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Der Gründer von „Wall Street Bets“ warnt vor den Gefahren seiner Kreation

Dörner, Astrid
·Lesedauer: 4 Min.

Das Form „Wall Street Bets“ auf der Internetplattform Reddit steht im Zentrum der derzeitigen Revolte an der Wall Street. Der Gründer hat sich mittlerweile davon distanziert.

Jamie Rogozinski wäre eigentlich der Mann der Stunde. Der 39-Jährige hat 2012 das Forum „Wall Street Bets“ auf der Internetplattform Reddit gegründet, das derzeit im Zentrum der heftigen Marktturbulenzen an der Wall Street steht.

Dort sprechen die mittlerweile über sieben Millionen Mitglieder ihre Strategien ab, feuern sich an, lästern über Hedgefonds und etablierte Strukturen, von denen sie sich schon lange benachteiligt fühlen. Doch Rogozinski beobachtet die „Reddit-Revolte“ nur noch von der Seitenlinie. „Jetzt habe ich eine Familie, und mein Appetit auf Risiko ist deutlich geringer. Ich bin aus der Phase raus“, sagte er dem „Guardian“.

Der Amerikaner lebt in Mexico City mit seiner Frau und seinen dreijährigen Zwillingen und ist seit April nicht mehr in dem Forum aktiv. Als er „Wall Street Bets“ gründete, war er ein IT-Berater für die Inter-Amerikanische Entwicklungsbank in Washington, eine Institution, die die Wirtschaft in Lateinamerika und der Karibik unterstützt.

Damals war er Single und auf der Suche nach einem Weg, um mit Geld zu spielen, das er auf der hohen Kante hatte. Börsennotierte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), waren ihm zu langweilig.

Auch der Rat der Profis bei den Börsensendern CNBC und Fox Business gefiel ihm nicht. Daher gründete er ein Forum, in dem er mit Gleichgesinnten diskutieren konnte – über potenzielle Investments, von denen klassische Finanzberater automatisch abraten würden. Es hatte mehr mit Zocken zu tun als mit langfristiger Anlagestrategie. YOLO ist eines der Mottos – You only live once (Man lebt nur einmal).

In der Anfangsphase hätte er sich nicht träumen lassen, dass sein Forum einmal so eine Macht bekommen würde. Er lockte ein paar Tausend Mitglieder an. Eins davon war Martin Shkreli, ein Hedgefonds-Manager, der als „Pharma Bro“ bekannt wurde und eine Zeit lang ein Moderator der Gruppe war. Shkreli wurde 2018 wegen Finanzbetrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt.

2019 nahm Rogozinskis Forum an Fahrt auf. Damals waren große Brokerhäuser wie Schwab, Fidelity und TD Ameritrade dem Beispiel von Robinhood gefolgt und boten den Aktienhandel kostenlos an. Damit stieg die Nachfrage, sich über Strategien auszutauschen, und „Wall Street Bets“ war nahbar, unelitär, ein digitaler Ort, an dem die Mitglieder nicht nur ihre Gewinne zur Schau stellen, sondern auch ihre Verluste.

Nutzer hielten sich nicht an Regeln

Doch die „Demokratisierung der Finanzwelt“ brachte auch Schattenseiten mit sich, wie Rogozinski feststellen musste. Immer wieder hielten sich Nutzer nicht an die Regeln. In einem verwandten Forum des sozialen Netzwerks Discord fand Rogozinski rassistische und schwulenfeindliche Kommentare, die von den Moderatoren dort toleriert wurden. „Eine Handvoll von ihnen war zweifelsfrei aus der rechten Szene“, sagte er dem „Wall Street Journal“. Als Jude, der mit einer Mexikanerin verheiratet ist, konnte er das nicht akzeptieren und nahm die Gruppe offline.

Damit zog er den Zorn anderer Reddit-Moderatoren auf sich, die ihn im April aus dem von ihm gegründeten Forum ausschlossen. Ihnen missfiel auch, dass Rogozinski sein Buch über das Forum vermarktete. Dabei traf das genau den Nerv der Zeit. „Wall Street Bets: Wie Boomer für Millennials das größte Kasino der Welt geschaffen haben“, lautet der Titel.

Seiner Kreation und ihren unerwünschten Auswirkungen kann Rogozinski aber nicht entkommen. Vergangene Woche bat ihn Hedgefonds-Manager Andrew Left von Citron Research um Hilfe. Er hatte wie andere auf fallende Kurse bei Gamestop gesetzt und war dadurch zur Zielscheibe der Reddit-Trader geworden. Einige hätten online auch seine Kinder bedroht.

„Es gibt Amateuren Zugang zu komplizierten Instrumenten“

Am Samstag schloss Hedgefonds-Manager Steve Cohen von Point 72 Asset Management seinen Twitter-Account, nachdem er und seine Familie ebenfalls Drohungen erhalten hatten. Cohen hatte einem anderen Hedgefonds, Melvin Capital, mit einer Finanzspritze ausgeholfen, nachdem Melvin ebenfalls wegen Gamestop in Finanznöte geraten war.

Rogozinski warnt heute vor „unbeabsichtigten Konsequenzen“ des Forums. „Es ist demokratisch, aber es gibt Amateuren Zugang zu komplizierten Instrumenten, und das kann unglaublich gefährlich sein“ – auch, weil sich Marktstrukturen mit hoher Geschwindigkeit verändern würden. „Das zeigt, wie fragil das System ist.“