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Großbanken rufen zu Kampf gegen Rassismus auf

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Die Chefjustiziare von zwölf globalen Banken fordern in einem offenen Brief mehr Einsatz von der eigenen Branche: Geldhäuser müssten nicht-weiße Mitarbeiter besser fördern.

Es sind deutliche Worte. Wenige Wochen vor der US-Präsidentenwahl mischen sich zwölf internationale Großbanken in die aufgeheizte Debatte um Todesschüsse durch US-Polizisten auf schwarze Bürger und rassistische Diskriminierung im Rest der Welt ein.

Getragen wird die Initiative von den „General Counsels“, den Chefjustiziaren der Banken. Sie fordern in einem offenen Brief die „globale Juristengemeinschaft“ auf, sich stärker für mehr Diversität in der Arbeitswelt und ethnisch gemischtere Führungsetagen einzusetzen – kurz: für Vielfältigkeit und Chancengleichheit.

Zu den Unterzeichnern gehören Karen Kuder, Group General Counsel der Deutschen Bank, Markus Diethelm von der Schweizer UBS und Karen Seymour vom US-Haus Goldman Sachs. Unterschrieben haben zudem die Chefjustiziare von Credit Suisse, BNP, HSBC, JP Morgan und weiteren britischen und US-amerikanischen Großbanken.

„Gewalttaten gegen Schwarze haben unsere Aufmerksamkeit dramatisch auf rassistische und soziale Ungerechtigkeiten in allen unseren Gesellschaften gelenkt. Als Leiter der Rechtsabteilungen von Finanzunternehmen haben wir uns zusammengeschlossen, um Diskriminierung in jeglicher Form anzuprangern und unsere Unterstützung für diejenigen auszudrücken, die diesen Erfahrungen ausgesetzt waren“, heißt es in dem Schreiben.

Die Chefjustiziare fordern in der Folge eine „integrativere Kultur am Arbeitsplatz“, den Kampf gegen Rassismus und die Förderung ethnischer Minderheiten.

„Die jüngsten Ereignisse veranlassen uns, unsere Anstrengungen zu verstärken“, erklärt Diethelm, einer der Initiatoren. Statt sich am Mittelmaß zu orientieren, sollte die Individualität im Zentrum der Firmenkultur stehen. „Wie kann eine Gesellschaft, die immer noch der Überzeugung ist, dass Einzelne aufgrund eines etablierten Mittelwerts beurteilt werden, jemals Bedingungen schaffen, die Verständnis für und Vorteile von Andersartigkeit fördern?“, mahnt er.

Auch externe Kanzleien müssen umdenken

Konkret fordern die Chefjustiziare in drei Bereichen zum Handeln auf. Erstens müsse es mehr interne Initiativen geben, um nicht-weiße Mitarbeiter zu fördern, zum Beispiel über Plattformen, die diese auf dem Weg in Führungspositionen unterstützen – insbesondere im „Kerngeschäft“, also nicht nur in den nachgelagerten Abteilungen. Diese „Talentprogramme“ müssten vom Topmanagement getrieben werden, etwa auch durch Mentoring-Partnerschaften.

Nicht-weiße Mitarbeiter und die Vertreter anderer Minderheiten müssten stärker in den Entscheidungsgremien vertreten sein, die über Beförderungen entscheiden. Außerdem müssten sie schon bei der Neueinstellung ausreichend berücksichtigt werden. Regelmäßige Inklusionstrainings für die Rechtsabteilungen werden ebenfalls empfohlen.

Zweitens müssten auch externe Dienstleister angehalten werden, stärker auf ethnisch gemischte Teams zu setzen: Hier müsse die Finanzbranche ihre Erwartungen klar formulieren. Beispielsweise könnte bei der Beauftragung externer Anwaltskanzleien künftig auch die Zahl der dort beschäftigten nicht-weißen Mitarbeitern eine Rolle spielen oder die Zusammensetzung der Partner. Wer nicht mit der Zeit geht, würde dann nicht mehr engagiert.

Drittens sollten die eigenen Rechtsexperten stärker ihre Fühler zu „unterrepräsentierten Gemeinschaften“ ausstrecken. Langfristig aufgebaute und gepflegte Netzwerke sollen sicherstellen, dass es ausreichend nicht-weiße Bewerber für neue Jobs gibt und diese auch während ihrer Karriere gefördert werden. Hierzu werden Mitarbeiter ermutigt, sich ehrenamtlich zu engagieren und Mitarbeiter mit ethnisch diversem Hintergrund verstärkt anzusprechen.

„Zusammenfassend muss unsere Firmenkultur die gesamte Bandbreite an Talenten, Lebensstilen und Perspektiven erkennen und berücksichtigen“, schließen die Chefjustiziare der Großbanken. „Unser Berufsstand wird besser und stärker sein, wenn wir dies getan haben.“

Wie groß der Nachholbedarf der Bankenwelt ist, was ein gemischtes Arbeitsumfeld angeht, zeigen schon die Zahlen zu Frauen in Führungspositionen. So belegen Studien, dass die Finanzbranche seit 2015 kaum Fortschritte bei der Diversität gemacht hat: Frauen haben es beim Aufstieg weiterhin schwer und verdienen deutlich weniger, wie die Personalberatung Willis Towers Watson (WTW) aufgeschlüsselt hat. Entsprechende Auswertungen zum Erfolg nicht-weißer Mitarbeiter scheitern bisher oft an der fehlenden Datenbasis.