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Hacken gegen das Coronavirus

Die Bundesregierung hat für das Wochenende mit mehreren Initiativen zu einem Hackathon aufgerufen. Das Ziel: kreative Lösungen gegen die Coronakrise. Im Interview erklärt eine der Initiatorinnen, worum es dabei geht.

Christina Lang ist Geschäftsführerin von 4Germany und verantwortet die Fellowship-Programme Tech4Germany und Work4Germany. Gemeinsam mit Code for Germany, Impact Hub Berlin, ProjectTogether, SEND e.V., Initiative D21, Prototype Fund hat Tech4Germany den #WirVsVirus Hackathon unter der Schirmherrschaft der Bundesregierung initiiert. 

WirtschaftsWoche: Frau Lang, für alle nicht so technikaffinen: Was ist das eigentlich genau, ein Hackathon?
Christina Lang: Hacken heißt, sich zusammen in einem bunt gemischten Team über ein ganz konkretes Problem Gedanken zu machen. Bei Hackathons kommen Kreative und Technikaffine zusammen, um in einem festgelegten Zeitraum im Team an einer Lösung zu arbeiten. Das könnte zum Beispiel eine App, eine Website oder ein Konzept sein, aber auch eine nicht-digitale Idee.

Und wer hatte die Idee zum #WirVsVirus-Hackathon?
Am vergangenen Wochenende gab es in Estland einen “Hack the Crisis”-Hackathon. Daraufhin hatte ich die Idee, dass man auch in Deutschland das aufkeimende Engagement im sozialen Sektor unbedingt mit der Reichweite und Expertise der Bundesregierung verbinden sollte. Also habe ich mit Adriana Groh vom Prototype Fund ein kurzes Konzept formuliert und via Twitter direkt mit anderen Initiativen und mit Mitgliedern des Digitalrats gesprochen. Wir haben alle starke Netzwerke mit Menschen, die etwas bewegen wollen. Also haben wir kurzerhand entschieden, nach estnischem Vorbild einen Hackathon zu organisieren.

Wie kam es dann dazu, dass daraus so schnell eine richtig große Aktion wurde, die von der Bundesregierung unterstützt wird?
Tech4Germany steht unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzleramtes, weshalb es relativ schnell zu einem Austausch über unsere Idee kam. Wir haben gerade ein enormes Momentum. Denn jedem ist klar, dass wir etwas tun müssen.  Der Coronavirus und seine Folgen betreffen uns alle. In unseren Netzwerken der beteiligten Initiativen, aber auch in der breiten Zivilbevölkerung haben in den vergangenen Wochen schon unzählige Gruppen und Einzelpersonen begonnen, nach Lösungen zu suchen. Auch in anderen Ländern kann man sehen, dass digitale Vorschläge aus der Gesellschaft einen Unterschied machen können. 

Wie war denn die Reaktion im Kanzleramt, als Sie die Idee dort vorgeschlagen haben?
Ausgesprochen positiv. 

Was ist das konkrete Ziel, das Sie in den 48 Stunden erreichen wollen?
Generell hat jeder Hackathon das Ziel, eine Vielzahl an prototypischen Lösungen zu entwickeln und die “Schwarmintelligenz” der Gesellschaft zu aktivieren. Lösungen heißt in diesem Fall, dass noch nicht alles zwingend fertig designed oder programmiert sein muss. Der #WirVsVirus-Hackathon hat zwei Ziele: Wir wollen den Tatendrang der Bürgerinnen und Bürger zusammenführen und ein Netzwerk schaffen. Nur so lassen sich Vorschläge für die bestmöglichen Ergebnisse bündeln. Unsere Idealvorstellung ist es, dass wir dann am Ende jede Menge kreative Lösungen haben, die uns in diesen schwierigen gesellschaftlichen Zeiten näher zusammenbringen. Der Hackathon ist erst der Startschuss. Wir arbeiten derzeit an einem Konzept zur Verstetigung.

Wer kann mitmachen?
Mitmachen kann jede und jeder, der Zeit, Lust und Internet hat. Natürlich wird es sehr wahrscheinlich in jedem Team jemanden geben, der programmieren kann. Allerdings werden die Ergebnisse durch verschiedene Perspektiven nachweislich besser. Wir brauchen daher auch Menschen mit direkten, praktischen Erfahrungen im Umgang mit der aktuellen Lage. Deshalb rufen wir ausdrücklich jede und jeden auf, sich zu beteiligen. Bisher, Stand Mittwochabend, haben sich schon fast 5000 Menschen angemeldet.

Und wie läuft das dann ganz konkret ab? Es müssen ja alle von zu Hause aus mitmachen.
Unser Hackathon findet natürlich digital statt. Die Teams finden sich in einer Art Messenger-Dienst zusammen, können Gruppen für ihre Teams erstellen und kommunizieren durch Nachrichten oder via Videotelefonie miteinander. Wir Organisatoren stellen ein Team, das über das gesamte Wochenende den Hackathon moderiert und für alle als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Zu Beginn und zum Ende sowie zu festen Zeiten finden Videokonferenzen mit allen Teilnehmern statt. Zusätzlich gibt es ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren, die die Teams inhaltlich unterstützen, ebenfalls per Live-Chat oder Videokonferenz. 

Und wie bereiten Sie das alles gerade vor?
Natürlich auch ausschließlich mit Videokonferenz und Online-Diensten. Die meisten von uns haben sich noch nie persönlich getroffen. Und wir freuen uns schon auf den Tag, an dem wir das nachholen können.