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Grenke informiert über Verlauf der Prüfungen von Vorwürfen

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BADEN-BADEN (dpa-AFX) - Der unter dem Vorwurf der Bilanzmanipulation stehende Leasingspezialist Grenke <DE000A161N30> hat Inhalte der gutachtlichen Stellungnahme der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) zu der vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebenen Prüfungen vorgelegt. "WKGT kommt auf Grundlage der gewählten Prüfmethode und bestimmten Annahmen zu dem abschließenden Ergebnis, dass die bisherigen 17 Franchise-Übernahmen gesamthaft für die Grenke AG als positiv bezeichnet werden können", teilte der Konzern am Mittwoch in Baden-Baden mit.

Zudem habe WKGT die Marktüblichkeit der Franchise-Übernahmen überprüft. Im Ergebnis schätze die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft das Expansionsmodell von Grenke, bei dem die Franchise-Gesellschaften nach etwa fünf Jahren übernommen werden, als sehr spezifisch und als mit anderen am Markt zugänglichen Transaktionen schwer vergleichbar ein. Die Einbindung der externen Finanzinvestoren werde indes für die Expansion als grundsätzlich nachvollziehbar beurteilt, die ausschließliche Zusammenarbeit mit der CTP Handels- und Beteiligungs GmbH sei für WKGT hingegen nur zum Teil nachvollziehbar. Der Grenke-Vorstand hatte dazu bereits die Absicht bekanntgegeben, die bestehenden Franchise-Gesellschaften in den Konzern integrieren und künftig mit eigenen Start-up-Gesellschaften expandieren zu wollen.

Die Bewertungsmethodik der vereinbarten Kaufoptionen enthalte nach Einschätzung von WKGT zahlreiche marktkonforme Elemente, weiche aber insbesondere bei der konkreten Umsetzung einzelner Transaktionen teils von dem in der Praxis üblichen Standard ab. Die festgestellten Abweichungen seien nach Einschätzung von WKGT nicht unerheblich, lägen aber im Rahmen üblicher Unschärfen bei der Bewertung junger Unternehmen.

Derweil setze WKGT die Recherche zu personellen und gesellschaftsrechtlichen Beziehungen in Bezug auf die Eigentümerstrukturen der erworbenen Gesellschaften fort.

Mit Blick auf die gesonderte, weiter laufende Prüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hieß es, dass die KPMG bisher keine Anhaltspunkte gefunden habe, die vermuten ließen, dass das Leasinggeschäft nicht existiert.

Für die Behauptung, Grenke sei systematisch an Geldwäsche beteiligt gewesen oder habe solche ermöglicht, habe KPMG auf Basis aller bisherigen Untersuchungen keine Hinweise oder Bestätigungen übermittelt. Auch einen Verstoß gegen eine BaFin-Anordnung bei der Überprüfung des in den Vorwürfen genannten Einzelfalls habe KPMG nicht erkennen können.

Auch die Behauptung, dass die Grenke Bank Garantien für die Finanzverbindlichkeiten des Konzerns und insbesondere für emittierte Anleihen übernimmt, werde auf Basis der bisherigen Erkenntnisse ebenfalls nicht bestätigt.

Der Leasing-Spezialist aus Baden-Baden steht nach Vorwürfen der Investorengruppe Viceroy Research schwer unter Druck. Hinter den umstrittenen Investoren steht der Brite Fraser Perring, der sich bereits mit dem inzwischen insolventen Zahlungsabwickler Wirecard <DE0007472060> angelegt hatte. Viceroy wirft dem Grenke-Konzern unter anderem ein undurchsichtiges Geschäftsmodell mit unlauteren Praktiken rund um Scheingewinne und zu hoch ausgewiesenen Geldbeständen vor.