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Der große Vorteil Mexikos gegenüber den USA könnte „Made in America“ zum Erliegen bringen

Die wachsende Produktionsbasis Mexikos könnte mehr US-Unternehmen davon überzeugen, ihre Lieferketten dorthin zu verlagern – und nicht in die USA. - Copyright: AP Photo/Mario Armas
Die wachsende Produktionsbasis Mexikos könnte mehr US-Unternehmen davon überzeugen, ihre Lieferketten dorthin zu verlagern – und nicht in die USA. - Copyright: AP Photo/Mario Armas

Der Vorstoß der US-Unternehmen, mehr in Amerika zu produzieren, hat ein ständiges Problem: Es ist schwer, Arbeitskräfte zu finden.

Das liegt zum Teil an der niedrigen Arbeitslosenquote. Diese könnte es Unternehmen erschweren, Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe in die USA zurückzuholen, sagt Christian Ulbrich. Er ist CEO des Immobiliendienstleisters JLL.

"Es gibt keine Menschen, die die Arbeit machen", sagte Ulbrich auf dem jüngsten Weltwirtschaftsforum zu Business Insider.

Laut Ulbrich steht dies in scharfem Kontrast zu Mexiko. Die wachsende Produktionsbasis des Nachbarlandes könnte Unternehmen dazu verleiten, Investitionen in die dortige Lieferkette und nicht in den USA zu tätigen.

Einige Konzerne, wie General Motors und Intel, haben zur Freude der Biden-Regierung bereits Pläne angekündigt, einen größeren Teil ihrer Lieferketten und ihrer Produktion zurück an die US-Küste zu verlagern. Das wird oft als "on-shoring" oder "re-shoring" bezeichnet. Die US-Regierung investiert außerdem Milliarden von Dollar, um die heimische Produktion von Elektrofahrzeugen, Halbleiterchips und Batterien anzukurbeln.

Aber der Mangel an Arbeitskräften hat sich bereits als Hindernis für die "Made in America"-Bewegung erwiesen. Obwohl der Pandemie-bedingte Arbeitskräftemangel nachgelassen hat, übersteigt die Nachfrage nach Bau- und Fabrikarbeitern weiterhin das Angebot.

Einige Unternehmen wenden sich angesichts des Arbeitskräftemangels in den USA an Mexiko

Seit 2020 brachten die Corona-Pandemie, Russlands Einmarsch in die Ukraine, der weltweite Klimawandel und in jüngster Zeit auch die Angriffe der Huthi-Rebellen im Roten Meer die globalen Lieferketten ins Wanken. Diese Faktoren, zusammen mit der zunehmenden Angst vor einer möglichen Chinesischen Invasion in Taiwan, haben einige US-Unternehmen dazu veranlasst, die Produktion ihrer Waren näher an die Heimat zu bringen.

Unternehmen wie Ford und Tesla haben einen Teil ihrer Lieferketten "near-shored" oder "friend-shored". Das tun sie, indem sie sich mehr auf Länder wie Mexiko verlassen, die physisch und politisch nah sind – und trotzdem oft billiger als die USA. Wie "Reuters" berichtet, erhielt Mexiko in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 29 Milliarden US-Dollar (etwa 26,5 Milliarden Euro). Das entspricht einem Anstieg von fünf Prozent im Vergleich zu 2022. Mehr als die Hälfte dieser Investitionen entfiel auf den Industriesektor.

Wenn Länder wie Mexiko das Risiko von Lieferketten verringern und ein angemessenes Arbeitskräfteangebot für einige Unternehmen bieten können, dann ist ein Anstieg des "Nearshoring" vielleicht eine gute Sache für die US-Wirtschaft. Niedrigere Arbeitskosten könnten billigere Waren für die US-Verbraucher bedeuten. Und wenn die meisten Amerikaner erwerbstätig sind – oder nicht über die erforderlichen Qualifikationen für eine Tätigkeit im verarbeitenden Gewerbe verfügen – ist der Verlust einiger Arbeitsplätze vielleicht gar nicht so schlimm.

Andererseits sagte Susan Golicic, Professorin für Lieferketten an der Colorado State University, dass die Arten von Arbeitsplätzen im verarbeitenden Gewerbe, die durch On-Shoring entstehen, in der Regel besser bezahlt werden als viele Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Daher sollten sie für viele Amerikaner attraktiv sein – unabhängig davon, ob sie bereits einen Arbeitsplatz haben oder nicht.

Mexiko ersetzt auch andere Handelspartner der USA

Unter anderem aufgrund dieser Nearshoring-Verlagerung überholte Mexiko im vergangenen Jahr Kanada und China als Amerikas wichtigster Handelspartner. Auf Mexiko entfallen über 15 Prozent der von den USA exportierten und importierten Waren. Im vergangenen Mai verzeichnete Mexiko weltweit die zweithöchsten Exporte aller Zeiten.

"Viele Unternehmen ziehen anstelle der asiatischen Länder Mexiko für die Produktion in Betracht. So können sie bei größeren Unterbrechungen der Lieferkette, wie sie in Asien häufig vorkommen, näher dran sein", sagte Golicic. "Mexiko ist nah und die Arbeitskosten sind immer noch viel niedriger als in den USA."

Die Arbeitskosten in der mexikanischen Fertigung sind auch günstiger als in China. Dort stiegen in den letzten Jahren die Löhne in der Fertigung, so Andres Abadia, Chefökonom für Lateinamerika bei Pantheon Macroeconomics. Das Durchschnittsalter in Mexiko liege bei etwa 30 Jahren – im Vergleich zu fast 40 Jahren in China. Das habe zu einem hohen Arbeitskräfteangebot beigetragen.

"Unternehmen, die nach Mexiko umziehen, haben eine größere Sichtbarkeit, Kontrolle und Einfluss auf das Personalwesen und auch auf die Qualität ihrer Waren und profitieren von kürzeren Lieferzeiten", sagte er.

Aber die Produktion in Mexiko ist auch nicht ohne Herausforderungen. Die begrenzte Infrastruktur, die uneinheitliche Energie- und Wasserversorgung und die Bedrohung durch Bandenkriminalität könnten bei anhaltenden Investitionen in das Land verstärkt auf den Prüfstand gestellt werden. Im Vergleich zu Mexiko würde die Produktion in den USA den Unternehmen wahrscheinlich weniger Unterbrechungen der Lieferkette und geringere Transportkosten bieten.

"Es gibt viele Nachteile des Nearshoring nach Mexiko, darunter ein kompliziertes Arbeitsrecht, Kriminalität und Gewalt, Geschäftsabläufe sowie regulatorische und rechtliche Hindernisse", so Abadia.

Warum sich die USA und Mexiko am besten gegenseitig ergänzen

In der Realität werden viele Unternehmen sowohl in den USA als auch in Mexiko in ihre Lieferketten investieren, erklärte Luis Torres, ein leitender Wirtschaftswissenschaftler bei der Federal Reserve Bank of Dallas. Er erinnerte an einen kürzlichen Besuch in der Produktionsstätte eines Automobilherstellers in San Antonio, wo er erfuhr, dass der Standort einige Teile aus Mexiko und andere aus Tennessee und Alabama bezog. Ebenso würden viele mexikanische Fabriken Teile verwenden, die in den USA hergestellt werden.

"Die mexikanische Produktion ist eine Ergänzung der US-amerikanischen Produktion", sagte er. "Sie ist keine Konkurrenz."

Wenn die USA jedoch in den kommenden Jahren den Schwerpunkt auf die heimische Fertigung legen wollen, könnten sie einige Schritte unternehmen, um ihr Arbeitskräfteangebot zu erhöhen. Golicic von der Colorado State University sagte, Unternehmen könnten wettbewerbsfähige Löhne und Sozialleistungen bieten, um Arbeitskräfte anzuziehen. Vielleicht könnten sie auch auf mehr Vertragsarbeiter oder Subunternehmer setzen.

Wo ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften das Problem ist, helfen Investitionen in Ausbildungsprogramme, einige der Lücken zu schließen. Und wo einfach nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, könnte eine Erhöhung der Einwanderungszahlen Teil der Lösung sein.

Doch auch, wenn die Regierungen das On-Shoring fördern können, liegt es an den Wirtschaftsführern, zu entscheiden, inwieweit sich Investitionen in "Made in America" lohnen.

"Letztendlich müssen Unternehmen in ihrer Kosten-Nutzen-Gleichung entscheiden, ob dies sinnvoll ist", so Golicic.

Lest den Originalartikel auf Business Insider