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Grenke passt Geschäftsmodell an und vergrößert Vorstand

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Das Unternehmen reagiert auf den Angriff eines Investors. Ein Risikochef zieht in den Vorstand ein. Änderungen gibt es auch beim Franchise-Geschäft.

Der Konzern aus Baden-Baden steht seit Mitte September im Fokus der Märkte. Foto: dpa
Der Konzern aus Baden-Baden steht seit Mitte September im Fokus der Märkte. Foto: dpa

Der Leasinganbieter Grenke zieht nach der Attacke des britischen Investors Fraser Perring Konsequenzen für die Unternehmensstrategie und personelle Struktur. Sein bisheriges Franchisemodell gibt Grenke auf und integriert die Gesellschaften in den Konzern, zudem wird der Vorstand um einen Risikochef ergänzt.

Diese Veränderungen teilte das im MDax notierte Unternehmen an diesem Donnerstag parallel zur Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen für das dritte Quartal mit.

Vorstandsmitglied Sebastian Hirsch ist überdies künftig auch Finanzchef und die Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky übernimmt zusätzlich die Verantwortung für die Interne Revision. Dadurch solle mehr Transparenz für den Kapitalmarkt geschaffen werden, erklärte Leminsky.

Die Anpassungen sind mindestens in Teilen offensichtliche Reaktionen auf die Angriffe Perrings, der dem Unternehmen in mehreren Veröffentlichungen Bilanzfälschung, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen hat.

In seinem Geschäft musste Grenke derweil deutliche Rückgänge hinnehmen. Das Neugeschäft des auf die Vermietung von IT-Ausrüstung und Büroausstattung ausgerichteten Unternehmens ging um 19 Prozent auf 704,1 Millionen Euro zurück. Der Gewinn brach im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal um die Hälfte auf von 17,7 Millionen Euro ein, was einem Ergebnis je Aktie von 0,38 Euro nach 0,77 Euro im dritten Quartal 2019 entspreche.

Angriff „ohne nennenswerte Auswirkungen auf das Geschäft“

Grund hierfür seien eine gestiegene Risikovorsorge und Goodwillabschreibungen, so Grenke, nachdem sich die längerfristigen wirtschaftlichen Aussichten in einigen Ländern aufgrund der Corona-Pandemie nochmals eingetrübt hätten.

Der Angriff des vom Shortseller Fraser Perring kontrollierten Analysehauses Viceroy blieb dabei nach Angaben von Grenke „ohne nennenswerte Auswirkungen auf das Geschäft“. Allerdings dürfte es noch zu früh sein, um festzustellen, ob und welche Folgen die Attacke des Investors auf die Geschäftsentwicklung hat.

Mitte September hatte Viceroy schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen und dessen Gründer Wolfgang Grenke erhoben. Einige der Vorwürfe über etwaige Bilanzfälschungen, Betrug und Geldwäsche konnte Grenke schnell entkräften, zu anderen Punkten laufen derzeit noch verschiedene Sonderprüfungen.

Zum einen geht die Finanzaufsicht BaFin den Vorwürfen Perrings nach und untersucht die Bilanzen von Grenke, aber auch das Unternehmen hat Sonderprüfungen in Auftrag gegeben. Wie das Unternehmen nun mitteilte, hat es für die Beratung bei den laufenden Prüfungen zusätzlich die Kanzlei Hengeler Mueller mandatiert. Wann die Prüfungen abgeschlossen sein werden, ist noch nicht bekannt. Zuletzt hatte Grenke aber erklärt, die bisherigen Ergebnisse zeigten keine Auffälligkeiten.

Der Aktienkurs des Unternehmens bleibt gleichwohl weit unter dem Niveau, den er vor der Attacke Perrings hatte. Die Grenke-Aktie kostet aktuell nur gut die Hälfte dessen, was sie vor der Veröffentlichung der ersten Vorwürfe Perrings im September kostete. Insgesamt sank der Börsenwert des 1700 Mitarbeiter zählenden und in 33 Ländern vertretenen Unternehmens um rund 1,1 Milliarden Euro auf nur noch etwas mehr als 1,4 Milliarden Euro.

Umstrittenes Franchise-Modell wird aufgegeben

Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen und der strategischen Neuorientierung legte die Aktie allerdings um immerhin rund fünf Prozent zu und notierte im morgendlichen Handel um 32,50 Euro.

Nach dem Desaster um den Bilanzskandal beim durch Betrug in die Insolvenz gerutschten Dax-Konzern Wirecard sind Anleger verunsichert und Grenke steht seither besonders im Fokus. Insbesondere das schwer zu durchdringende Zahlenwerk und die bisherige Struktur des Franchisemodells sind dabei im Fokus.

Grenke setzt bei seiner Expansion im Ausland seit 2003 auf ein Franchise-Modell, das im Zentrum von Perrings Vorwürfen steht. In neuen Ländern werden Franchise-Gesellschaften von einem Manager aus den eigenen Reihen gegründet, die Finanzierung der Firmen erfolgt über einen externen Investor. Grenke wurde zudem die Option eingeräumt, die jeweilige Gesellschaft, sobald sich diese am Markt etabliert hatte, auf Basis einer vorher festgelegten Kaufpreisformel zu erwerben.

Viceroy wirft dem Firmengründer Wolfgang Grenke hingegen vor, ein undurchsichtiges Geflecht von personell oder finanziell verbundenen Firmen geschaffen zu haben, das im Geschäftsbericht nicht erläutert wird und vermutet, Grenke habe sich selbst bereichert. Der Investor bewertet das Franchisemodell letztlich als betrügerisches Konstrukt mit Scheingewinnen und zu hoch ausgewiesenen Geldbeständen.

Sowohl das Unternehmen als auch der Firmengründer, dessen Familie noch mehr als 40 Prozent an dem Konzern hält, weisen die Vorwürfe zurück. Seit Anfang des Jahres ist Grenke, der sein Aufsichtsratsmandat bis zur endgültigen Klärung der Vorwürfe ruhen lässt, an einer Reihe von Grenke-Franchisefirmen über ein Unternehmen namens CTP beteiligt.

Zuletzt hatte der Firmengründer der Grenke AG eine Übernahme der Franchisebeteiligungen bis Ende 2021 angeboten, sollte sich der Konzern entscheiden, das bisherige Modell nicht länger beibehalten wollen. Die betroffenen 16 Franchise-Unternehmen, die bislang noch nicht gekauft wurden, sollen nun integriert werden. Der Konzern plane, den Erwerb in den nächsten 12 bis 18 Monaten schrittweise zu vollziehen, teilte Grenke mit. Dafür sollen nach Unternehmensangaben unabhängige Wertgutachten erstellt werden.

Mit Agenturmaterial