Deutsche Märkte geschlossen

Hannover Messe fällt dieses Jahr endgültig aus

Erstmals seit mehr als 70 Jahren findet 2020 keine Hannover Messe statt. Der Veranstalter der weltgrößten Industrieschau setzt stattdessen auf digitale Angebote.

Spätestens im kommenden Jahr sollen die Messehallen ihre Tore wieder öffnen. Foto: dpa

Nachdem die Hannover Messe wegen der Coronakrise vor wenigen Wochen in den Juli verschoben worden war, sagte der Veranstalter Deutsche Messe die weltgrößte Industrieschau am Donnerstag für das laufende Jahr endgültig ab. „Grund ist die zunehmend kritische Lage aufgrund der Covid-19-Pandemie und eine Untersagungsverfügung der Region Hannover“, teilte das Unternehmen mit. Demnach dürfe die weltweit wichtigste Industriemesse im geplanten Zeitraum nicht ausgerichtet werden.

Für die Zeit bis zur nächsten Hannover Messe im April 2021 wollen die Veranstalter ein digitales Angebot einrichten. „Der Bedarf an Orientierung und Austausch ist besonders in Krisenzeiten wichtig“, sagte Messechef Jochen Köckler. „Deshalb arbeiten wir gerade mit Hochdruck an einer digitalen Informations- und Netzwerkplattform, die wir schon in Kürze für unsere Kunden öffnen werden.“

So soll es verschiedene Online-Formate geben, mit denen sich Aussteller und Besucher über Wirtschaftspolitik und Technologien austauschen können. Geplante Bühnen-Interviews und Podiumsdiskussionen sollen nun per Stream stattfinden. Zudem soll das digitale Portal der Messe so ausgebaut werden, dass darüber verschiedene Teilnehmer in Kontakt treten können.

Es ist das erste Mal in der 73-jährigen Geschichte der Hannover Messe, dass die Veranstaltung nicht ausgerichtet wird. Spätestens im kommenden Jahr sollen die Hannoveraner Messehallen ihre Tore wieder öffnen. „Wir sind fest überzeugt, dass den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch nichts ersetzen kann, und freuen uns schon jetzt auf die Zeit nach Corona“, sagte Köckler.

Die teilnehmenden Industrieverbände äußerten Verständnis für die Entscheidung. „Die Absage der Hannover Messe 2020 ist eine bedauerliche Entscheidung, aber es ist die einzig richtige“, sagte Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). „Die Maschinenbauindustrie muss sich jetzt darauf konzentrieren, die Folgen der Pandemie in den eigenen Betrieben abzufedern, um anschließend wieder durchstarten zu können.“

Unternehmen wollen Zeit bis 2021 für Corona-Bewältigung nutzen

Wolfgang Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) ergänzte: „Unsere Unternehmen werden die Zeit bis 2021 nutzen, um die erheblichen Folgen von Corona abzuarbeiten.“

Branchenexperte Udo Traeger von der Beratung Exhibition Doctors meint zur Absage: „Das ist für alle Beteiligte schmerzvoll – finanziell, aber auch inhaltlich. Und es sieht nicht so aus, als ob die in den Herbst verschobenen Messen stattfinden können, wenn man den Virologen glaubt.“ Der Produktions- und Innovationszyklus der Industrieunternehmen richte sich stark auf solche Messen aus und werde nun möglicherweise unterbrochen, fürchtet er.

Für viele Beobachter kommt der Schritt wenig überraschend. Bereits in den vergangenen beiden Wochen hatte die Deutsche Messe zahlreiche Veranstaltungen für das laufende Jahr abgesagt oder auf deutlich später verschoben, ebenso wie viele andere Unternehmen aus der Branche.

Nach bisherigen Berechnungen des Messeverbands Auma werden die zahlreichen Messeabsagen und Verschiebungen die deutsche Wirtschaft rund 5,5 Milliarden Euro kosten. Rund 45.000 Arbeitsplätze könnten dadurch betroffen sein. Darin ist die Absage der Hannover Messe noch nicht eingerechnet, die Signalwirkung für andere Messen im Sommer und Herbst haben könnte.

Die Corona-Pandemie trifft die Messebranche hart. Laut Branchenmagazin „m+a“ wurden bis dato weltweit 1530 Messen und Ausstellungen weltweit verschoben oder abgesagt: 902 in Europa (davon 314 in Deutschland), 381 in Asien, 204 in Nordamerika, acht in Südamerika, 20 in Afrika, 15 in Australien.