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Veranstalter verschieben Hannover Messe in den Juli

Die Veranstalter der Hannover Messe haben die weltgrößte Industrieschau auf den Juli verschoben. Grund ist die Ausbreitung des Coronavirus.

Die weltgrößte Industrieschau soll nun vom 13. bis 17. Juli stattfinden. Foto: dpa

Eine Verschiebung der Hannover Messe hat es in der mehr als 70-jährigen Geschichte der weltgrößten Industrieschau noch nie gegeben. Doch in Zeiten des Coronavirus wollen die Veranstalter von der Deutschen Messe auf Nummer sicher gehen. „Wir sind seit drei Wochen im engen Austausch mit unserem Beirat, den teilnehmenden Verbänden und den großen Ausstellern“, sagte Messechef Jochen Köckler dem Handelsblatt. „Gestern Abend haben wir uns entschieden, der dringenden Empfehlung des Gesundheitsamtes nach einer Verlegung zu folgen.“

Die Hannover Messe gilt als weltweit größte Industriemesse mit Hunderttausenden Besuchern. Rund 6000 Aussteller aus mehr als 70 Ländern werden erwartet, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich wie in den Vorjahren als Ehrengast angekündigt. Begleitet werden soll sie vom indonesischen Präsidenten Joko Widodo, dem Staatsoberhaupt des diesjährigen Gastlandes Indonesien.

Nach jetzigem Stand soll das Programm der Messe trotz der Verschiebung unverändert durchgeführt werden. „Wir sind optimistisch, unsere feierliche Eröffnung und den geplanten Messerundgang mit der Kanzlerin und dem indonesischen Präsidenten dann im Juli durchführen zu können“, sagte Köckler.

Die teilnehmenden Verbände, allen voran der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) sowie der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), äußerten Verständnis für die Entscheidung. „Angesichts der aktuellen Schwierigkeiten, die durch das Coronavirus verursacht werden, halten wir eine Verschiebung der Messe in den Juli für richtig“, sagte VDMA-Geschäftsführer Thilo Brodtmann.

Wolfgang Weber, ZVEI-Geschäftsführer, ergänzte: „Die Hannover Messe lebt als international bedeutende Industriemesse von der Begegnung von Menschen aus aller Welt.“ Diese könne nur erfolgen, wenn keine Gesundheitsgefahren bestehen, so Weber.

Bei Siemens, traditionell einer der größten Aussteller auf der Messe, hieß es, man plane nun mit der Eröffnung der Messe im Juli. Der Konzern hatte eigentlich am Dienstag und Mittwoch auf einer Vorab-Pressekonferenz zur Messe über Technologiethemen informieren wollen. Wegen des Coronavirus fand die Veranstaltung aber nur als Webcast statt.

Enger Austausch mit den Gesundheitsbehörden

Als Veranstalter rechnet die Deutsche Messe bislang nicht mit größeren finanziellen Schäden durch den Aufschub. „Wir sind zuversichtlich, die entstehenden Kosten vom April auf den Juli verlegen zu können“, so Köckler. Auch im Hinblick auf die Besucherzahlen gab sich Köckler optimistisch. Wichtige Aussteller hätten für den neuen Termin bereits zugesagt. „Wir rechnen damit, dass die Lust auf Messen nach den vielen Ausfällen ab dem Sommer wieder zunimmt“, so der Manager.

Die Organisatoren hatten die Lage während der vergangenen Wochen intensiv beobachtet, nachdem sich der Erreger von China aus zunehmend auch in europäischen Ländern verbreitet hatte. Andere internationale Messen wie der Mobile World Congress in Barcelona, die ITB in Berlin, die Leipziger Buchmesse, der Genfer Automobilsalon oder die Handwerksmesse in München wurden bereits gestrichen.

In Hannover stand die Messegesellschaft lange im Austausch mit den Gesundheitsbehörden. „Wir schauen uns die Entwicklung tagtäglich an“, hatte ein Sprecher erklärt. Auch IT-Konzerne wie Google, Amazon, Huawei, SAP oder Microsoft hatten sich zur diesjährigen Hannover Messe angemeldet.

Zunächst war noch ein gesondertes Hygiene- und Gesundheitskonzept erarbeitet worden. Bei der Reifenmesse „Tire Technology Export“ hatte es jüngst verschärfte Sicherheitsvorkehrungen gegeben: Besucher mussten bestätigen, in den Tagen vor ihrer Ankunft nicht in China gewesen zu sein. Körpertemperatur-Scanner wurden eingeführt und Spender mit Desinfektionsspray aufgestellt. Sicherheitsleute öffneten Türen zur Vermeidung von häufigem Kontakt mit Türklinken.

Zwei für den März geplante Branchentreffen hatten die Veranstalter in Hannover ebenfalls bereits verschoben. Sowohl die Halal-Messe für islamkonforme Produkte als auch die IT-Messe Twenty2X sollen neue Termine bekommen.

Bei der Hannover Messe hatte es Absagen von Teilnehmern bisher nicht in größerem Umfang gegeben. Allein wegen der Reisebeschränkungen in China hatte die Deutsche Messe AG aber schon mit deutlich weniger Gästen als üblich aus der Volksrepublik gerechnet. Die Ausstellung wollte in diesem Jahr vor allem neue Technologien für mehr Klimaschutz, den jüngsten Stand beim 5G-Mobilfunkstandard und datengesteuerte künstliche Intelligenz zeigen.