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„Hier haben wir keinen guten Job gemacht“

Littmann, Saskia

Mit einer E-Mail an seine Nutzer will sich der Neobroker Trade Republic für die Handelsausfälle durch den Gamestop-Hype entschuldigen. Das kommt nicht bei allen gut an. Das Vertrauen ist weg, viele wollen Geld zurück.

 Foto: dpa
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Die Mail, die die Trade Republic-Nutzer am Mittwochmorgen in ihren Postfächern hatten, fängt versöhnlich, fast unterwürfig, an: „Falls Du vom Kauf-Stop dieser Aktien betroffen warst, wollen wir uns persönlich bei Dir entschuldigen“, schreiben die Trade Republic-Gründer Christian Hecker, Thomas Pischke und Marco Cancellieri in dem persönlichen Schreiben. „Hier haben wir keinen guten Job gemacht“, beschreiben sie die Geschehnisse der vergangenen Woche.

Zur Erinnerung: Nachdem die Aktie des US-Computerspieleanbieters Gamestop massenhaft gehandelt wurde und insbesondere durch Millionen von Kleinanlegern von 13,66 Dollar im Dezember auf einen Höchstwert von knapp 500 Dollar getrieben wurde, sah sich Trade Republic am vergangenen Donnerstag gezwungen, den Kauf von stark gefragten Aktien wie Gamestop auszusetzen. Keiner konnte nachkaufen, nur bestehende Positionen durften verkauft werden.

Auch wenn andere Broker – allen voran der US-Neobroker Robinhood – ähnlich agierten, war der Aufschrei auch rund um Trade Republic riesig. Nutzer witterten Marktmanipulation und fürchteten vor allem um ihre Orders und Gewinne. Das Vertrauen in den Smartphone-Broker, der eigentlich das Volk an die Börse bringen will, war gebrochen, das Volk schwer enttäuscht. Und daran, so scheint es, wird wohl auch die jüngste Mail wenig ändern.

Die Mail ändere gar nichts und sei nur ein letzter Versuch, das Image zu retten, schreibt ein Nutzer im Facebook-Forum des Neobrokers. „Also, ich bin raus, mir ist das definitiv zu unsicher“, schreibt der nächste. Wer solche PR-Maßnahmen schluckt, könne ja auch an den Weihnachtsmann glauben, meint ein Dritter.

Andere wiederum halten die Mail für eine gute Aktion von Trade Republic. „So eine Ehrlichkeit sieht man selten“ und „starke Mail“, heißt es im Facebook-Forum.

Tatsächlich gibt sich der Neobroker alle Mühe, seinen Nutzern den Kauf-Ausfall zu erklären. Der Handelsplatz Lang & Schwarz (LS Exchange), über den Trade Republic seine Orders abwickelt, sei in wesentlichen Teilen ausgefallen. Aufgrund der Überlastung musste auf den Ausweichplatz Tradegate gewechselt werden, trotzdem kam es aufgrund der hohen Zahl an Orders zu Verzögerungen. „Um die Kapazitäten zu erhöhen, musste der gesamte Aktienhandel vorübergehend unterbrochen werden.“

Für die Nutzer waren diese Ausfälle teils sehr teuer, da ihre Orders erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgelöst wurden. Von Verlusten in Höhe von mehreren tausend Euro wird berichtet. Viele Kunden haben Beschwerden eingereicht, die Frage, inwiefern ein Broker in solchen Fällen für die Ausfälle haftbar ist, dürfte in der nächsten Zeit einige Anwälte beschäftigen.

Trade Republic gibt sich dagegen als Beschützer der Kleinanleger: „Es gab Bedenken, dass es im Zuge der besonders hohen Volatilität rasche Einbrüche der Kurse von Titeln wie Gamestop oder AMC hätte geben können. In diesem Fall hätten technische Verzögerungen dazu geführt, dass es möglicherweise zu starken Verlusten gekommen wäre“, heißt es in der Mail.

Gleichzeitig weist der Neobroker darauf hin, dass viele seiner Kunden zum ersten Mal Geld anlegen, und will seine App in Zukunft um entsprechende Risikohinweise ergänzen.

Auch einem Vergleich mit Robinhood versucht Trade Republic einen Riegel vorzuschieben. „Wir arbeiten nicht mit Hedge Funds zusammen“, betont der Neobroker in seiner Mail. Bei Robinhood hatte das Kaufverbot für einzelne Aktien zusätzlich für Entsetzen bei den Kunden gesorgt, weil Robinhood einen Großteil seiner Umsätze mit dem Verkauf des Orderflows an Hedgefonds generiert – ausgerechnet denen, die die Kleinanleger mit ihrer Gamestop-Jagd bekämpfen wollten. Auch das Geschäftsmodell von Trade Republic basiert auf diesem sogenannten „Payment for Order flow“, allerdings macht der Berliner Broker das Geschäft nicht mit Hedgefonds, sondern mit Handelsplattformen, die keinen eigenen Handel betreiben.

Ob Trade Republic mit diesem Brief das Vertrauen der Nutzer zurückgewinnt, ist fraglich. Die jüngsten Bewertungen im App-Store verheißen nichts gutes. Von „Fake Broker“, „Betrug“ und „Einschränkung der Marktfreiheit“ ist dort zu lesen.

Aber am Ende muss sich auch jeder Nutzer an die eigene Nase fassen. Nicht umsonst heißt es „there is no free lunch“, oder „wer billig kauft, kauft zweimal“. Das gilt auch im Broker-Geschäft. Wer kaum etwas für seine Orders bezahlt, und sich für einen jungen Smartphone-Broker entscheidet, der muss auch damit rechnen, dass die Systeme an besonders handelsstarken Tagen überlastet sind.

Wer dagegen einen etablierten Broker wählt, der schon länger am Markt ist, über sichere und vor allem mehrere Handelsplätze handelt, kann erwarten, dass der Handel auch an aufregenden Tagen reibungslos funktioniert. Klar, dafür fällt dann auch eine etwas höhere Ordergebühr an.

Mehr zum Thema: Im Moment tut alle Welt so, als entbrenne um die Gamestop-Aktie ein finaler Kampf zwischen jungen Helden und dunklen Mächten. Völliger Unsinn. Ein offener Brief an die neue Generation Aktie.