzu, dass seine Forschungsteams derzeit die verbleibenden 93 Prozent der fast 800 gesammelten Kügelchen analysieren. "Es ist überraschend, dass irgendjemand mit Bestimmtheit sagen würde, dass es sich bei den Kügelchen um Kohleasche handelt, ohne Zugang zu den Materialien zu haben", sagte Loeb. "Die einzige Möglichkeit, die Art der Kugeln zu bestimmen, besteht in einer sorgfältigen wissenschaftlichen Analyse, die wir derzeit mit den besten Instrumenten der Welt durchführen."

Über eine vollständige Analyse der Zusammensetzung der Kugeln werde man berichten, sobald sie abgeschlossen sei, meinte Loeb. Auf Anfragen von Business Insider reagierte Gallardo nicht.

Lest den Originalartikel auf Englisch hier.